Streit in Ebnath
Gräben bleiben offen

Auch wenn ihm die Opa-Rolle noch weitaus besser gefällt als jeder andere Posten, macht Bäckermeister Eberhard Söllner (rechts) an der Spitze des Ebnather Gewerbevereins weiter. Zur Seite stehen ihm (von links) Elisa Fuchs, Kassier Marco Kellner, zweiter Vorsitzender Uwe Kern, Tobias Göhl, Kassenprüfer Peter Erhardt, Gerhard Schinner, Marita Becher, Egid Kellner, Kassenprüfer Robert Söllner junior und Schriftführerin Alexandra Kern. Bild: man
Politik
Ebnath
17.02.2016
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Die Gräben sind noch nicht zugeschüttet. Die Verantwortlichen des Ebnather Gewerbevereins wollen Bürgermeister Manfred Kratzer (SPD) nicht ohne Vorbedingung verzeihen, dass er in seiner Neujahrsansprache die Zusammenarbeit mit ihnen als "Enttäuschung des Jahres 2015" bezeichnet hat.

In der 21. Jahreshauptversammlung der organisierten Geschäftsleute am Montagabend im Gasthaus Schinner folgte die zweite Enttäuschung. Vorsitzender Eberhard Söllner bedauerte in seiner Begrüßung der 35 Gäste, dass sich der Rathauschef nicht zur Runde gesellt hatte. "Er war eingeladen", informierte Söllner, "hat sich aber wegen einer Vorstandssitzung des Fichtelgebirgsverereins entschuldigt".

"Keine Parteipolitik"


Dabei besteht offenbar erheblicher Gesprächsbedarf. Drei Anschreiben des Gewerbevereins an den Bürgermeister wegen eines Schlichtungstermins blieben dem Vernehmen nach unbeantwortet. "Und wir wissen bis heute nicht, was er bei uns kritisieren wollte", schiebt Söllner hinterher.

Der Vorsitzende hatte nach eigenem Bekunden einige schlaflose Nächte wegen des Zerwürfnisses: "Es geht nicht gegen eine Partei, weil Parteipolitik im Gewerbeverein nichts verloren hat. Wir erbringen Leistungen für die Gemeinde." Manfred Kratzer erweckt nach den Worten des Vorsitzenden den Eindruck: "Wer nicht für den Bürgermeister ist, ist gegen die Bürgerinnen und Bürger." Das sei ein Schmarrn. "Wir haben alle unser Gewerbe in Ebnath, wir können uns das gar nicht leisten." A propos leisten. Ein Mitglied des Gewerbevereins beklagte sich in der Diskussion sogar über einen Umsatzrückgang in seinem Geschäft, nachdem die Auseinandersetzungen im Nachklang des Neujahrsempfangs öffentlich geworden waren: "Das sind anscheinend Unterstützer des Bürgermeisters, die nicht mehr einkaufen."

Auch bei der Organisation des jüngsten Weihnachtsmarkts habe es sehr unterschiedliche Auffassungen über die Arbeitsteilung gegeben. Für Unmut sorgte darüber hinaus die erste Ausgabe des "Zwerglblatts" mit Bürgermeister Kratzer als Herausgeber. Zwar ist die Hochglanzbroschüre mit Gemeindenachrichten kein direktes Konkurrenzprodukt zum ebenfalls regelmäßig erscheinenden Gewerbe-Blatt der Geschäftsleute, doch stieß am Montagabend sauer auf, dass der Bürgermeister das Heft als Sprachrohr benutze, um aus seiner Sicht die "kabarettistische Rede" vom 5. Januar aufzuarbeiten. Kratzer gibt hier im Vorwort sogar zu, dass er einen Fehler gemacht hat, verurteilt aber im Folgenden die "öffentliche Schlammschlacht".

Noch einen drauf setzt in der Versammlung Egid Kellner. Er habe den Bürgermeisterkandidaten Manfred Kratzer vor der Wahl öffentlich unterstützt, sei aber inzwischen ein "enttäuschter Wähler".

Warum sträubt sich der Bürgermeister gegen eine Schlichtung mit neutralen Personen? Warum will er sein Rathaus nicht verlassen und auf seine Bürger zugehen?Egid Kellner

Kellner wörtlich: "Sehr gefreut habe ich mich über die ersten zwei Sätze im Zwerglblatt, und ich dachte schon jetzt hat er's begriffen und fängt an, den Riss durch die Ortschaft wieder zu kitten, den er mit seiner dummen und extrem beleidigenden Neujahrsansprache provoziert hat." Doch von Einsicht, Erkenntnis und Reue sei keine Spur, weil Kratzer im Resümee den Mitgliedern des Gewerbevereins die "Schuld an dem Drama" wieder in die Schuhe schiebe. Kellner wirft dem Bürgermeister auch vor, eine zugesagte gemeinsame Lösung in Sachen Zwergl- und Gewerbe-Blatt ignoriert zu haben.

Hoffnung lebt noch


Da der Bürgermeister einer direkten Auseinandersetzung aus dem Weg gehe, stellten sich für Kellner bestimmte Fragen: "Warum sträubt er sich gegen eine Schlichtung mit neutralen Personen? Warum will er sein Rathaus nicht verlassen und auf seine Bürger zugehen?"

Dennoch hat der alteingesessene Geschäftsmann die Hoffnung noch nicht vollständig aufgegeben, dass sich etwas im positiven Sinne für alle Beteiligten bewegt. Doch bewegen müsse sich nach den Worten Kellners zunächst der Bürgermeister. Der war übrigens am Dienstag telefonisch nicht zu erreichen.

NeuwahlenIn der Jahreshauptversammlung des Gewerbevereins wurden auch "klassische Themen" abgearbeitet - unter anderem Neuwahlen. Frisch gebackener Kassier beim Gewerbeverein ist Marco Kellner . Er löst Robert Söllner junior ab, der sich wegen wachsender beruflicher und privater Verpflichtungen an der Seite von Peter Erhardt auf die Kassenprüfung beschränkt. Vorsitzender bleibt Eberhard Söllner , zweiter Vorsitzender Uwe Kern . Dessen Ehefrau Alexandra Kern fungiert weiterhin als Schriftführerin. Beisitzer bleiben Gerhard Schinne r, Egid Kellner und Tobias Göhl . Neu in dieser Funktion sind Marita Becher , Christine Heinl und Elisa Fuchs . (man)


Angemerkt von Manfred Hartung
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