Rasen wird ständig kurz gehalten – Dr. Klaus Wallner spricht beim Edelsfelder Imkerverein
Mähroboter wird zum Feind der Bienen

Freizeit
Edelsfeld
20.03.2017
63
0

Den Reigen der Schulungen und Vorträge beim Bienenzuchtverein Edelsfeld eröffnete auch heuer Dr. Klaus Wallner von der Universität Hohenheim. Diesmal erläuterte er, warum es den Bienen nicht gut geht und was dagegen zu tun sei. "Wir unterscheiden mehrere Arten von Bienen - Honig- und Wildbienen, wo auch die Hummeln dazugehören. Alle haben eines gemeinsam: Sie brauchen Nektar und Pollen, um zu überleben", legte der Referent dar.

Von 540 Bienenarten, die in Deutschland leben, seien etwa 52 Prozent der Wildbienen bedroht. Die Honigbiene, wie sie vom Imker gehegt und gepflegt wird, komme in freier Wildbahn überhaupt nicht vor, abgesehen von Schwärmen, die Imker entwischten. Diese hätten aber kaum Überlebenschancen. "Bienen brauchen eine große Vielfalt von blühenden Pflanzen, um ein abwechslungsreiches und wertvolles Futter zu finden. Viele blühende Pflanzen sind die Basis der Artenvielfalt der Bienen", unterstrich Wallner

Aber wie sehe die heutige Landschaft aus? Große Monokulturen in der Landwirtschaft, Silierung der Grünflächen, dadurch keine Massenblüten mehr, Ackerkräuter würden durch Pflanzenschutzmittel dezimiert. Aber auch in privaten Gärten sehe es nicht viel besser aus. Der Rasen werde durch Mähroboter permanent kurz gehalten. Blüten seien gefüllt zwecks der Schönheit, und die restlichen Flächen würden pflegeleicht gestaltet mit Steinen und Pflaster. Aber auch im Obstanbau werde die Unterbepflanzung soweit eingemulcht, dass keine Ackerkräuter mehr wachsen und Samen sich bilden könnten.

Früher sei die Schwarmzeit stets geprägt gewesen von vielfältigem und üppigem Nahrungsangebot für die Honigbiene. Heute falle sie meist in eine trachtlose Zeit. Die Hauptblüte des Löwenzahn und der Obstbäume sei vorbei, selbst der Raps sei größtenteils verblüht und der erste Schnitt auf der Wiese bereits eingebracht. "So haben Bienenschwärme kaum mehr eine Chance, außer der Imker fängt sie ein und füttert sie. Auch gegen die Varroamilbe ist ein natürlicher Schwarm ein biologisches Mittel, den Druck zu verringern. Da sich die Milbe nur in der Bienenbrut fortpflanzt und vermehrt, ist ein Schwarm wegen seiner brutlosen Zeit sehr gut gegen die Varroa zu behandeln", betonte Wallner

Aber vielerorts sei bereits ein Umdenken erkennbar. Inzwischen seien wieder Kornblumen und Mohn zu sehen, Streuobstwiesen würden gepflegt und etliche andere Ausgleichsflächen geschaffen. Hilfreich wäre, wenn die Politik für die Landwirtschaft einen Anreiz geben würde, um mehr Blühflächen anzulegen.

"Nur durch gemeinsames Wirken kann den vielen Bienenarten geholfen werden. Nicht nur der Imker, auch jeder Landwirt, jede Gemeinde und viele Privatpersonen können ihren Teil dazu beitragen, dass es weiterhin eine Vielzahl von Bienen gibt", schloss der Gast.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.