Exkursion gibt Einblicke in den Waldumbau
Im Wald ist Platz für die Natur

Eine typisch geschädigte Fichte, die dem fegenden Rehbock zum Opfer gefallen ist: Sie geht ein.
Vermischtes
Ebermannsdorf
21.05.2016
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Eine abendliche Exkursion im Mischwald von Richard Beer (rechts) bei Ipflheim bot Gelegenheit zum fachlichen Erfahrungsaustausch. Mit dabei waren auch (daneben, von rechts) Wolfhard-Rüdiger Wicht, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, sowie Beratungsförster Anton Preischl. Bilder: gm (2)

Er verknüpft wirtschaftliches Handeln mit Naturnähe: Einblick in seine Art der Waldbewirtschaftung gab Richard Beer bei einer Exkursion in seinen Wald bei Ipflheim.

Ipflheim. Waldbauern, Landwirte und amtliche Fachleute, Naturschützer und -liebhaber, insgesamt gut 50 Waldfreunde aus dem ganzen Landkreis, waren bei dem rund zweieinhalbstündigen Rundgang zwischen Ebermannsdorf und Pittersberg dabei: die einen dienstlich motiviert, die anderen aus privatem Interesse. Dabei wurden Erfahrungen ausgetauscht, auch, um zugunsten des Waldes dazuzulernen.

Stabiler Wald gut für alle


Beratungsförster Anton Preischl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten betonte, richtig bewirtschafteter, stabiler Privatwald komme neben dem Staatswald letztlich allen Bürgern zugute. Frische Luft mit viel Sauerstoff diene der Gesundheit, intakte Natur der Erholung. Deshalb würden auch Privatwaldbesitzer staatlich gefördert: "Der Wald ist für uns alle lebenswichtig."

Privatwaldbesitzer Richard Beer erläuterte seinen Weg beim Umbau zum Mischwald. Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, Wolfhard-Rüdiger Wicht, verwies auf den staatlich-bayerischen Weg mit integrativem Bewirtschaftungs-Ansatz nach dem Motto "Wald schützen durch nutzen". Die Situation der Wälder Bayerns habe sich dadurch in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert: Sie würden artenreicher, älter und strukturreicher, mit mehr Lebensraum-Qualität und beinhalteten inzwischen mehr Totholz und Biotop-Bäume. Beer sei mit seinem Engagement für die Natur und ihren Schutz im Privatwald Vorbild für andere. Das gelte auch für die Renaturierung von Feuchtflächen und den Einklang von Wald und Jägerei. Den Staatspreis habe Beer zu Recht erhalten, betonte Wicht: Er vertrete wirtschaftliches Handeln mit Naturnähe.

"Wir brauchen Laubholz"


Beim Rundgang fiel den Teilnehmern auf, dass Beers 10-, 15- und auch 20-jähriger Mischwald aufgrund der vielen jungen Laubbäume nicht nur frisch aussieht: Hier ist auch viel Licht, Sonne und Freiraum für die Bäume wie Fichte, Tanne, und Douglasie. Rückegassen seien im ganzen System die Voraussetzung für naturnahen Waldbau, betonte Förster Preischl. Der Laubbaum-Anteil mit Buche, Eiche, Vogelbeere, Hainbuche, Weißtanne oder Kirsche könne 30 bis 50 Prozent betragen. "Wir brauchen das Laubholz in unserer Region auch zur Bodenverbesserung", machte Preischl deutlich. Sein Grundsatz zur Durchforstung lautet "Mäßig, aber regelmäßig".

Zur PersonRichard Beer hat im November 2015 mit seiner Frau Doris und den beiden Kindern von Staatsminister Helmut Brunner einen der 14 bayerischen Staatspreise (Verleihung alle zwei Jahre) für "naturnahe, vorbildliche und ganzheitlich orientierte Waldbewirtschaftung" erhalten, der auch mit einem Geldpreis verbunden war. Beer hatte ökologisch wertvolle Maßnahmen im Sinne des Waldnaturschutzes umgesetzt.

Sein großer Lehrmeister und Unterstützer beim Thema Waldbau und Naturschutz im Privatwald ist Beratungsförster Anton Preischl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Amberg. Beide arbeiten seit 1997 in Theorie und Praxis Hand in Hand. Der 52-jährige Beer, von Hauptberuf Maschinenbauermeister, ist nebenher nicht nur Waldbauer, sondern auch Fischer, Jäger und Imker.

Viel Fachwissen hat er sich dadurch mittlerweile angeeignet. Seit knapp 20 Jahren widmet sich Beer seinem Wald, auf etwa 17 Hektar hat er es durch Zukauf inzwischen gebracht. (gm)

Richard Beer bezeichnet sich selbst als ein Freund von Birken im Wald. Seit 1997 hat er rund 12 000 Mischwaldpflanzen auf 17 Hektar gesetzt. Sein langfristiges Ziel ist der Plenterwald: Dort sei es im Winter, wenn das Laub abgefallen ist, hell und im Sommer schattig. Die Eiche brauche viel Licht und Platz, betonte Beer. Eine Einzäunung von 1,60 Meter beim Reh, 2,10 Meter bei Rotwild sei in unseren Breiten wichtig: Ohne sie seien Schäden an den Jungbäumen und damit Verluste nicht zu vermeiden. Jungpflanzen aus Baumschulen würden wegen ihrer nährstoffreichen Rinde leichter verbissen als freiwachsende Exemplare, sagte Beer. Der Wald verändere sich - er werde genutzt und wachse wieder nach, ergänzte Beratungsförster Anton Preischl: Deshalb sei Holznutzung durchaus als naturnah zu sehen.

Weil heutzutage der Oberforstmeister Sturm heiße, müsse man am Forstrand besonders auf Stabilität achten, unterstrich Beer: Der Wald brauche einen Mantel (Sträucher), genau wie der Mensch. Dieser Sturm-Schutz diene auch Kleinlebewesen.

Zudem würden Vögel über ihren Kot den Samen der Bäume ins Waldinnere tragen. Eine vertretbare Anzahl von Biotop-Bäumen (alte, zum Teil auch absterbende oder tote Exemplare) seien heute für jeden Wald von großer Bedeutung und damit unentbehrlich. Schwarzspecht und andere Kleinlebenwesen hätten hier ihren Lebensraum. Bei Holzhieben sollte dies berücksichtigt werden. (gm)
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