Dieter Radl liest am Goglhof
Geburt Jesu auf oberpfälzisch

Dieter Radl ist ein Meister der Mundart. Bilder: hfz (2)
Vermischtes
Edelsfeld
12.12.2015
93
0

"Es begab sich zu der Zeit" - das Lukas-Evangelium zur Geburt Christi ist wohl in unzählige Sprachen übersetzt worden, aber eher selten in die oberpfälzische Mundart. Heimatdichter Dieter Radl hat dies geschafft und sein Werk in der Wohnstube des Goglhofs präsentiert.

Eberhardsbühl. Der Besucherandrang war so groß, dass schon bald die Stubentür nicht mehr zuging und für weitere Gäste kein Einlass mehr möglich war. Radl nahm am Tisch vor dem Kachelofen Platz, im Winkel daneben saßen die Damen der Flötengruppe Rosenholz von Helma Koch. Sie schufen zwischen den vielen Absätzen, in denen das damalige Geschehen aufgeteilt war, mit ihren besinnlich-zuversichtlichen Klängen Erholungspausen zum Verdauen des Gehörten.

Eine richtige Geschichte


Denn aus dem zwar wortgewaltigen, aber doch sehr sachlichen "Protokoll" des Ereignisses vor über 2000 Jahren war eine richtige Geschichte geworden, die sich in unserer Gegend mit ihren Menschen und in ihrer Sprache abspielen hätte können.

Diese erzählte der Verfasser gut verständlich und akzentuiert. Der Ort im ländlichen Bereich, die vergebliche Herbergssuche, die Geburt in einem Stall, die Anbetung des einfachen Volks der Hirten - all dies ließe sich in unseren früheren Dörfern vorstellen.

Der "Befehl" der Obrigkeit zur Volkszählung und der Ärger darüber war durchaus verständlich. Aber was half's, die beschwerliche Wanderung musste sein. Und dann - kein Quartier zu bekommen. Ja, wer mit Geld winken konnte, fand immer noch eine Nische. Unser armes Paar mit seinem Esel konnte damit nicht aufwarten. Würde es den Tipp mit dem Stall auch bei uns gegeben haben? Die menschlichen Schwächen haben sich wohl über all die Jahrhunderte erhalten. Und dann die Geburt - so feinfühlig und zart beschrieben mit den Anweisungen von Maria "an Schid Schdrouh zum Unterleng" zu holen und "a Zoudegg und a bor Windl" aus dem "Ruggsoog" zu bringen - jeder Oberpfälzer verstand dies mit Gehör und Herzen. Auch die Erscheinung der Engel bei den Hirten "druntn aaf da Houd" und ihre spontane, wohl etwas rauhbeinige Verehrung des unerklärlichen Vorgangs ging ans Gemüt. Auch die "Haling drei Kenich" durften nicht fehlen, die dem Stern gefolgt waren und ihre Gaben darbrachten.

All diese einzelnen Episoden des Weihnachtsevangeliums hatte Dieter Radl in die hiesige Dialektsprache und Reime gefasst. Die Schilderung der Zustände und Personen war mit manchmal längst vergessenen speziellen Wörtern gewürzt, die sowohl Heiterkeit als auch Nachdenken hervorriefen.

Beifall der Lohn


Ein langanhaltender Beifall, auch für die musikalisch-zarte Begleitung, war der Lohn für ein wirklich einmaliges Verstehen des Weihnachtsgeschehens.

Eingeladen zur Lesung hatte der Freundeskreis Goglhof, dessen Vorsitzender Hermann Gnahn sich bei Dieter Radl und Helma Koch für den gelungenen Abend mit Präsenten bedankte. Die Eigentümerin des Hauses, Margarete Jäkel, bekam für die Bereitstellung der Stube ebenfalls ein Erinnerungsgeschenk.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weihnachten (388)Radl (2)Goglhof (8)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.