Helma Koch spricht auf dem Goglhof über das Kranksein in der vermeintlich guten alten Zeit
Tod durch Steckflüssel &. Co.

Hermann Gnahn bedankte sich bei Helma Koch und den Flötenspielerinnen mit Blumen. Bild: gru
Vermischtes
Edelsfeld
14.04.2016
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Es lohnte sich, den bequemen Fernsehsessel zu verlassen und auf den Goglhof zu kommen. Helma Koch, Mitarbeiterin des Apothekenmuseums in Sulzbach-Rosenberg, schlug das spezielle Kapitel vom Alltag in gesunden und kranken Tagen auf.

Eberhardsbühl. Näher betrachtete die Referentin bedauerliche und tragische, aber auch erheiternde und ermutigende Erzählungen über das Kranksein in der vermeintlich guten alten Zeit. Die Flötengruppe Rosenholz lockerte die Wortbeiträge mit Musikstücken auf.

Zwei Stunden zur Apotheke


Aus der frühen Zeit der Amtsärzte hatte Helma Koch authentische Berichte mitgebracht, die noch nicht veröffentlicht worden sind. Sie stammen aus der Feder von Dr. Schleis von Löwenfeld, niedergeschrieben in den Jahren 1810 bis 1850. Zu jener Zeit dauerte der Fußweg vom Goglhof zur nächsten Apotheke etwa zwei Stunden. Die Häuser waren feucht, fauliger Geruch der Gesundheit nicht förderlich. Hygiene war fast noch ein Fremdwort.

Mehl, Milch, Kartoffeln und geräucherter Fisch waren Grundnahrungsmittel; frisches Fleisch gab es nur an besonderen Tagen. Wasser war das Lebenselixier der Menschen. Wenn der Bauer mal ins Wirtshaus ging, leerte er bis zu acht Maß Bier oder genehmigte sich einen Branntwein.

Aberglaube verbreitet


Grundsätzlich ließ die Reinlichkeit der Menschen auf dem Land zu wünschen übrig. Die Jugend lernte diesen Begriff nicht kennen. Im Alltag boten ihr Tänze, Kartenspiele, Kegeln und der Kirchweihbesuch eine willkommene Abwechslung.

Der religiöse Glauben hatte mitunter einen geringeren Stellenwert als der Aberglaube. Wenn sich Krankheiten verschlimmerten, gaben manche der Kirche die Schuld daran, führten aber eine Gesundung auf den Aberglauben zurück. Die vorhandene ärztliche Versorgung wurde durch Operateure und Wundärzte 1. und 2. Klasse abgedeckt. Hebammen halfen bei den Geburten. Niedergelassene Ärzte wurden beurteilt: "Der guten Wundärzte sind genug, der schlechten viele", steht es zu lesen.

Zu behandeln hatten die Ärzte Krankheiten meist gastrischer Art, Masern, Malaria, Rauch- und Schnupftabakprobleme auch bei Frauen, Lungenerkrankungen usw. Ein Krankenhaus war auch vorhanden; das Siechenhaus gab es für ansteckende Krankheiten. Viele Berichte gibt es über Unfälle, Kindermord und Gewaltanwendungen von Lehrern und Pfarrern. In der Apotheke gab es Mittelchen, die aus Pflanzenmaterial hergestellt wurden, Auch Pflaster, Alkohol, Zucker, Wachs und Räuchermittel waren vorrätig.

Selten älter als 40 Jahre


Hermann Gnahn, Vorsitzender der Goglhof-Freunde und direkter Nachfahre früherer Bewohner, zeigte Kopien von Königsteiner Kirchenbüchern um 1800. Sie belegen für uns heute fremdartig klingende Krankheiten, die manche Familien in der Region an den Rand der Existenz brachten. Die geringe durchschnittliche Lebenserwartung in dieser Zeit lag bei 34 bis 40 Jahren. Viele Menschen wurden durch Wassersucht, Ruhr, Entkräftung, Steckflüssel (Asthma, Bronchitis), Lungenschwindsucht, Tobsucht oder Brustentzündungen und Freis hinweggerafft.
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