Zu hören war er, der Sommer

Aus dem Open Air wurde nichts. Aber Christian Schmid (Bass), Jürgen Zach (Gesang, Gitarre), Jonas Sorgenfrei (Schlagzeug) und Cyrus Saleki (Gitarre) unterhielten ihr Publikum auch im Saal bestens. Bild: sön
Lokales
Ensdorf
12.06.2015
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Das Motto lautete "Songs an einem Sommerabend". Das Wetter richtete sich dann allerdings nicht nach dieser Vorgabe. Und so musste das als Open Air geplante Konzert vom Ensdorfer Klosterhof ins Bildungshaus verlegt werden.

(sön) Dem Interesse am Programm tat diese Änderung keinen Abbruch: Der Mehrzweckraum konnte die Besucher kaum fassen. Der Abend war eine Hommage an den Berliner Liedermacher und Schauspieler Klaus Hoffmann. Die Band - Christian Schmid (Bass), Jonas Sorgenfrei (Schlagzeug), Cyrus Saleki (Gitarre) und Jürgen Zach (Gesang, Gitarre) - schaffte es, ihre Zuhörer in angenehmer Lautstärke zumindest akustisch mitzunehmen in eine laue Sommernacht.

Immer aus dem Leben

Auf dem Programm standen Lieder Hoffmanns wie "Wenn du liebst", "Ich will leben" oder "Die Antwort der Blumen", Letzteres eine Auseinandersetzung und seine aktuelle Antwort auf "Sag mir, wo die Blumen sind". Hofmann erzählt in seinen Liedern gerne aus seiner Kindheit und seinem Leben im kleinbürgerlichen Nachkriegs-Berlin.

Durchgehendes Motiv ist dabei der Konflikt zwischen der Wärme und der kindlichen Geborgenheit des Vertrauten sowie dem Aufbegehren angesichts der Möglichkeiten und Herausforderungen des Unbekannten. Vom Folk- und Protestsong früherer Jahre sind dabei nur noch ferne Echos zu hören. Von Hoffmann, der auch als der führende deutsche Interpret des belgischen Chansoniers Jacques Brel gilt, hatten die Musiker für diesen Abend aber fast ausschließlich Lieder aus seiner CD "Insellieder" ausgewählt: romantisch und kritisch, träumerisch und doch immer im realen Leben geerdet.

Zu den Texten passten die Bossa-Nova-Rhythmen, die teilweise hymnischen Balladentöne und bisweilen mit einem Hauch Jazz Garniertes - alles exquisit dargeboten. Viele überraschte Gesichter ließen die Eigenkompositionen von Jürgen Zach zurück: So kennt man den Hobbymusiker eigentlich nicht. Mit "WAAhnsinn" erinnerte er an den Dezember 1985, "als viele das erste Mal aufmuckten, denn Demonstrationen waren vorher in der Oberpfalz nicht bekannt".

Drei virtuose Begleiter

Die Texte erzählen von den Menschen in seiner Umgebung, von den Ereignissen des Lebens und zeigen ihn als einfühlsamen und kritischen Beobachter. Sie sind eine Mischung aus nachdenklich stimmenden, witzigen und aufmunternden deutschen, aber vor allem regionalen Songs, die gut zum Ende der Ausstellung "Wie klingt die Oberpfalz?" im Ensdorfer Kreuzgang passten. Mit Christian Schmid und Cyrus Saleki waren zwei langjährige musikalische Wegbegleiter Zachs dabei, die mit ihrer Virtuosität den Liedern die richtige Tiefe, Drive und Dynamik gaben.

Mit Jonas Sorgenfrei hatten sie einen jungen Schlagzeuger mit Perspektive an Land gezogen, der gleichermaßen über den richtigen Schwung und das notwendige Einfühlungsvermögen verfügt, die Songs mit guten Texten brauchen. Um Zugaben kamen die vier Vollblutmusiker nicht herum. Exakt beim letzten Break des Abends schafften es die Ensdorfer Kirchenglocken, einen großartigen Abend zu beenden.
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