Sagen höchst lebendig

Die Stimme klar und hervorragend akzentuiert, Mimik und Gestik wohldosiert, so führte Agnes O. Eisenreich ihr Publikum durch die Welt von Schönwerths schlitzohrigen Figuren. Bilder: sön (2)
Lokales
Ensdorf
11.07.2015
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Die Märchen von Franz Xaver von Schönwerth sind schon etwas Besonderes. Um so mehr, wenn sie im romantischen Ensdorfer Klosterhof vorgetragen werden: Agnes O. Eisenreich ließ die Sagengestalten hier lebendig werden.

(sön) Am Manuskripthalter flackernde Kerzen, dazu die Klangmalereien der beiden Vollblutmusiker Stefan Huber von der Umwelt-Musik-Werkstatt des Ensdorfer Klosters und Koma Lüderitz. Und Agnes O. Eisenreich erzählt Geschichten über die wilde Oberpfalz.

Abgehackte Köpfe, abgerissene Gliedmaßen, Menschenfresser: Wenig haben die Märchen von Franz Xaver von Schönwerth mit den dagegen weichgespült anmutenden Geschichten der Gebrüder Grimm zu tun. Für die Geschichten aus der wilden Oberpfalz tauchte Eisenreich in das Leben Schönwerths ein. Im 19. Jahrhundert erforschte der gebürtige Amberger das Leben der Oberpfälzer. Zeichnete ihre Sagen, Märchen, Schwänke und Sprichwörter auf, beobachtete das Leben der Bevölkerung, beschrieb bäuerlichen Alltag und Brauchtum.

Die Stimme klar und hervorragend akzentuiert, Mimik und Gestik wohldosiert, so führte Agnes O. Eisenreich ihr Publikum in die Welt der schlitzohrigen Schönwerth-Figuren ein. Da sind zum Beispiel die einfältigen und eitlen Dorfbewohner, die denken, für den Tod ihrer Ältesten verantwortlich zu sein. Sie wenden sich hilfesuchend an den armen Lehrer, der aus der Misere seiner Mitmenschen ordentlich Profit schlägt - und zu dem Schluss kommt, "dass sich Bildung eben doch auszahlt".

Und à la Schönwerth kommt auch die Pechmarie verstümmelt zu ihrer gierigen Mutter zurück. Oder aus zwei Märchen wird eines: Dornröschen wird nicht wachgeküsst, sondern muss selbst einen großen, schmutzigen Pudel küssen, der natürlich der verzauberte Prinz ist. Pudel, das erfährt das erstaunte Publikum nebenbei, "waren damals ganz große Hunde, richtige Wachhunde". Die ehemalige OTV-Moderatorin ist auch dialektsicher. Das beweist sie mit einer Erzählung aus der nördlichen Oberpfalz.

Viele von Schönwerths Märchen und Sagen aus der Region waren schon nahezu vergessen - doch seit ein paar Jahren werden sie wiederbelebt. Im Besonderen vom Trio Agnes O. Eisenreich als Erzählerin sowie Stefan Huber und Koma Lüderitz als Musiker. Letztere entwickelten für Schönwerths Geister und Gestalten ein besonderes Klangkonzept. Sie ließen durch Dudelsack, Autoharp, Ukulele, Bariton-Saxofon, Schlagwerk, Akkordeon, Wassergeige und Dulcimer eigenartige Klangwelten entstehen. Untermalten und verstärkten so die Spannung Eisenreichs Vortrag. Das Ambiente des Klosterinnenhofs passte genial zu Geschichten und Musik - dafür dankten die vielen Besucher mit langanhaltendem Schlussapplaus.
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