Haus- und Hofbezeichnungen erleben Renaissance in Pittersberg
Alte Namen voller Geschichte

Vermischtes
Ebermannsdorf
22.07.2016
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Haus- und Hofnamen sind den Pittersbergern etwas wert. Die Bürger ziehen mit, dass sie festgehalten und fortgeschrieben werden können. Darüber freut sich die Gemeinschaft für Schöpfung, Umwelt und Kultur, die Initiator dieser Aktion ist.

Pittersberg. "Die alten Namen verdienen Aufmerksamkeit, darin steckt Geschichte. Sie sollen in den künftigen Generationen weiterleben", sagt Vorsitzender Michael Götz. Schritt für Schritt mache die Initiative in der ganzen Nikolauspfarrei und darüber hinaus Fortschritte. So zum Beispiel beim "Birzer", am Fuße und Ortsrand des Pittersbergs.

Der Birzerhof war in den zurückliegenden Jahrhunderten der Pferdegespanne und der Entwicklungsphase des Industriezeitalters ein Vorspannbetrieb über den "bitteren Berg". Diesen Begriff haben die Fuhrleute von damals geprägt, informierte der Vorsitzende, der sich auf frühere Aussagen der Großeltern Margarethe und Georg Beer der jetzt hier wohnenden Familie Herbert Götz sowie auf Archiv-Unterlagen stützt. Zum "Birzerhof" gehörte demnach einst eine mittelgroße Landwirtschaft, von der die hier ansässige Bauersfamilie lebte. Und als Vorspannbetrieb hatte sie ein zweites, eigentlich sicheres Ein- und somit Auskommen, so Götz.

Hof im Altarbild zu sehen


Die Hofstelle ist nach seiner Auskunft sogar im Altarbild der Pfarrkirche Pittersberg von etwa 1730 ansatzweise zu sehen. 1835 zum Beispiel, so eine häufige Erzählung der Großeltern Beer (Opa Georg verstarb 1950, Oma Margarethe im April 1968), soll am Pittersberg und ringsherum ein großes Unwetter niedergegangen sein, dass deren Großeltern vom Sand eines vom Wasser gerissenen Grabens das heute noch stehende alte Wohnhaus bauen konnten. Diese Überlieferungen stammen laut Götz von den Alten, die sie den Kindern an Abenden beim Zusammensitzen in der Familie oft erzählten. Den Graben gebe es heute noch als Hochgraben; Flur und Straße sind nach ihm benannt. Früher stand der Birzerhof allein in der Natur, heute ist er weitgehend von Wohnhäusern, auch der eigenen Kinder, umbaut, berichtet Götz. So habe die Hofstelle im Lauf der Zeit viel erlebt, heute sei "der Birzer" hübsch von viel Grün eingenommen.

Josef und Maria Götz, geborene Schönberger aus Högling, hatten als Vorgänger-Generation eine Großfamilie von sieben Kindern. Josef (geboren 1910) entstammte dem Hof, Gattin Maria (1926) heiratete im September 1947 in die Landwirtschaft ein. Sechs Buben und ein Mädchen samt Eltern und Großmutter säumten den Küchentisch in großer Runde, weiß der Vorsitzende. Gegenseitige Unterstützung im Alltag zur Nachkriegszeit sowie die Mithilfe auf dem Hof seien da stets angesagt gewesen.

"Die Kinder erlernten alle einen Beruf und flogen langsam, aber sicher aus." Vater Josef Götz verstarb 1980, Maria Götz 2002. Die Lebensspanne der Eltern stehe auf der Hoftafel verankert. Der Bruder des einstigen Besitzers namens Michael, geboren 1912, war 1943 als Fallschirmjäger auf Kreta verschollen, teilte Götz mit. Er hätte den Hof übernehmen sollen, erfuhr der Vorsitzende durch Erzählungen von Großmutter Margarethe. Ihr erster Mann - beide hatten zur Kaiserzeit 1907 geheiratet -, hatte sich als 26-Jähriger bei einer Feuerwehrübung 1912 eine Lungenentzündung zugezogen; er verstarb sechs Wochen später. Deshalb verehelichte sich Margarethe wegen Hof und Familie 1918 ein zweites Mal mit Georg Beer aus Breitenbrunn.

HintergrundIm Archiv der Nikolauspfarrei wurde in punkto Familiengeschichte Götz ebenfalls geforscht und gesucht. Hier fand sich zum Beispiel in nach-napoleonischer Zeit ab 1818 auch ein Andreas Götz, der damals am Pittersberg langjähriger Kirchenpfleger war. Im Übrigen hat die Pfarrei laut Michael Götz eine größere Menge an Archivmaterial in Verwahrung und Verwaltung. Wer also familiengeschichtlich etwas wissen will, findet hier unter Umständen Antworten und Hilfe (09438/880).
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