Edelsfeld gewährt Kirchenasyl

Bis Mitte Januar gewährt Pfarrerin Ulla Knauer einem Syrer und einem Iraker Kirchenasyl im Gemeindehaus. Bild: aks
Lokales
Edelsfeld
03.12.2015
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24 Stunden hatten Pfarrerin Ulla Knauer und der Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Edelsfeld-Kürmreuth Zeit für die schwerwiegende Entscheidung. Sie fiel für die Mitmenschlichkeit aus.

Man entschied sich mehrheitlich, einem Syrer und einem Iraker Kirchenasyl zu gewähren und sie so vor der Abschiebung nach Ungarn zu bewahren. Nach der Anfrage der Diakonie Sulzbach-Rosenberg und dem grundsätzlichen Ja musste es schnell gehen, erzählt Pfarrerin Knauer. Dank der Spendenbereitschaft in der Gemeinde waren die lebenswichtigsten Austattungsgegenstände wie Betten, Schrank und Küchenutensilien schnell zusammengetragen - man konnte die Flüchtlinge willkommen heißen.

Ungarn droht

Von Anfang an höflich, freundlich und hilfsbereit steuerten der Moslem aus Aleppo und der Christ aus Basra das ihnen Mögliche zum guten Miteinander bei. Beide leben seit April in Deutschland, waren allerdings auf ihrem Weg hierher zuvor in Ungarn registriert worden. Nach einer vorübergehenden Aussetzung des Dublin-Verfahrens gilt nun aber die Erstregistrierungsregelung wieder - und die beiden Flüchtlinge müssten von Amts wegen und per Bescheid zurück nach Ungarn. Der Schachzug Kirchenasyl eröffnet jedoch eine weitere, erheblich freundlichere Perspektive: Ab Mitte Januar besteht für die beiden um die 40 Jahre alten Männer die Möglichkeit, mit Hilfe der Diakonie neue, nicht mehr von der Erstregistrierung abhängige Asylanträge zu stellen und auf einen besseren Ausgang zu hoffen.

Kampf gegen Langeweile

Bis dahin gilt das Engagement aller Beteiligten vor allem dem Kampf gegen die Langeweile. Dazu hat die Kirchengemeinde tägliche Besuchsdienste organisiert, die zum einen für Abwechslung und Unterhaltung sorgen und zugleich die Nabelschnur nach außen bilden. Dreimal wöchentlich steht Deutschunterricht auf dem Programm, der aufgrund der allenfalls rudimentären Englischkenntnisse der Schützlinge einen besonderen Stellenwert hat.

Ein bebildertes deutsch-arabisches Büchlein leistet derweil gute Dienste, auch wenn es um spezielle Wünsche beim gerne ausgeübten Kochen geht. Ansonsten erweist es sich auch für die Helfer als Herausforderung, die bleierne Zeit der Flüchtlinge ein bisschen schneller vergehen zu lassen. Internet funktioniert nicht wirklich gut, ein Fernseher ist zwar vorhanden, hat aber keinen Empfang. Um die Gerüchteküche gar nicht erst anzuheizen, hat Pfarrerin Ulla Knauer übrigens die Gemeindemitglieder bereits im Gottesdienst über das gewährte Kirchenasyl in Kenntnis gesetzt.
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