Flüchtlinge in Amberg-Sulzbach: Dezentrale Unterbringung im Landkreis ist die bessere Lösung
In ruhigeren Asyl-Gewässern

Ist die akute Not gelindert, kommen die Alltagsprobleme wie Sprachschwierigkeiten, deutscher Führerschein oder Arbeit. Auch diese Themen kamen bei dem Gespräch mit (von rechts) Landrat Richard Reisinger, Regierungspräsident Axel Bartel und Vermieterin Walburga Dechant auf den Tisch. Bild: sön
Politik
Ensdorf
30.09.2014
87
0

Landrat Richard Reisinger war immer davon überzeugt, dass die dezentrale Unterbringung von Asylsuchenden die bessere Lösung ist. Der Vilstaler Hof scheint den Beweis anzutreten.

Unter der Prämisse Asylbewerber und -unterkünfte stehe unter anderem sein Antrittsbesuch im Landkreis, betonte Regierungspräsident Axel Bartelt. Landrat Richard Reisinger (CSU) ergänzte, dass es sich um ein Arbeitstreffen mit informellen Gesprächen über die einschlägigen Probleme der Betroffenen sowie Landkreisverwaltung handle. Dazu stießen auch Walburga und Michael Dechant, die seit mehr als drei Jahren ihre Pension Vilstaler Hof für die Unterbringung von aus ihrer Heimat geflohenen Menschen zur Verfügung stellen.

Es habe bis heute noch keine größeren Schwierigkeiten gegeben, fasste Walburga Dechant einen Aspekt ihrer Erfahrungen kurz zusammen. Lob gab es für die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt. "Wir kommen gut zurecht, helfen auch wo wir können." Derzeit, ("Die Belegung wechselt.") leben 27 Menschen aus dem Iran, der Ukraine, aus Aserbaidschan, Russland und Serbien in der Pension.

Entspanntheit dominiert

Zwei Familien mit Kindern sind darunter. Ihnen können Wohnungen angeboten werden, zwölf Personen nutzen Gästezimmer, eine Gemeinschaftsküche, Waschmaschine und Wäschetrockner sowie einen Aufenthaltsraum mit Fernseher. Bei der Bevölkerung, merkte Bürgermeister Markus Dollacker (CSU) an, habe anfangs Zurückhaltung geherrscht, nun dominiere Entspanntheit. Als sehr positiv wertete er, dass ein Kind vor eineinhalb Jahren ohne ein Wort Deutsch an die Schule gekommen sei, Klassen übersprungen und als Schulbester abgeschlossen habe. Einige Asylsuchende würden als Hilfshausmeister an der Schule oder im Bauhof mithelfen. Die Unterstützung des Klosters bei der Verpflegung habe gut geklappt, seit der Umstellung von Sach- auf Geldleistungen würden die meisten selbst kochen. "Das finde ich sinnvoll."

Der Landrat hat schon immer eine dezentrale Unterbringung favorisiert, 260 Asylsuchenden kann im Landkreis diese Möglichkeit geboten werden. Die Verwaltung sei zwar schwieriger, dem Integrationsgedanken käme dieser Ansatz aber mehr entgegen "und die Lasten sind gleichmäßig verteilt". Bei einem Massenansturm würde der Landkreis jedoch an seine Grenzen stoßen, betonte Reisinger und verwies auf weitere geplante Unterkünfte im Norden. Den Schultransport für die Kinder erstatte sein Haus als freiwillige Leistung. Allein kommende Minderjährige seien besonders betreuungsintensiv. "Aber wenn man die eigenen Kinder in die Ferne ziehen lässt, sie abgibt, dann ist die Not am größten", ist sich der Landrat sicher.

Auf Hilfe von Privatleuten angewiesen

Auf Angebote von privater Seite, wie beispielsweise vom Ehepaar Dechant, sei die Regierung angewiesen, betonte deren Präsident. Er sehe ebenso wie der für diesen Bereich verantwortliche Regierungsdirektor Wolfgang Schmitt das Kernproblem "in dem kommenden gigantischen Zugang, der uns vor immense Herausforderungen stellen wird". Unterkünfte für 50 Menschen würden aktuell gebraucht, betonte Schmitt und stellt sich darauf ein: "Die Bewerberzahlen werden sich verdoppeln."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.