Galloway-Rinder auf dem Vormarsch
Wild auf der Weide bei Edelsfeld

Nur von Hans-Reiner Heldrich lassen sich die Galloways füttern - ansonsten weiden sie ausschließlich Gras und Heu in ihrem Ganzjahres-Domizil. Bilder: Gebhardt (3)
Vermischtes
Edelsfeld
16.09.2016
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Das Kälbchen bedient sich an der nahrhaften Milch: Galloways halten in der Herde stets eng zusammen.

Jetzt haben sie ihn erspäht, den Mann mit dem Strohhut: Im schnellen Trab kommt die Rinderherde heran, schart sich um ihren Besitzer Hans-Reiner Heldrich und knabbert die Leckerbissen, die er ihnen in die Mäuler schiebt. Die Galloways leben 365 Tage im Jahr auf ihrer Weide. Und hier endet auch einmal ihr Lebenslauf.

Sie sind robust, genügsam, langlebig und anpassungsfähig, die kleinen schwarz-weißen Rinder aus Schottland. Hans-Reiner Heldrich hat sich 2011 entschieden, sich eine kleine Herde anzuschaffen. "Ich wollte raus aus der Spirale von Preis und Qualität, eigenes Fleisch ohne Druck produzieren, auf ganz natürliche Art und Weise." Da hat er mit den Galloway-Rindern einen Glücksgriff getan. Denn die brauchen keine Medikamente, keine Geburtshilfe, keine Antibiotika oder Hormone: Sie weiden zufrieden das ganze Jahr über ihr Gras oder fressen Heu. Den Unterstand, den ihnen Heldrich errichtet hat, nutzen sie eigentlich nur zum Trinken und Fressen, selten als Schutz vor dem Wetter.

Kälbchen im Schnee


"Da kann es schon mal passieren, dass sich auch im Schnee ein neugeborenes Kälbchen wiederfindet", schildert der Züchter seine Erlebnisse und führt ein kleines Video vor: In der Tat, das Kleine steht schon nach kurzer Zeit und tapst seiner Mutter hinterher, die es zur Herde führt.

15 Tiere stehen auf den Grünflächen oberhalb von Edelsfeld, und es sollen noch ein paar mehr werden. Der Stier wird alle zwei Jahre gewechselt, etwa zehn Kälber kommen jedes Jahr zur Welt, von denen fünf nach zwei Jahren Weidezeit geschlachtet werden. Und auch das ist eine Besonderheit: Die halbwilden Tiere sind sehr schwer ins Schlachthaus zu bekommen, deswegen trifft sie auf der Weide der tödliche Schuss. Anschließend werden sie in der Metzgerei Heldrich drunten im Dorf fachgerecht zerlegt und verarbeitet.

Das Fleisch erfreut sich inzwischen größter Beliebtheit in der Gegend, es ist als Produkt einmalig: "Die Rinder-Currywurst bei der Kirwa war der absolute Hit!", schwärmt Hans-Reiner Heldrich, der Wirt vom Hotel-Gasthof Goldener Greif. Auch dort gibt es natürlich regelmäßig Gerichte aus diesem seltenen Fleisch. Wichtig ist ihm, dass aus Respekt vor den Tieren wirklich alles verwertet wird.

Heldrich tauscht regelmäßig mit anderen Galloway-Züchtern Informationen und auch Rinder aus: Der Bio-Betrieb von Horst Scharrer aus Oberachtel hält fünf Belted Galloways, etwa 80 Stück schwarze Galloways stehen beim Resnhof in Neutras bei der Familie Wagner auf der Weide - hier wird selbst fachgerecht geschlachtet und zerlegt.

Ein Zeichen setzen


"Ich will ein Zeichen setzen gegen die industrielle Massentierhaltung und gegen Billig-Fleisch vom Discounter. Wir wollen Lebensmittel herstellen, keine Nahrungsmittel." Der leidenschaftliche Koch kritisiert, dass die Menschen zwar fürs Auto das teuerste Öl kauften, sich selber aber nur höchst selten ein gutes Lebensmittel gönnten.

Die kleinrahmigen Rinder heißen eigentlich Belted Galloways, weil sie einen weißen "belt", einen Gürtel, um den Leib tragen. Aber manchmal kommt auch ein komplett schwarzes Kälbchen zur Welt. Der Chef der Herde ist übrigens nicht der Stier, sondern Leitkuh Angela. Sie hält Jungtiere und Kühe zusammen und sorgt für den nötigen Teamgeist.

Der Tierarzt braucht nur zur vorgeschriebenen Blutentnahme einmal im Jahr zu kommen, denn die Weidetiere sind praktisch nie krank. Sie lassen sich auch nicht von Fremden füttern, schon gar nicht mit Mais, sondern halten sich an ihr geliebtes Gras. Boxen oder Vieh-Transporter mögen sie gar nicht und entziehen sich durch Flucht: "Die laufen bis zu 60 Sachen schnell", verrät Heldrich, der das schon durchs Nebenherfahren per Moped überprüft hat.

Jetzt sind die Leckerlis alle, und der Rinderzüchter, der die rauhaarigen Tiere liebevoll gestreichelt hat, schließt das Weidetor. Leitkuh Angela muht einmal und führt die Herde dann in den Schatten. In Edelsfeld ist jetzt Verdauungspause.

Rasse-PorträtDas Galloway-Rind ist ein naturbelassenes, urtümliches, kleinrahmiges Robustrind, züchterisch nur wenig geformt. Es zeichnet sich durch Gesundheit, Vitalität, Genügsamkeit, Unempfindlichkeit, Anpassungsfähigkeit, Herdenbindung und Fruchtbarkeit aus. Galloways stammen aus Lowland (Südwest-Schottland) und fressen ausschließlich Gras und Heu, es braucht keine sonstige Zufütterung. Die "Greifenwirt"-Galloway-Rinderzucht erfolgt in nachhaltiger, extensiver, ökologischer, biologischer Freiland-Mutterkuhhaltung über 365 Tage des Jahres. Das Fleisch von Galloways ist fein-und kurzfasrig, gut marmoriert, enthält wenig Fett und Cholesterin, hat einen hohen Anteil an Protein und wertvollen Omega-3-, -6- und -9-Fettsäuren, viele Spurenelemente, Vitamine und Enzyme. (ge)


Wir wollen Lebensmittel herstellen, keine Nahrungsmittel.Hans-Reiner Heldrich
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