Tote Bäume sind die lebendigsten

Mehr Teilnehmerresonanz hätte die von Förster Werner Lang (links) geleitete aufschlussreiche Hirschwald-Wanderung verdient. Auch Thomas Verron (Zweiter von links), Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten im Forstbetrieb Burglengenfeld, und Forstoberrätin Helga Verron (Fünfte von links), Leiterin des Natura-2000-Teams Amberg der Bayerischen Forstverwaltung, waren dabei. Bild: sön
Lokales
Ensdorf
05.06.2015
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Im Hirschwald stehen überwiegend Fichten: Diese Meinung ist weit verbreitet - und falsch. Werner Lang vom Forstrevier Amberg hat bei der Vorbereitung auf eine von ihm geführte Wanderung durch das Areal "mehr als zehn Laub- und Nadelbaum-Arten" gezählt.

(sön) Der Bildungsbeauftragte des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg hatte seiner Wandergruppe zur Illustration extra Blätter dieser Laubbäume mitgebracht: "Die Waldwirtschaft hat ein Auge für den Naturschutz. Buche, Tanne und Douglasie sind Alternativen zur Fichte". Letztere sei der Verlierer im Klimawandel - und in der niederschlagsarmen Oberpfalz auch durch den Borkenkäfer.

Umbau im Wald

Der Klimawandel erfordere einen Waldumbau auf besser angepasste Baumarten, fügte Thomas Verron, Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten im Forstbetrieb Burglengenfeld, an. Er nannte dies "eine notwendige Vorsorge". Auf die oft unterschiedlichen Sichtweisen des Naturschutzes von Förstern ("eher dynamisch") und Naturschützern ("oft konservierend denkend") ging Verron ebenfalls ein. Er hob hervor, "dass das durch die Bayerischen Staatsforsten erstellte, bayernweite Naturschutzkonzept auch auf der ganzen Waldbewirtschaftungs-Fläche integrativ Trittsteine für den Naturschutz aus Alt- und Totholzinseln beinhaltet". Das Totholz-Management erläuterte Werner Lang mit dem Zitat eines Forstmanns: "Die toten Bäume sind die lebendigsten im Wald." Viele geschützte Organismen wie Pilze, Insekten, Fledermäuse und Vögel seien darauf angewiesen.

Auf der knapp dreistündigen Wanderung stellten Teilnehmer auch die Frage, ob Holznutzung nun ein "Übel oder Segen" sei. Nachhaltige Nutzung sei eine sinnvolle und notwendige Art der Bewirtschaftung, erfuhren sie von Lang: "Nicht nachwachsende und energieaufwendige Produkte werden durch den nachwachsenden Rohstoff Holz ersetzt." Entstanden seien der Begriff Nachhaltigkeit sowie die Idee einer entsprechenden Nutzung, der damit notwendigen Beschäftigung von Förstern und der Einrichtung der Forstwissenschaft vor etwa 300 Jahren.

Ohne geht nichts mehr

Weiter erfuhren die Wanderer, dass die Zertifizierung von Wäldern Zeichen für eine gute Bewirtschaftung sei. "Sie wird kontrolliert und auch für Privatwald angeboten. Holzverkauf ohne Zertifikat ist teilweise nicht mehr möglich", betonte Lang. In der anschließenden Diskussion hörten die Teilnehmer, dass das Häckseln von Kronenmaterial als Nährstoffentzug, aber auch zum Schutz des Walds gegen Borkenkäfer notwendig sei. Dasselbe gelte für die Erschließung zur pfleglichen Waldwirtschaft und zum Bodenschutz durch Rückegassen alle 30 Meter.

Angesprochen wurden die Unterschiede beim Jagdmanagement im Staats- und Privatwald nach Vegetationsgutachten, um Verbiss- und Schälschäden niedrig zu halten, "denn Jagd ist betriebswirtschaftliche Grundlage der Waldbewirtschaftung", wie Verron unterstrich.
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