Asylbewerber-Betreuung täglich voller Hindernisse
Helfer am Limit

Lokales
Edelsfeld
17.07.2015
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Wenn Engagement und Empathie für die Edelsfelder Asylbewerber auf Vorgaben und Überlastung stoßen, nimmt der Teufelskreis Schwung auf. Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl wollte da ein wenig auf die Bremse treten und bat an den runden Tisch des Gemeinderats.

Realistischer Blick

"Was kann verbessert werden, wie soll es weitergehen?", so lautete Strehls Fragestellung, mit der sich die ehrenamtlichen Helferinnen Veronika Radl, Sabine Graf und Simone Gradl, Dr. Norbert Vogl und Georg Jobst vom Sozialamt des Landkreises, aber auch der Eigentümer und der Verwalter der angemieteten Unterkunft sowie ein stellvertretender Asylbewerber auseinandersetzen sollten.

Dazu erläuterte Georg Jobst eingangs die aktuelle Asylbewerber-Situation im Landkreis und sparte dabei nicht mit realistischen Blicken in die vermutlich noch viel düsterere Zukunft. Die von Abteilungsleiter Dr. Norbert Vogl als eine der vier tragenden Säulen einer bestmöglichen Flüchtlingsbetreuung gepriesenen Ehrenamtlichen konnten diese Perspektiven auch nicht aufhellen, eher im Gegenteil.

Dreiköpfiger Kern

So sei zum einen der anfänglich große Helferkreis für die aktuell sieben Kosovaren und drei Albaner auf den harten, dreiköpfigen Kern zusammengeschmolzen, berichtet Veronika Radl. Im Gegenzug hätte sich ihr Tätigkeitsfeld jedoch enorm erweitert und reiche mittlerweile von umfangreichen Fahrdiensten bis zur aufreibenden Auseinandersetzung über Rundfunkbeitragsbescheide.

Die beklagte schwierige Erreichbarkeit des Vermieters, wenn Probleme mit der Grundausstattung oder dem Mobiliar auftauchen, habe den Helfern das Engagement ebenfalls nicht erleichtert. Dieser Punkt zumindest konnte mit Unterstützung des Sozialamtes sofort ausgeräumt werden.

Die Diskussion führte aber zugleich deutlich vor Augen, woran es trotz Informationsveranstaltung im Vorfeld hakt: Am genau definierten Aufgabenbereich für alle Beteiligten. Als weiteres großes Dilemma kristallisiert sich die Sprachbarriere heraus, insbesondere wenn es um die Übersetzung von amtlichen Bescheiden oder medizinischen Befunden geht. Die für die Betreuung zuständige Diakonie Sulzbach-Rosenberg hat zwar Dolmetscher an der Hand, aber auch dort streut die krasse Überlastung Sand ins Getriebe.

Abschiebung droht

Dass in Edelsfeld vornehmlich Flüchtlinge untergekommen sind, die kaum Aussichten auf Anerkennung haben, erschwert die Situation zusätzlich. Das Damoklesschwert der Abschiebung verringert nicht nur die Chancen auf eine Arbeitserlaubnis drastisch, es hat auch schon das Interesse am angebotenen Sprachkurs zementiert.

Aufgeben will trotzdem niemand und so sucht man dringend weitere ehrenamtliche Helfer, die vor allem bei den Fahrdiensten einspringen. Edelsfeld verfügt zwar über eine gute Nahversorgung, der öffentliche Nahverkehr harmonisiert aber einfach nicht mit den Behördenterminen außerhalb.
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