Und immer wieder Linsen

Karl-Heinz Cislaghi, Franz Bleicher, Georg Wein, Edeltraud Roth und Evi Pirzer (von links) vor ihrer Übernachtungsstelle in Beaumont. Bilder: sön (2)
Lokales
Ensdorf
31.08.2015
5
0

Der Weg ist das Ziel: So hat Franz Bleicher, Haustechniker im Kloster der Salesianer, seine Aufzeichnungen zu seiner Frankreichetappe überschrieben. Er pilgert auf dem Jakobsweg, und zwar abschnittsweise.

(sön) Begonnen hat alles 2009, als das Kloster Ensdorf eine dreitägige Jakobsweg-Wanderung von Ensdorf nach Feucht anbot. Franz Bleicher erinnert sich noch daran, dass er nach dem ersten Tag eine Blase am Fuß hatte. "Aber mich hatte das Fieber für den Jakobsweg gepackt." So folgten in den Jahren darauf mehrtägige Etappen, zusammen mit wechselnden Teilnehmern, bis Konstanz - insgesamt 558 Kilometer. Damit gaben sich einige Teilnehmer aber nicht zufrieden. So organisierte Bleicher 2013 und 2014 weitere Strecken, von Konstanz nach Interlaken und von dort weiter nach Genf, in zehn beziehungsweise zwölf Tagen, über weitere 445 Kilometer.

"Wir hatten dabei alles, was man sich vorstellen kann", blickt Bleicher auf den Weg durch die Schweiz zurück: "Die schönsten Landschaften, duftende Almwiesen mit Hütten, Berge und Seen mit den tollsten Panoramablicken. Allerdings auch Starkregen, der Wege wegspülte und Sonnenschein, der uns zum Schwitzen brachte in der bergigen Landschaft."

Verständigung nicht einfach

Am letzten Abend in der Schweiz beschlossen er und vier weitere Teilnehmer, Karl-Heinz Cislaghi, Georg Wein, Edeltraud Roth und Evi Pirzer: "2015 beginnen wir mit Frankreich." Im Frühsommer starteten die Fünf. Probleme gab mit der Verständigung - trotz Wörterbuch, Englisch und Zeichensprache. Ohne Frühstück auf den Weg, bei Regen und Wind, ein durch einen Virus geschwächter Teilnehmer und ein steiniger Berg - das gehörte zu den ersten Tagen in Frankreich. Aber Reto, ein Schweizer Pilger, der sich den Ensdorfern als Übersetzer zur Verfügung stellte.

Weiter ging es, auf Pfaden "mit Kieselsteinen, so groß wie Kartoffeln", und Anstiegen bis 900 Metern. Belohnt wurden die fünf Pilger durch die wunderbare Landschaft des Rhonetals, durch unberührte Natur und Wälder, die Urwäldern gleichkamen. "Man kann einiges erleben", sagt Bleicher mit Blick auf eine Unterkunft bei einer Künstlerin, deren Gemälde im ganzen Haus verteilt waren, und bei einem Schriftsteller und Liedermacher.

Nach einer Hotelübernachtung mit reichlich gutem Essen ging es bei Regen und Wind weiter nach Revel-Tourdan, wo die Ensdorfer eine Dreier-Gruppe aus dem Allgäu trafen. Dabei stellte sich heraus, dass der Sohn dieses Teams in der Nähe von Ensdorf geheiratet hatte und seine Hochzeitsgäste im Bildungshaus übernachtet hatten. Dem Marsch durch Obstplantagen der Region folgte eine Episode mit einer Rasenmäherhexe, der fast Georg Weins Schuhe zum Opfer gefallen wären. Nach einem steinigen, steilen Aufstieg bei schwüler Hitze erreichten die Pilger Saint-Julien-Molin-Molette, "wo vor unseren Augen die einzige Gastwirtschaft schloss".

Fortsetzung folgt

Eine Notiz in Bleichers Tagesbuch lautet: "Wir können schon bald keine Linsen mehr sehen." Dann noch der mit 1276 Metern höchste Punkt der Tour, Übernachtung bei einer deutschen Familie - und wieder Linsen. Auf den 27 Kilometern nach Le Puy-en Velay wurden die Fünf von einem Wolkenbruch überrascht. Nach Besuch der Kathedrale und der letzten Übernachtung in einem Priesterseminar ("Und wieder gab es Linsen") und schon vor der Heimreise mit dem Zug war nach 375 Kilometern durch Frankreich klar: "Im nächsten Jahr geht es weiter. Wir haben noch etwa 750 Kilometer in Frankreich und knappe 800 Kilometer in Spanien vor uns bis nach Santiago de Compostela".
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.