Jugendliche arbeiten Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam heraus
Der Schöpfergott vereint

Pater Alfred Lindner begrüßte zum Gesprächsabend drei muslimische Jugendliche - Erol, Cemal und Emre (von links) - von der Moschee Burglengenfeld sowie Florentin aus Hirschau und Lisa aus Ebermannsdorf. Bild: sön
Lokales
Ensdorf
20.10.2014
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(sön) "Was ist gemeinsam zwischen den Weltreligionen des Christentums und des Islam?" Das wollte der interreligiöse Gesprächsabend herausfinden, zu dem die Katholische Erwachsenenbildung ins Kloster Ensdorf eingeladen hatte. Mehrere muslimische Jugendliche von der Moschee Burglengenfeld stellten sich dem anspruchsvollen Thema; angesichts der politischen Wirren in den arabischen Ländern, die der sogenannte "Islamische Staat" (IS) verursacht, ein wichtiges, aber auch schwieriges Unterfangen.

Cemal aus Burglengenfeld betontes, wie sein Glaube als Moslem in der Vorstellung von einem einzigen allmächtigen Schöpfergott eine totale Gemeinsamkeit mit dem Christentum zeige. Auch im Dialog mit der modernen Naturwissenschaft bestehe dabei kein Widerspruch, seien doch die Erkenntnisse der Quantenphysik und der Evolution durchaus mit den Aussagen im Koran und in der Bibel zu vereinbaren.

Erde nicht 7000 Jahre alt

Florentin, Abiturient aus Hirschau, bestätigte, dass in dieser Frage sein christlicher Glaube mit der Religion des Islam übereinstimme. Kein vernünftiger Mensch würde die bereichernden Forschungen der Kosmologie in Zweifel ziehen. Es sei inzwischen gutes Allgemeinwissen, dass nicht an einem ganz bestimmten Tag vor ungefähr 7000 Jahren die Welt von Gott erschaffen worden sei, wie einige fanatische Kreationisten immer noch glaubten.

Lisa, Abiturientin aus Ebermannsdorf, plädierte dafür, hier die Tugend der Toleranz hochzuhalten. Unterschiede sollten nicht in den Vordergrund gerückt werden, "sondern beide Seiten, muslimisch und christlich, eher darauf schauen, was beiden Religionen gemeinsam sei". Etwa die Auseinandersetzung mit dem Atheismus, dessen Hauptargument es sei, dass die kosmische Welt rein zufällig entstanden sei - und keinen personalen Schöpfer kenne. Pater Alfred Lindner ergänzte, dass ja schon in der Bibel der genaue Zeitraum der Erschaffung der Welt überhaupt nicht festgestellt werden wollte. "Der erste Schöpfungsbericht im Alten Testament spreche von sieben Tagen, der zweite aber ganz deutlich nur von einem einzigen Schöpfungstag."

In der Diskussion der rund 40 Gesprächsteilnehmer wurde gefragt, wie die Verantwortung des Menschen gegenüber einer göttlichen Schöpfung aussehen solle. Von islamischer Seite hieß es, dass der Mensch nach den Geboten aus dem göttlichen Gesetz handeln solle - und er durch das Studium des Koran diesen Willen Gottes herauslesen könne. Von christlicher Seite wurde entgegnet, dass der Mensch die zehn Gebote beachten müsse, um dem Auftrag aus der göttlichen Schöpfung gerecht zu werden. Der gemeinsame Glaube an einen Schöpfergott sei in beiden Religionen ein Bekenntnis zum barmherzigen Gott, wie es unter den 99 Namen Allahs heiße und wie im Gleichnis Jesu von dem barmherzigen Vater sichtbar werde.

Freude an Ramadan

Nach dem Gesprächsabend konnten alle mit dem Gefühl nach Hause gehen, ein Stück Toleranz und gegenseitiger Wertschätzung gelernt zu haben. Zumal eine Frau anschaulich berichtet hatte, wie freundlich sie inzwischen mit ihrer muslimischen Schwiegertochter umgehe - und wie in der Familie gemeinsam Ramadan und Weihnachten gefeiert werde.
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