Von Kirche zu Kirche

Organist Gerhard Kuhbandner weiß viel Wissenswertes über die lange Historie der Ebnather Pfarrkirche zu berichten (rechts). Linkes Bild: Die Herz-Jesu-Kapelle auf dem Kalvarienberg. Über ihre Entstehung gibt es eine äußerst spannende Legende.
Kultur
Ebnath
10.07.2016
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Die im 18. Jahrhundert neu erbaute barocke Pfarrkirche St. Ägidius Ebnath ist innen wie außen ein sehenswertes Gotteshaus (links). Rechtes Bild: Wenn die Besucher die Kapelle in Schwarzenreuth betreten, trifft ihr Blick sofort den Auferstandenem, der mit erhobenen Armen über dem Altar thront.
 
Irgendwie ein bisschen gruselig, aber trotzdem ein ergreifender Anblick. Die Ebnather Pfarrkirche St. Ägidius besitzt mehrere Reliquien, unter anderem das Haupt der heiligen Veronika. Bilder: soj (5)

Kirche und Wirtshaus gehören untrennbar zusammen. Beide sind seit Ewigkeiten Nachbarn. Ohne einander sind sie kaum denkbar. Aber erst kommt der Glaube, dann die Gastronomie.

Mit "Kirche & Wirtshaus" war eine besondere Führung umschrieben, zu der die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Tirschenreuth eingeladen hatte. Die Pfarrkirche St. Ägidius in Ebnath, die Herz-Jesu-Kapelle auf dem Kalvarienberg und Auferstehungskapelle in Schwarzenreuth lagen auf dem besonderen Weg. Und nach "getaner Arbeit" traf sich die wackere Truppe im Gasthaus Schinner zu einer ausgiebigen Nachbereitung.

Modern und gelungen


Los ging es in Schwarzenreuth. Hier befindet sich ein sehr modernes Gotteshaus. 2011 geweiht, ist es ein gelungenes Werk der Ortsgemeinschaft und heimischer Künstler. Dann ging es weiter zur 1875 errichteten Herz-Jesu-Kapelle auf dem Kalvarienberg und zur im 18. Jahrhundert neu erbauten barocken Pfarrkirche St. Ägidius Ebnath. Diese zeichnet sich in der heutigen Betrachtung vor allem durch die nahezu vollständige Ausstattung aus der Erbauungszeit aus.

Hans Stelzl von der KEB konnte auch Pfarrgemeinderatssprecher Hans Enders begrüßen, der auf eindrucksvolle Art die Kapellen in Schwarzenreuth und auf den Kalvarienberg vorstellte. Enders, gleichzeitig Vorsitzender des Kapellenbauvereins Schwarzenreuth, begann seine Ausführungen mit der Vorgeschichte, die zur Entstehung des Dorfplatzes mit der Kapelle führte. In früheren Jahren war die Glocke des Dorfes, die zum täglichen Angelusgebet und bei Sterbefällen geläutet wurde, auf einem Privathaus angebracht. Unterstützt durch die Gemeinde Neusorg und das Amt für Ländliche Entwicklung, wurde schließlich das Projekt "Dorfplatz und Kapelle" erfolgreich in Angriff genommen. "Beten und Feiern gehören in unserem christlich-abendländischen Kulturkreis eng zusammen", sagt Hans Enders bei der Führung. Der Name wurde gewählt, weil die Auferstehung wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens ist.

Wenn die Besucher die Kapelle betreten, führt ihr Blick sofort zum Auferstandenem, der mit erhobenen Armen über dem Altar thront. Seitlich sind in die 14 Seitenfensterelemente die Kreuzwegstationen eingearbeitet. Die Fenster in ihrer besonderen Farbgebung erstrahlen in einem freundlichen Licht. Sie wurden vom Kunstmaler und Bildhauer Max Fischer aus Neustadt/WN entworfen. Der Altar und die Figuren im Altarraum, der auferstandene Christus, die heilige Maria und der heilige Josef stammen vom Ebnather Holzschnitzer Gerhard Schinner.

Bequeme Bänke


Eine Empore ziert den Innenraum der Kapelle, von dort hat man Zugang zum Glockenturm. Bequeme Sitzbänke laden die Besucher ein, Ruhe zu finden, zu beten und bei leiser Mediations-Musik in Stille zu verweilen. In der Kapelle wird in der Zeit von Mai bis Oktober an drei Tagen in der Woche der Rosenkranz gebetet. Außerdem finden Kreuzwegandachten, Maiandachten, adventliche Andachten sowie Gottesdienste bei besonderen Anlässen wie Dorfkirwa oder Bittgang statt. Die Kapelle ist täglich von 8 bis 18.30 Uhr geöffnet.

