Sprichwörter und Mundart am Goglhof
Da ist was dran

Grete Pickl und ihr Mann Georg im Gespräch mit der Goglhof-Hausherrin Margarete Jäkel. Bilder: hka (2)
Vermischtes
Edelsfeld
23.02.2016
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Sepp Ertl (links) und Hans Dittrich machten bodenständige Musik auf dem Goglhof. Den Publikum gefiel das sehr gut.

Wir gebrauchen sie alle, oft ohne, dass es uns bewusst wird. Sie sind in unseren Sprachschatz eingegangen und spiegeln Erfahrungen und Erkenntnisse wider. Meist sind sie voller Humor, manchmal ein wenig derb, immer aber treffend und weise. Die Rede ist von den Sprichwörtern.

Eberhardsbühl. Grete Pickl, die sich damit auskennt, weil sie seit Jahrzehnten eine Sprichwort-Sammlerin ist, gestaltete einen unterhaltsamen Heimatabend auf dem Goglhof. "Ein Sprichwort ist ein kurzer Satz, der sich auf lange Erfahrung gründet". Diese Definition formulierte im 16. Jahrhundert Spaniens Nationaldichter Miguel de Cervantes, und bis heute hat sich daran nichts geändert. Grete Pickl, Mundart-Autorin und Erzählerin und auf dem Goglhof gerngesehener Gast, zitierte eine Fülle von Sprichwörtern, die die Lebenswelt von Generationen beschreiben. Das natürlich in der Mundart, die in der Oberpfalz und insbesondere in und um Kastl, ihrem Heimatort, gesprochen wird.

Für alle Lebensbereiche


Für alle Lebensbereiche gibt es Sprichwörter. Im Haus, bei der Arbeit, in der Familie, beim Essen wurden und werden sie angewendet, auch bei Krankheit und Tod. Und sie bringen Erkenntnisse und Erfahrungen des Alltags und des menschlichen Zusammenlebens auf den Punkt. "Dreimal umzogn is oamal obrennt" oder "As Haus valäist nix", bei solch bekannten Redensarten gab es zustimmendes Nicken in der Stube des Goglhofes. Andere aus der Arbeitswelt erheiterten. "Läiwa an Bauch vom Sauf'n als an Buckl vom Orban" oder "Niat gschimpft is globt gnou", sind Sprichwörter, sage Grete Pickl, die in der Oberpfalz oft zu hören sind.

"Beim Göld hört d'Freindschaft aaf" oder "De Kloina hengt ma und de Groußn lout ma laffa", Sprichwörter die ebenso wahr wie zeitlos sind, kommen wie "Jeda Kramer lobt sei Wor" aus der Geschäftswelt, während es im familiären Umfeld oft heißt: "Zum Strein ghern zwoa" oder "Vül Köpf, vül Sinn". Der Begriff Hoffart, so die Erzählerin, ist heute nicht mehr gebräuchlich, wohl aber gibt es Sprichwörter dazu. "Am schöinstn bist, wennst alloi gäihst", gilt einem nicht besonders attraktiven Mädchen, das sich aber revanchiert mit "A schäins Gsicht braucht an Plotz", wenn sich das Haar des Mannes bedenklich lichtet.

Wie immer auf dem Goglhof mischten die Gäste in der voll besetzten Stube kräftig mit. Sie wissen Sprichwörter, die im Birgland oder im AOVE-Gebiet daheim sind, sie zitierten Altvordere und deren Sprüche, erzählten von Bräuchen und Überlieferungen. Oft richtet sich sprichwörtlicher Spott gegen die Angetraute: "Je weniger Zähn dass hom, desto bissiger werns", aber auch gegen das menschliche Miteinander, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt oder dass den Letzten der Hund beißt. Und als Grete Pickl sagte: "Redn ma vom Tout, der ghert a zum Lem" zeigte sich noch einmal die sprichwörtliche Weisheit: "Als Leich san ma alle gleich".

Gefühlvolle Duette


Neben Grete Pickl gestalteten zwei auf dem Goglhof bekannte Musikanten den Heimatabend mit: Hans Dittrich und Josef Ertl begleiteten mit Akkordeon und Klarinette die gemeinsam gesungenen Lieder und ernteten großen Beifall für ihre gefühlvollen Duette mit dem samtweichen Tenor Ertls und dem dunkleren Bariton Dittrichs. Ihnen, Grete Pickl und auch Hausherrin Margarete Jäkel, dankte Hermann Gnahn, der Vereins-Vorsitzende der Freunde des Goglhofs, für ihr Mitwirken und gab gleichzeitig den nächsten Termin bekannt: Am Freitag, 8. April, spricht Apothekerin Helma Koch zu dem Thema: "Krank - was dann?"
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