Streit in Ebnaths Gemeinderat
„Die zwei mögen sich nicht“

"Wenn rechts und links eine Hand hochgeht, kann ich als Einzelperson nicht immer erkennen, wer zuerst dran war, vor allem, wenn ich mich auch noch auf das Gesprochene konzentrieren muss." Zitat: Ebnaths Bürgermeister Manfred Kratzer, lässt den Vorwurf nicht gelten, er würde einzelne Wortmeldungen bewusst übergehen.
Politik
Ebnath
22.07.2016
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Eine E-Mail erregt im Gemeinderat die Gemüter. Bernd Kuhbandner (AWE) wirft Bürgermeister Manfred Kratzer (SPD) vor, seine Sitzungen nicht im Griff zu haben. Dieser wiederum kritisiert, dass Kuhbandner die Mail an 30 weitere Empfänger geschickt hat.

Im Gespräch wird klar: Die Politik steht im Hintergrund, es ist wohl ein persönliches Problem, das da ausgetragen wird - zwischen Kuhbandner und einem weiteren Gemeinderatsmitglied (SPD), das namentlich nicht genannt werden möchte. "Wenn ich zu reden beginne, versucht er mich abzuwürgen", erklärt Kuhbandner. In den Sitzungen fallen - nach seinen Aussagen - aggressive Zwischenrufe wie "Der schon wieder". Im Juni habe es ihm gereicht, er wandte sich an den Bürgermeister. Eine Erklärung für das Verhalten seines Gemeinderatskollegen hat Kuhbandner nicht: "Vielleicht ist es was persönliches, vielleicht, weil ich von der Konkurrenz bin. Ich weiß es nicht."

"Ich kann da nichts dafür"


Bürgermeister Kratzer konkretisiert die Situation: "Die zwei mögen sich nicht". Es handle sich um ein persönliches Problem, dessen Ursprung 20 Jahre zurückliege. "Ich kann da nichts dafür. Das hat mit dem Gemeinderat nichts zu tun." Er greife ein, sobald es nötig ist. Dann rufe er die Beteiligten zur Raison.

Kuhbandner sieht das anders, wie seine Mail zeigt: "Der Vorsitzende, in diesem Falle der Bürgermeister, sollte seine Sitzung so im Griff haben, dass beleidigende und streitsüchtige Äußerungen von vorneherein unterbunden beziehungsweise gerügt werden. Aber vom Bürgermeister kam da nichts", schreibt er. Dies sei nicht der erste Vorfall. Ein weiterer Streitpunkt: Kratzer soll bei den Sitzungen Kuhbandners Meldungen übergehen.

Kratzers Antwort kam ebenfalls per Mail: Er habe sich eingeschaltet, sobald störende Bemerkungen fielen und die betreffende Person "ermahnt". Auch die nicht berücksichtigten Wortmeldungen seien keine Absicht. "Wenn rechts und links eine Hand hochgeht, kann ich als Einzelperson nicht immer erkennen, wer zuerst dran war, vor allem, wenn ich mich auch noch auf das Gesprochene konzentrieren muss", betont Kratzer. Er kritisiert vielmehr, dass Kuhbandner seine E-Mail direkt an 30 weitere Empfänger geschickt hat - darunter auch der Fraktionsvorsitzende der CSU, der dritten Partei im Gemeinderat. "Normalerweise hätte ich das im persönlichen Gespräch geklärt. So musste ich aber auf diesem Weg reagieren."

Ein weiterer Kritikpunkt des Bürgermeisters: Weder Kuhbandner, noch der zweite AWE-Mann im Gemeinderat, Peter Casper, hatten die Antwort-Mail des Bürgermeisters an die Empfänger der Ursprungs-Mail weitergeleitet. "Ich vermisse hier Offenheit und Ehrlichkeit", betont Kratzer. Kuhbandner hingegen ist sich keiner Schuld bewusst, Der Bürgermeister habe Casper um die Weiterleitung der E-Mail gebeten, nicht ihn. "Ich habe mich nur daran gehalten." Zudem hätte Kratzer auch einfach auf "Allen antworten" klicken können.

Keine gute Stimmung


Auch bei der Frage, ob das angespannte Verhältnis der beiden Gemeinderäte die Zusammenarbeit im Gremium beeinflusse, sind sich Kratzer und Kuhbandner nicht einig. "Ich bin als Gemeinderat darüber erhaben. Ich habe weder etwas gegen die SPD noch gegen den Gemeinderatskollegen", sagt Kuhbandner. Er merke aber, dass die Stimmung im Gemeinderat "nicht gut" ist. Es gebe aber zwischen seiner AWE keine Vereinbarungen oder Absprachen mit SPD und CSU. "Wir arbeiten mit der Partei zusammen, die uns dabei hilft, einen Punkt zu verwirklichen."

"Die Stimmung ist mit Sicherheit nicht gut", betont auch Kratzer. "Natürlich beeinflusst diese Situation die Arbeit im Gemeinderat. Es gibt keine Partei-Zusammenarbeit." Bei der Wahl zum zweiten Bürgermeister überstimmten AWE und SPD 2014 gemeinsam die CSU und deren bisherigen zweiten Bürgermeister.

Wenn rechts und links eine Hand hochgeht, kann ich als Einzelperson nicht immer erkennen, wer zuerst dran war, vor allem, wenn ich mich auch noch auf das Gesprochene konzentrieren muss.Ebnaths Bürgermeister Manfred Kratzer, lässt den Vorwurf nicht gelten, er würde einzelne Wortmeldungen bewusst übergehen.
1 Kommentar
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Hans - Peter Kastner aus Brand | 22.07.2016 | 12:11  
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