Kräuterexpertin und Fachbuch-Autorin Markusine Guthjahr nimmt sich Zeit für einen Spaziergang
Ein Schritt zur Natur hin

Vermischtes
Edelsfeld
24.05.2016
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"Margarete-Jäkel-Wetter" nennt Hermann Gnahn das, wenn an einem lauen Abend im Mai die Strahlen der Sonne ins Abendrot übergehen und der Goglhof in intensiven Farben leuchtet. Er sagt der Hausherrin des Freilandmuseums nämlich einen besonderen Draht zu Petrus nach.

Eberhardsbühl. Markusine Guthjahr ist zu Gast auf dem Goglhof. Die Königsteiner Kräuterexpertin und Fachbuch-Autorin nimmt sich mitten in der "Hochsaison der Wildkräuter" Zeit für einen Spaziergang. Mit ihr wandern über die Wiesen und am Bächlein entlang gut 40 Frauen, Männer und Kinder. Alle wollen wissen, was da grünt und sprießt.

Vorliebe der Brennnessel


"Einen Schritt zur Natur hin" nennt Margarete Jäkel diese Veranstaltung. Wachstum ohne Chemie zeigt sich bereits im Hof des Museums. Ein Brennnessel-Feld, Zitronenmelisse, weiße Taubnessel und intensiv duftende Pfefferminze haben sich dort angesiedelt, wo einst der Misthaufen war. "Die Brennnessel liebt die Nähe menschlicher Behausung, im Wald werden Sie keine finden" erklärt die Expertin dazu.

Auf dem Weg hinaus aus dem Dorf gibt es immer wieder Stopps, denn Markusine Guthjahr hat die Augen und das Wissen für Pflanzen, an denen die meisten Menschen achtlos vorübergehen. Sauerampfer, Schafgarbe, Spitzwegerich, Ehrenpreis oder Fünffingerkraut: Sie zeigt, erklärt, lasst riechen, schmecken und weiß, wofür und wogegen jedes Kräutlein gewachsen ist.

Sie weiß, welche Pflanze für den Magen gut ist oder gegen Rheuma, welche Fieber senken kann oder Insektenstiche lindert. Sie erklärt, dass die Quecke nicht nur ein gärtnerisches Ärgernis ist, sondern eine Kulturpflanze, die seit Menschengedenken den Boden urbar macht.

"Unsere Wildpflanzen übertreffen den Nutzen der Kulturpflanzen bei weitem", sagt die Fachfrau und nennt als Beispiel die Brennnessel, die nicht nur Lebensgrundlage für Lebewesen wie Schmetterlinge und Käfer ist, sondern auch absolute Spitze als Vitamin-C-Lieferant. Beifuß, Schöllkraut, Mädesüß, Labkraut und - als absolute Seltenheit heute - Brunnenkresse sind in und um Eberhardsbühl zu finden.

In einer guten Wanderstunde haben die Spaziergänger das vielfältige Wissen Guthjahrs bewundert, eigene Erfahrungen beigesteuert, gefragt und von Hermann Gnahn zusätzliche Informationen bekommen. Der Vorsitzende des Goglhof-Freundeskreises kennt nicht nur dessen Geschichte, sondern auch die Natur darum herum.

Während des Spaziergangs bestreichen im Goglhof fleißige Frauenhände Baguette-Scheiben mit Wildkräuterbutter oder Gänseblümchen-Gelee. Diese Köstlichkeiten, verschiedene Essigsorten, Marmeladen und Gelees hat Markusine Guthjahr vorbereitet, ebenso einen Salat aus Weizengrütze mit Gemüse und Kräutern.

Gesundes vor der Haustür


Spätestens beim gemeinsamen Schmausen wird allen Spaziergängern klar, dass sie nicht Unkraut essen, sondern gesunde, wertvolle und reine Pflanzen, die nicht aus irgendwelchen fernen Ländern importiert werden müssen, sondern vor der Haustür wachsen. Und die wunderbar schmecken!

Hermann Gnahn dankt für ein paar Stunden des "Lernens mit allen Sinnen" und schenkt Markusine Guthjahr das Büchlein "Schmeckts" von Grete Pickl, ein "Kontrastprogramm" der Mundartdichterin aus Kastl, die ebenfalls gerngesehener Gast auf dem Goglhof ist.
Unsere Wildpflanzen übertreffen den Nutzen der Kulturpflanzen bei weitem.Markusine Guthjahr
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