"Keiner denkt an Gefangene"

Ernst Guttenberger. Bild: sön
Lokales
Ensdorf
20.06.2015
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"Kinder und Senioren werden gut betreut, keiner aber denkt an Strafgefangene": Diese Erkenntnis war für Franziska Dorigati der Auslöser, sich als ehrenamtliche Betreuerin für Häftlinge zu engagieren.

(sön) Die Wahl-Sulzbach-Rosenbergerin ist nicht die Einzige, die sich in diesem Bereich engagiert: Das zeigte sich beim Besuch einer ganzen Gruppe ehrenamtlicher Betreuer der Justizvollzugsanstalt Amberg im Ensdorfer Zentrum für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN).

Dabei blieb auch Zeit, um mit zwei Ehrenamtlichen über ihre Motivation zu sprechen. Franziska Dorigati wurde vor 68 Jahren in Italien geboren. Sie wirkte dort als Lehrerin in den Oberstufen an Gymnasien in Trient und Mailand. Seit 1977 wohnt sie in Sulzbach-Rosenberg, gründete dort eine Stammgruppe für Italienisch und Yoga. Durch Eigeninitiative kam sie vor sieben Jahren zu ihrem Engagement als ehrenamtliche Gefangenen-Betreuerin: Sie hatte das Gefühl, dass an diese keiner denke - und wollte daran etwas ändern.

Kleiner Beitrag zu Europa

Dorigati sieht ihr Engagement als eine sinnvolle Tätigkeit und auch als einen kleinen Beitrag, um ein einiges Europa zu bauen. Für sie seien Gespräche mit den Gefangenen die Basis, betonte die Italienerin, die auch einen Gefangenen in Sicherheitsverwahrung in der JVA Straubing betreut. Kontakt hält sie zu ihren Schützlingen auch nach deren Entlassung: Die Unterstützung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche sowie das Knüpfen von Kontakten zu Sport- und anderen Vereinen betrachtet sie nämlich ebenfalls als ihre Aufgabe.

Schon als Kind in Kontakt

In Amberg geboren ist Ernst Guttenberger (85). 1977, als er nach 14-jähriger Tätigkeit beim Landgericht in Weiden wieder in seine Heimatstadt zurückkehrte, hat ihn Rektor Josef Lang als ehrenamtlichen Betreuer angeworben. Der Heilpädagoge an der Egenberger-Schule der Lebenshilfe betreut bis heute auch Gefangene, macht Ausgänge mit ihnen und bereitet sie auf das Leben nach ihrer Entlassung vor.

In der heutigen Werner-von-Siemens-Straße aufgewachsen, hatte er schon als Kind Kontakt zur Strafanstalt, da sein Vater dort Aufseher war. Stolz ist der 85-Jährige darauf, dass er für sein Engagement von Bundespräsident Johannes Rau mit dem Bundesverdienstkreuz am Band ausgezeichnet wurde.
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