Die Besichtigungstour führte weiter zur Herz-Jesu-Kapelle auf dem Kalvarienberg. Aus einem Schreiben vom Januar 1873 geht hervor, dass der als lediger Ökonom-Sohn aus Schwarzenreuth bezeichnete Thomas Höss den Bau einer Kapelle anstrebte und ein Bauplan bereits vorlag. Höss beabsichtigte, den Bau aus eigenen Mitteln und mit Hilfe von Wohltätern zu finanzieren. Das bischöfliche Ordinariat lehnte das Vorhaben zunächst ab, weil die geplante Kapelle als zu klein erachtet wurde. Thomas Höss stockte die Summe auf 300 Gulden auf. Der Ebnather Pfarrer Schricker bat erneut um die Genehmigung, die er dann schließlich auch erhielt. Am 1. August 1875 wird berichtet, dass die Kapelle in wenigen Tagen fertiggestellt sein wird. Nach 1875 erhält sie zwei in der Gießerei Heinz in Bayreuth gegossene Glocken.

Schlechtes Gewissen?


Das Motiv für die Erbauung der Kapelle könnte ein Streit gewesen sein, bei dem Thoms Höss den Kontrahenten getötet haben und nach Amerika ausgewandert sein soll. Es heißt: Nachdem ihm sein Gewissen keine Ruhe ließ, habe er brieflich nach vielen Jahren gebeten, eine Kapelle in der Heimat zu errichten. Dazu habe er das notwendige Geld aus Amerika geschickt. Für diese Version finden sich in den Akten allerdings keinerlei Beweise.

Bei der letzten Renovierung in den 1990er Jahren wurden bequeme Holzbänke eingebaut. Im Jahr 2012 wurde ein neuer Altar installiert. Dieser stand vorher in der Kapelle des Kolpinghauses Regensburg. An der Frontseite befindet sich die Herz-Jesu-Statue. Die Bilder im Innenraum stammen von den Ebnathern Michael Schenkl und Hans Enders.

Schließlich war die Pfarrkirche St. Ägidius in Ebnath an der Reihe, wo Chorleiter und Organist Gerhard Kuhbandner in seinem Element war. Die erste Kunde über die Weihe einer Kirche ist in einem Codex des Klosters Reichenbach am Regen zu finden. Hiernach weihte Bischof Diepold aus Passau auf Bitten seines Neffen Diepold des Jüngeren in Jahre 1179 eine Kirche. Im Jahre 1741 ging man an den Neubau eines Gotteshauses. Es wurde erstellt nach den Plänen des Baumeisters Georg Dillen aus Amberg. 1751 folgte die Weihe.

Häufig mit Hirschkuh


Patron der Kirche und der Pfarrei ist der heilige Ägidius, der häufig mit einer Hirschkuh dargestellt wird, wie es auch im Deckengemälde und im Altarbild zu sehen ist. Die Beichtstühle mit ihren wertvollen Schnitzereien stammen aus dem Jahr 1752, der Hochaltar eines Schreinermeisters aus Kemnath wurde 1753 erstellt. Die Statuen in Lebensgröße stammen von einem Bildhauer aus Auerbach. Fast alle Gemälde hat der Maler Johann David Radius aus Röslau geschaffen. Die Kirche besitzt mehrere Reliquien, so das Haupt der heiligen Veronika, das am 1. Oktober 1770 vom Einsiedler Zwickl aus Rom mitgebracht wurde.

Fränkischer Einfluss


Des Weiteren gibt es eine Reliquie des heiligen Ägidius, des heiligen Sebastian und ursprünglich der heiligen Barbara, die jedoch verschollen ist. Erst im 20. Jahrhundert kam eine Reliquie des heiligen Bruder Konrad hinzu. Interessant ist, dass alle bisherigen Orgeln von fränkischen Meistern erstellt wurden. Die heutige Orgel bauten die Gebrüder Hey aus Urspringen in der Rhön. Sie besitzt 27 Register auf zwei Manualen und Pedal. 1683 Pfeifen stehen im erweiterten Gehäuse von 1902, das aus Denkmalsschutzgründen erhalten wurde.

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/Bildergalerie
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