Hirschwalder Torhaus wird hergerichtet
Neues Leben in alten Mauern

Im Dachgeschoss des alten Steinstadels erläuterte Architekt Ing. Willi Schmid (Zweiter von rechts) den Verbund von Alt und Neu am Beispiel der renovierten Dachbalken. Interessierte Zuhörer waren (von links) MdL Reinhold Strobl, Kreisrat Michael Rischke, Riedens SPD-Ortsvorsitzender Georg Söldner, Architektin Ing. Birgit Rieger und Bezirksrat Richard Gaßner. Bilder: sön (3)
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Ensdorf
17.06.2016
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Der Grundriss für das Erdgeschoss von Torhaus und Steinstadel nach der denkmalgerechten Sanierung.

Vor drei Jahren haben die Architekten Birgit Rieger und Willi Schmid das Torhaus des ehemaligen Jagdschlosses des Pfalzgrafen Friedrich II., einen spätgotischen Bau, und den angrenzenden Steinstadel in Hirschwald gekauft. Jetzt wollen sie den historischen Komplex aus dem Dornröschenschlaf wecken.

Hirschwald. "Das Anwesen als historisches Ensemble wollen wir einer denkmalgerechten Nutzung zuführen und dabei sein kulturelles Potenzial wecken", betonte Willi Schmid gegenüber Landtagsabgeordnetem Reinhold Strobl und Bezirksrat Richard Gaßner. Zu einem Informationsgespräch und zur Besichtigung waren beide mit Kreisrat Michael Rischke und Georg Söldner, dem Vorsitzenden des Riedener SPD-Ortsvereins, nach Hirschwald gekommen.

Offen für die Kultur


Seit November 2014 liefen die Arbeiten am mit privaten Mitteln finanzierten Projekt Torhaus Hirschwald, erläuterte Schmid. Es werde vom Bayerischen Landesamt für Denkmalspflege, vom Bezirk Oberpfalz, der Bayerischen Landesstiftung und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert. Bei einer Führung erläuterten die Besitzer, dass der Steinstadel künftig für kulturelle Zwecke genutzt werden soll - "für Kultur, die mit dem speziellen Ort Hirschwald zu tun hat".

Auch für Jagdliebhaber


Als geschichtsträchtiges Biotop sei das Anwesen für unterschiedliche Kunst- und Kulturinteressierte von Bedeutung, meinte Schmid. So etwa für Historiker, Denkmalpfleger und Architekten - "und natürlich auch für Jagdliebhaber". Damit verwiesen die beiden Architekten auf den Hirschwald als eines der traditionsreichsten Jagdgebiete Deutschlands.

Verbund von Alt und Neu


Den Verbund von Alt und Neu erläuterten sie den Politikern an den renovierten Dachbalken im Stadel. Im Torhaus sei im Erdgeschoss eine kleine gastronomische Einrichtung, eine Hutzastubn, mit etwa 20 Plätzen geplant, kündigte Schmid an. Sie könne Besuchern des Naturparks und des Torhauses (im Obergeschoss sind drei Gästezimmer vorgesehen) eine gemütliche Einkehr bieten - und die Gelegenheit, Spezialitäten aus der Region zu genießen.

Inmitten des gleichnamigen Naturparks gelegen, "kann Hirschwald ein Fixpunkt werden für alle, die Naturerlebnisse mit Kunst. Kultur und der Geschichte der Oberpfalz verbinden wollen", davon sind Birgit Rieger und Willi Schmid überzeugt. MdL Reinhold Strobl, Mitglied im Landesdenkmalrat und stellvertretendes Mitglied im Rat der Landesstiftung Bayern, sagte: "Das Problem der Denkmalpflege sind nicht Schlösser wie Neuschwanstein, sondern die vielen Kleindenkmäler, die den Dörfern und Städten ihr unverwechselbares Gesicht und ihre Anmutung verleihen." Er verwies auf den Artikel 141 der Verfassung ("Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts haben die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und die Natur sowie die Landschaft zu schützen und zu pflegen.") Bezirksrat Richard Gaßner fügte an: "Der Bezirk ist bei solchen Juwelen gerne dabei. Dies bezieht sich nicht nur auf den Erhalt, sondern auch für die künftige Nutzung."

Ein Blick in die VergangenheitAn der Stelle, die jetzt Hirschwald einnimmt, befand sich bis vor 400 Jahren das Dorf Gumpenhof, dessen Name als Edelsitz bei Beurkundungen bereits 1143 und 1149 gebraucht wird. 1454 überließ das Kloster Ensdorf dem Kurfürsten Friedrich I. den Nutzgenuss von einem Gut zum Gumpenhofe. Pfalzgraf Friedrich, der später als Kurfürst Friedrich II. hieß, war ein großer Jagdliebhaber und machte aus dem landesherrschaftlichen Hirschwald ein großes Wildgehege. Da ihm das mitten darin gelegene Dorf Gumpenhof wegen des Wildschadens und der zu befürchtenden Wilddiebereien lästig wurde, erwarb er "allmählich auf gütlichem Wege" sämtliche Gumpenhofener Anwesen zu freiem Eigentum des Kurfürsten. Alle Gebäude wurden niedergelegt - mit Ausnahme der Ortskirche. Neben dieser wurde ein Jagdschloss mit etlichen Nebengebäuden erbaut. Die neu erstandene Ortschaft, nach damaligem Brauch zur Sicherung gegen räuberische Überfälle mit einer Ringmauer und einem vorgelegten Graben umgeben, erhielt von ihm den Namen Hirschwald. (sön)
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