Außergewöhnlicher Unterricht zum Thema "Flucht" - Fragen stellen und Vorurteile konsequent ...
Was würdest du mitnehmen?

Mit zwei Zitaten von Elisabeth Hartnagel, Schwester von Sophie Scholl, schloss Bertram Nold den bedeutsamen Vormittag mit Anke Zimmermann und Arno Speiser. Bild: ld
Politik
Ebnath
08.07.2016
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Einen überaus interessanten und lehrreichen Vormittag hatte der Lehrer der 9. Klasse der Fichtelnaabtalschule, Bertram Nold vorbereitet. Zum Thema "Geflüchtete" war Anke Zimmermann vom "Bündnis gegen Rechts - Demokratie und Menschenwürde schützen" mit Sitz in Bad Alexandersbad gekommen. Zusammen mit Arno Speiser, Vertreter des Bayrischen Jugendrings und hier zuständig für Rechtsextremismus, gestaltete sie mit Spielen und einer Fülle von wichtigen Informationen zum Thema einen sehr abwechslungsreichen Vormittag.

Die Arbeit der Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus habe sich seit der Flüchtlingskrise erheblich intensiviert, stellte die Referentin eingangs fest, um in einer ersten Aktion den Schülern sowie den beiden Bürgermeistern aus Brand und Ebnath, Ludwig König und Manfred Kratzer, die als Gäste teilnahmen, zu verdeutlichen, dass man sich bei der Rückschau auf die Herkunft über mehrere Generationen hinweg keineswegs auf einen engen Raum beschränken kann.

Ecke bleibt leer


Am Ende blieb die Ecke, in der sich jene sammeln sollten, die Kontakt zu Geflüchteten haben, leer. Eine Tatsache, die Vorurteile fördert, weil man sich dann auf Informationen stützen müsse, die keineswegs gesichert sein müssen, zumal heute das Internet und andere digitalen Medien als Quelle genutzt werden, wo die Verbreitung von Meinungen und Einstellungen sehr leicht und nicht immer sachlich ist.

"Welche Empfindungen hast du beim Thema 'Geflüchtete'? und "Was würdest du auf eine Flucht mitnehmen?" lauteten zwei Aufgaben, die geeignet waren, um die Schüler in die Rolle von Geflüchteten schlüpfen zu lassen. Keineswegs ist das Smartphone Luxus sondern wichtiges Utensil auf dem beschwerlichen Weg, liefert es doch wichtige Daten über den Standort, hilft mit Hinweisen und Tipps über das Zielland und hält vor allem auch die Verbindung zu den zurückgebliebenen Angehörigen aufrecht. Nachdem die Wirkung von Vorurteilen auf den Betroffenen näher untersucht wurden, war die Verlässlichkeit von Informationsquellen Thema.

"Je detaillierter die Fragen, desto genauer die Informationen", fasste Arno Speiser zusammen. Es sei dringend nötig, genau hinzuschauen, woher die Informationen stammen und auch deren Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. Die häufigsten Vorurteile wurden anschließend untersucht, um wenigstens ein bisschen Klarheit zu schaffen. Und wenn es dann darum ging, anzugeben, wen man auf eine einsame Insel mitnehmen würde, um dort eine neue Gesellschaft zu gründen, wurde schnell klar, dass Hautfarbe und Herkunft keinerlei Rolle mehr spielen sondern nur Kompetenzen gefragt sind.

Die aktuelle Phase bezüglich "Flucht und Geflüchtete" sei nicht neu, erklärten die Referenten und überraschten mit zwei teils heftigen Schmähgedichten auf die Betroffenen, die öffentlich abgedruckt waren. Zum Erstaunen der Anwesenden stellte sich heraus, dass eines davon die Flüchtlinge der Nachkriegszeit betraf, also durchaus auch Vorfahren der anwesenden Schüler und Erwachsenen. Das zweite stammte aus der Zeit der Wiedervereinigung und galt den ehemaligen DDR-Bürgern. Speiser wandte sich gegen die Begriffe "Flüchtlingswelle oder - schwemme". 1,67 Prozent der aktuell 60 Millionen Flüchtlinge kämen nach Deutschland, auf 80 Deutsche also ein Flüchtling. Könne man da von einer Schwemme sprechen?

Zahlen hinterfragen


Die Zahl sei dazu keineswegs gesichert, da Doppelregistrierungen nicht selten seien. Die Zahl sei wahrscheinlich wesentlich kleiner. Im Landkreis Tirschenreuth kämen derzeit 0,85 Flüchtlinge auf einen Quadratkilometer. Nach einem kurzen Blick ins Asylrecht wurde auch der schwierige Zugang für Flüchtlinge zum Arbeitswelt erörtert.
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