Lichtmess - das Fest der Darstellung des Herrn
Von Kerzen und Dienstboten

Lokales
Edelsfeld
31.01.2015
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Lichtmess war einst eines der großen Feste im Kirchenjahr. Bis 1929 war es sogar ein offizieller Feiertag. Mit dem Tag verbindet sich bis heute auch viel Brauchtum.

Der Festinhalt hat sich im Laufe der Zeit verändert - vom "Fest des Begegnung des Herrn", der Begegnung Jesu im Tempel mit dem Propheten Hanna und Simeon (so wurde es im Osten gefeiert) zum Fest "Mariä Reinigung" in Erinnerung an die jüdischen Reinigungsvorschriften. 40 Tage nach der Geburt eines Sohnes musste eine Frau ein Opfer in den Tempel bringen. Danach galt sie wieder als rein.

Abschluss der Festzeit

Seit 1969 heißt "Mariä Lichtmess" nun "Darstellung des Herrn". Das erstgeborene Kind galt als Eigentum Gottes und musste zum Opferritual in einen Tempel gebracht werden. Der Tag der "Darstellung des Herrn" ist also zugleich auch der Tag von "Mariä Reinigung". Er bildet den Abschluss des weihnachtlichen Festzeit.

Lichtmess ist ein Fest des sich wieder mehrenden Tageslichts. Traditionell werden an diesem Tag die Kerzen für das ganze Kirchenjahr geweiht. Neben den Kerzen für die Kirche wurden früher auch noch geweiht: weiße Kerzen für die Taufe, rote für die Frauen, Kerzen für die Erstkommunion und die letzte Ölung, Opferkerzen für die armen Seelen, schwarze Wachsstöcke für die Dienstboten und ein roter Haus-Wachsstock.

Lichtmess als Lostag

Zu Hause brannten an Lichtmess eben so viele Lichter wie Beter in der Stube waren, ebenso ein Licht für die Vergessenen und jeden noch bekannten Toten und eine Kerze für alle, die einmal im Haus gelebt hatten. Der Lichtmesstag war traditionell der Tag des Abschieds und Neubeginns. Wenn der Bauer bis zum Lichtmesstag keine "Kündigung" ausgesprochen hatte, galt der Arbeitsvertrag für Magd und Knecht um ein Jahr länger.

Mit dem Lichtmesstag begann auch die sogenannte "Schlenklwoch", die Urlaubswoche für alle Dienstboten. Knecht und Mägde wechselten an diesem Tag ihre Stellung, und so entstanden Dienstboten-Treffen, verbunden mit Tanz. Zum Abschied gab es von der Bäuerin ein Festessen, damit ihr Hof in guter Erinnerung blieb.

Mägde fanden in den Oberbetten der Knechte einen Wachsstock oder ein anderes Geschenk versteckt. Es war der Dank dafür, dass sie ihm das ganze Jahr hindurch den Strohsack aufschüttelten. Mussten sie im Strohsack allerdings erst lange nach dem Wachsstock suchen, so bedeutete dies, dass sie die Betten nicht ordentlich gemacht hatten. (Fortsetzung...)
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