Pilger-Premiere am Jakobsweg

Auch das ist im neuen Jakobspilgerweg im Kloster Ensdorf eingebaut: ein Gedenken an gefallene und vermisste Salesianer an der Kriegerkapelle, das beim ersten Mal Pater Christian Liebenstein (links) zusammen mit den Teilnehmern hielt. Bild: sön
Lokales
Ensdorf
15.10.2014
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Ensdorf liegt bekanntlich am Jakobsweg. Ein Stück davon führte jetzt direkt durch den Klostergarten - zumindest in meditativer Form. Es war ein neues Angebot, das viele Pilger gerne begleiteten - ganz ohne Wanderrucksack.

(sön) Menschen, die keine langen Strecken gehen können, sollten von dieser Premiere im Kloster Ensdorf profitieren. Der grundlegende Gedanke dabei war, die Tradition des Jakobswegs aufzugreifen und in meditativem Stil einen Weg anzubieten, der Pilger- und Lebenserfahrungen aufgreift und erschließt. So beschrieb Klosterdirektor Pater Christian Liebenstein den Hintergrund.

Aufbruch und Innehalten

Die Stationen, zu denen er selbst führte, lauteten: "Aufbruch" (an der Jakobusstatue am Kirchenportal), "Erinnerung" (bei der sogenannten Kriegerkapelle zum Gedenken an gefallene und vermisste Salesianer), "Innehalten" (an der Grünen Kapelle), "Erfrischung" (im Kneippbecken) und "Lebensfrüchte" (im Obstgarten an der Südseite des Klosters).

Den "Aufbruch" vor der Kirche stellte der Pater unter ein Zitat des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard: "Vor allem, verliere nie die Lust am Gehen! Ich habe meine besten Gedanken ergangen und ich kenne keinen noch so schweren Kummer, den man nicht weggehen kann." Bei der Kriegerkapelle hörte die Gruppe, dass es notwendig sei, Erfahrungen präsent zu haben, denn: "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt und verurteilt, sie zu wiederholen."

Innehalten hieß es bei der Grünen Kapelle. Die Teilnehmer beteten: "Gott aller Lebenden, gib, dass wir uns dir in Stille und Liebe überlassen. Es fällt uns Menschen nicht leicht, uns dir zu überlassen. Du aber rührst an unser Innerstes und willst, dass wir im Licht der Hoffnung leben können." Beim Kneippbecken hörten die Teilnehmer aus dem Psalm 1: "Es wird ein Baum sein direkt am Wasser. Er wird zur rechten Zeit Früchte tragen. Seine Blätter werden nicht welken. Wo er steht, steht's gut um ihn. Dagegen die Vergeblichen. Sie sind nichts als Spreu, vom Wind verweht."

Scheunen der Ernte

Zum Abschluss im Obstgarten lud der Klosterdirektor die Teilnehmer ein, die "Lebensfrüchte", was jeder im Leben vollbracht hat, was gelungen ist, oder auch, was durchzustehen war, wertzuschätzen. Und er griff einen Gedanken des Wiener Psychotherapeuten Viktor Frankl auf, nicht so sehr auf die "Stoppelfelder der Vergänglichkeit" zu blicken, sondern auf die Scheunen, "in die wir unsere Lebensernte eingebracht haben".
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