Tschechisches Ensemble "Barocco sempre giovane" beim Abschlusskonzert des Festivals Mitte ...
Barocker Glanz voll ewiger Jugend

Kultur
Ebnath
09.08.2011
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Barocke Musik von höfischer Eleganz - das war das Markenzeichen des festlichen Abschlusskonzertes des Festivals Mitte Europa, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Festival "Tschechische Träume". Und was passt zu einem solchen Motto besser als ein tschechisches Kammer-Ensemble mit dem bezeichnenden Namen "Barocco sempre giovane" (etwa: "Ewig junger Barock")? Erst im Jahre 2004 wurde das Ensemble mit jungen Spitzenmusikern von dem bekannten Violoncellisten Josef Krecmer gegründet und widmet sich seither der Musik des Barock und des Klassizismus, aber auch der modernen Musik.

Die zahlreichen Zuhörer in der katholischen Pfarrkirche St. Ägidius in Ebnath mussten sich am Sonntagabend etwas gedulden, bis sie die jungen Musiker zu Gesicht bekamen. Denn zunächst gaben zwei ortsansässige Gruppen eine Kostprobe ihres Könnens: zum einen der Kirchenchor, der in diesem Jahr sein 125. Jubiläum feiert, und zum anderen die Fichtelgebirgskapelle Ebnath.

Unstimmiger Prolog

Sicher: Es ist aller Ehre wert und ein schönes Zeichen, wenn einheimische Gruppen in das Abschlusskonzert des Festivals einbezogen werden. Doch gerade angesichts von Henry Purcells "Trumpet tune and air" der Fichtelgebirgskapelle, das durch den prägnanten Einsatz einer Trommel eher an einen modernen Marsch als an ein barockes Kleinod erinnerte, hegte man schon leichte Zweifel an der Kompatibilität von Vorprogramm und Konzert.
Doch was dann folgte, angefangen mit einer Version für Orgel von besagtem Werk, gespielt vom Ensemble-Cembalisten Pavel Svoboda, entschädigte für alles. Mit einem Concerto grosso des englischen Komponisten Charles Avison begann ein festlich-barockes Konzert voller graziöser Eleganz. Hier war alles vertreten, was in der barocken Musikwelt Rang und Namen hat: Johann Wenzel Anton Stamitz, der böhmische Violinist und Gründer der "Mannheimer Schule", Georg Friedrich Händel, Johann Pachelbel und zu guter Letzt natürlich auch Antonio Vivaldi.

Einen ersten Höhepunkt bildete zweifelsohne dessen Konzert B-Dur "La Notte" RV 501. Es war schon erstaunlich, mit welcher Virtuosität und zugleich auch Leichtigkeit das Ensemble "Barocco sempre giovane", allen voran Václav Vonásek am Fagott, auch die schnellsten Passagen im zweiten Satz meisterte, ehe alles in das wunderschöne, ruhig gespielte "Il sonno" (Der Traum) mündete. Einzig Johann Pachelbels berühmter Canon D-Dur hätte etwas mehr Legato vertragen können, um das Thema besser zur Geltung zu bringen.
Der zweite Teil des Abends hielt noch ein wahres Kleinod der modernen Musik parat, nämlich "Ritorni per Archi e Cambalo" von Vít Zohuar, unter anderem bekannt durch seine elektroakustischen Arbeiten. Dieses kammermusikalische Werk jedoch ist von Rhythmik und Tonrepetitionen geprägt und weist eine moderne Harmonik auf, ohne dabei die traditionelle Tonalität ganz zu verlassen. Das Konzert endete schließlich mit Vivaldi und dem Konzert C-Dur RV 472, bei dem sowohl die jungen Musiker als auch Vonásek am Fagott ihr Können noch einmal voll unter Beweis stellen konnten.

Zum Schluss gab es schließlich nicht nur euphorischen Applaus, sondern auch Blumen für die Musiker und den Intendanten des Festivals, Prof. Thomas Thomaschke.
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