Das kann nur ein Pferd

Arbeitspferd "Donny" ist ein Kaltblüter und lässt sich von Robert Schmidt bei der Buchensaat zielgenau durch den Wald manövrieren. Bild: hfz
Lokales
Ensdorf
22.04.2015
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Im Staatswalddistrikt Lippertsee werden derzeit Bucheckern gesät. Ziel: einen von Kiefern dominierten Wald mit Laubholz anreichern. Die Saat erledigt eine Firma aus Sachsen. Deren Inhaber hat dafür ein extra ausgebildetes Pferd mit in die Oberpfalz gebracht.

Die Wälder im südöstlichen Landkreis sind infolge der mittelalterlichen Eisenindustrie stark von Kiefern und Fichten geprägt. Die heutigen Bäume wurden vor allem nach dem Krieg zur Wiederaufforstung gepflanzt. Von Natur aus wären Buchen und Eichen die meistverbreitetsten Baumarten in der Oberpfalz. Mit Blick auf den Klimawandel gilt es heute wieder verstärkt Buchen- und Eichenwälder zu begründen, heißt es vonseiten des Forstamtes.

Dies erfolgt mittels Pflanzung oder Saat. "Gerade im Aktionsjahr Waldnaturschutz, das von Minister Brunner ausgerufen wurde, bietet es sich an, den Waldumbau naturnah mittels Pferdesaat durchzuführen", sagt Thomas Verron, der Burglengenfelder Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten, laut einer Presseinfo. Daher hat sich Revierleiter Robert Werner bei der Buchensaat für die traditionelle Ausbringung der Bucheckern mittels Pferd entschieden.

Die Saat mit einer Pferdestärke ist sehr boden- und bestandsschonend. Zusätzlich ist ein Pferd sehr flexibel und kann gut zwischen eng stehenden Bäumen hindurchlaufen. Da es in Bayern keine Unternehmen für diese Art der Waldverjüngung gibt, wurde Forstunternehmer Robert Schmidt beauftragt. Mit diesem Saatspezialisten haben die Bayerischen Staatsforsten bereits mehrmals zusammengearbeitet.

Schmidt betont, dass die Saat nach der Naturverjüngung die natürlichste Verjüngungsmethode sei. Darüber hinaus berücksichtigt die Saat, wie auch die Naturverjüngung, die kleinstandörtlichen Bedingungen. Bucheckern, die auf besonders günstige Standorte fallen, setzen sich gegenüber anderen durch und wachsen zu stattlichen Bäumen heran. So entsteht ein stabiler Wald, der den nachfolgenden Generationen zum Wirtschaften, aber auch zur Erholung und Freizeitgestaltung dienen wird. Das Saatgut wird von den Staatsforsten selbst in anerkannten Saatgutbeständen gewonnen und in den unternehmenseigenen Pflanzgärten und Samenklängen aufbereitet.

Drei Jahre Ausbildung

"Das Pferd hört auf den Namen 'Donny' und ist ein Kaltblüter", erzählt Robert Schmidt. Der Saatspezialist manövriert sein Arbeitstier mit präzisen Anweisungen zielgenau durch den Wald. Bis ein Pferd zum Saateinsatz kommen kann, vergeht einige Zeit. Im Alter von zwei Jahren beginnt Schmidt mit der Ausbildung seiner Tiere. Diese dauert drei Jahre. Dabei lernt das Pferd die Kommandos und wird an das Ziehen der Saatmaschine gewöhnt. Erst wenn Pferdeführer und Pferd aufeinander eingespielt sind, wird der Kaltblüter in der Praxis eingesetzt.

An Maschine getüftelt

Schmidt hat als Tüftler eine für die Pferdesaat geeignete Maschine entwickelt. Darin befinden sich in einem Behälter zum einen die Bucheckern, zum anderen zieht der Wagen wie ein Scheibenpflug eine zehn Zentimeter breite Furche in den Boden. In dieses Saatbeet fallen die Eckern und sind damit vor Wind und Austrocknung geschützt. Bei entsprechender Bodenfeuchte laufen die Keimlinge auf.

Ein gutes Gelingen liefert die Möglichkeit, aus der reichhaltigen Keimlingszahl sogenannte Wildlinge zur Verpflanzung in andere Flächen zu gewinnen. "Damit hat eine solch naturnahe Bestandsbegründung gleichzeitig auch noch einen sehr guten betriebswirtschaftlichen Effekt", sagt Thomas Verron. Alles hänge jetzt von der Witterung der nächsten Wochen ab. Aber das wäre bei einer frischen Pflanzung genauso.
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