Musiklehrer Franz Hanauska: Aktivster und erfolgreichster zeitgenössische Komponist der Region
Zwischen Intrade und Tatort

Hier spielt die Musik: Franz Hanauska an seinem Lieblings-Arbeitsplatz, dem Tisch im Wohnzimmer. An ihm komponiert er, sogar, wenn nebenbei der Fernseher läuft. Bild: Steinbacher
Kultur
Ensdorf
02.01.2015
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Franz Hanauska ist seit 28 Jahren Musiklehrer an der Schwesternschule - aber nicht nur das. Der 58-Jährige ist einer der aktivsten und erfolgreichsten zeitgenössischen Komponisten der Region. Seine Werke entstehen im Wohnzimmer.

Es sind diese erhebenden Momente, wenn Steine zum Leben erwachen. Wenn eine steinerne Kathedrale wie die Basilika St. Martin auf einmal zu vibrieren scheint. Von der Empore her tönen Trompeten und Waldhörner. Die mächtigen Wände des Gotteshauses werfen den Klang, der durch das Kirchenschiff hallt, zurück. Die Intrade der "Freudenberger Bläsermesse" kommt ganz schön gewaltig daher, so ganz anders als der Mann, der dieses Meisterstück komponiert hat.

An einem trüben Nachmittag sitzt Franz Hanauska (59) am Wohnzimmertisch seines Hauses in Ensdorf. Vor ihm sein Notebook, neben ihm ein Mini-Piano und auf den Ohren die Kopfhörer. "So arbeite ich am liebsten", sagt er. "Sogar, wenn meine Frau abends auf der Couch sitzt und fernsieht." Was da so beiläufig zwischen Tagesschau und Tatort entsteht, ist nichts weniger als das, was in vielen Kirchen Deutschlands für Gänsehaut sorgt. Franz Hanauska ist Musiklehrer an den Dr.-Johanna-Decker-Schulen in Amberg und Wohnzimmer-Komponist - ein sehr erfolgreicher allerdings.

Eine Gans als Honorar

Erfolg bemisst sich bei Hanauskas Werken beileibe nicht nach Verkaufszahlen. "Ich habe noch nichts offiziell herausgegeben oder verlegt", sagt er. "Ich schreibe ja das meiste für die Schule." Für den Mädchenchor, für den Instrumentalunterricht, für das Musical beim Schulfest. Gerade weil seine Notensätze nirgends zu kaufen sind, ist es erstaunlich, dass die "Freudenberger Bläsermesse" mittlerweile sogar in Oberbayern bei festlichen Gottesdiensten zur Aufführung kommt. "Ich mache das für den Hausgebrauch", erklärt der Musikpädagoge seine Motivation. "Wenn halt jemand was braucht." Bei der Bläsermesse war es so, dass eine Kollegin "was brauchte". Etwas, das wie auf den Wutschdorfer Kirchenchor zugeschnitten sein sollte. Aus der Gefälligkeit für eine Bekannte ist ein Meisterwerk geworden für einen kleinen Chor einer ländlichen Pfarrgemeinde. Eines, das nun die Runde macht, weil es ja so viele ähnliche Chöre gibt.

Keine Kosten für Sonderanfertigung

Gekostet hat die Sonderanfertigung nichts. "Das war eine Gefälligkeit für eine Kollegin", betont Hanauska. Nur einmal, da hat er was verlangt. Als vor zwei Jahren ein Mann aus Naabsiegenhofen im Landkreis Schwandorf anrief und um eine ganz ähnliche Komposition bat. Der Mann, ein Landwirt, hatte einen Text geschrieben und gefragt: "Können Sie das vertonen?" Die mittlerweile ebenfalls gern gesungene Naabsiegenhofener Messe habe er dann stundenmäßig abgerechnet. Preis: 160 Euro. "Eine Weihnachtsgans gab es extra dazu." Der Bauer hatte noch eine in der Kühltruhe.

Wenn auch das Publikum, das sich seiner Werke erfreut, wächst und wächst - der Musiklehrer und fünffache Familienvater bleibt konsequent bescheiden. Was ihn antreibt? "Eigentlich ist es meine Faulheit", sagt Hanauska. Einmal wollte er neues Material für sein Gesangsensemble Picchorolo aus den Archiven heraussuchen. "Da hab ich mir gedacht: Das dauert viel zu lange, bis ich da was finde. Dann habe ich halt selbst was komponiert." Binnen einer Stunde sei der Chorsatz fertig gewesen.

Staatsakt in der Walhalla

Der 59-Jährige schreibt für Klassenzimmer und Chorproben - allerdings auch für staatstragende Ereignisse. Zumindest komponierte er die Musik zur Enthüllung der Büste von Schwester Maria Theresia Gerhardinger in der Walhalla. Ein gemischter Chor führte die sechsminütige Motette unter dem Titel "Alle Werke Gottes" bei dem Festakt 1998 auf. In seinem Ensdorfer Arbeitszimmer schlummert das Gesamtwerk Hanauskas - in dicken Leitz-Ordnern, auf Daten-Sticks und CDs. "Ich habe mich noch nicht mit dem Gedanken beschäftigt, das alles einmal in gesammelter Form zu veröffentlichen", sagt er. Vor 20 Jahren mal habe er einen Chorsatz an einen Verlag geschickt und dann keine Antwort erhalten. "Meine Arbeit wie Sauerbier anpreisen, das mag ich nicht." Hanauska muss es auch nicht. Die "Freudenberger Bläsermesse", die "Ensdorfer Kindermesse" und das Musical "Sindbad" haben auch jetzt schon ihre Fans.
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