Fleißig, geschickt und höflich
17-jähriger Senegalese Praktikant in Bäckerei

Vom Senegal nach Neusorg ist ein weiter Weg. Fall Marnour ist ihn gegangen - zur Freude von Bäckermeister Eberhard Söllner (mit Enkelin Linda) und Juniorchef Tobias Göhl. Bild: soj
Vermischtes
Ebnath
26.01.2016
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Integration wird auch beim Gewerbeverein in Ebnath groß geschrieben. Das zeigt die kulinarische Aufmachung des Kalenders für das laufende Jahr mit vielen Gerichten und Rezepten aus dem Ausland. Noch einen ganzen Schritt weiter ging der Vorsitzende des Gewerbevereins, Eberhard Söllner.

Fall Marnour, ein 17-jähriger Senegalese, absolvierte in der Bäckerei Söllner ein zweiwöchiges Praktikum. Der rührige Chef und seine Kollegen bezeichneten den dunkelhäutigen Gast als einen fleißigen und wissbegierigen jungen Mann. Er sei handwerklich sehr geschickt und habe eine schnelle Auffassungsgabe. Er sei stets höflich gewesen und immer hilfsbereit.

Marnour wurde im März 1998 im Senegal geboren. Als 15-Jähriger verließ er zusammen mit einem Bekannten seine Heimat. In Marokko war er etwa vier Monate als Mauerer in einer Ziegelei beschäftigt.

Dann führte ihn sein Weg für zwölf Monate nach Spanien. Danach ging seine Reise weiter nach Frankreich und Italien, schließlich über Österreich nach Rosenheim, wo er am 20. Januar 2015 eintraf. In Neustadt/WN wurde er in einem Heim aufgenommen, das Asylanten betreut. Inzwischen lebt er in Weiden.

In der Backstube in Neusorg gewährte der junge Afrikaner so manchen bemerkenswerten Einblick in sein bisheriges Leben. Im Senegal musste er die Koranschule besuchen. Nur etwas Mathematik wurde ihm hier beigebracht, was ihm einfach zu wenig war. Auch die Lebensumstände in der Familie behagten ihm nicht. Seit Vater hatte (legal) drei Frauen. Der Senegal hat etwa 13 Millionen Einwohner, 55 Prozent der Bevölkerung sind unter 20 Jahre alt.

Eine Lehre nach deutschem Vorbild war vor Ort nicht möglich. Die jungen Leute bekämen höchstens "etwas gezeigt" und müssten dafür auch noch Geld bezahlen. Französisch hat er sich selbst beigebracht. Diese Umstände haben ihn bewogen, aus seiner Heimat zu fliehen. Darüber hinaus gebe es immer wieder lebensgefährliche Unruhen. Deshalb möchte er in Deutschland bleiben - und möglichst viel lernen. .
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