Jetzt sehen sie "Angst in den Augen"
Ensdorfer Flüchtlinge über Köln und die Folgen

Die Teilnehmer des Kurses im Kloster Ensdorf lernen nicht nur die deutsche Sprache, sondern erfahren dabei auch viel über die Werte der deutschen Gesellschaft. Sie möchten sich rasch integrieren. Hinten, von rechts: Achmad, Mohammad und Noor. Bild: zo
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Ensdorf
19.01.2016
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Auch unter den Flüchtlingen, die hier leben, sind die Ereignisse der Silvesternacht von Köln ein Thema. Die aus Ensdorf halten mit ihrer Meinung dazu nicht hinter dem Berg.

"Ich möchte das Gute, das wir hier in Deutschland erfahren, zurückgeben - irgendwann", wünscht sich Noor, der 20-jährige Flüchtling aus Syrien, der zurzeit zusammen mit weiteren Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft in Ensdorf lebt.

Er und zehn andere überwiegend junge Männer sowie ein Ehepaar besuchen seit Ende November den Deutschkurs der VHS Amberg-Sulzbach im Kloster Ensdorf. Unter der Anleitung der beiden Dozentinnen Ulrike Zimmermann und Freya Zobel lernen sie eifrig jeden Vormittag die Sprache ihres Gastlandes, um möglichst bald hier eine Ausbildung beginnen oder in ihrem erlernten Beruf arbeiten zu können.

Doch den beiden Lehrerinnen ist es nicht nur wichtig, ihnen das Grundwissen der deutschen Sprache zu vermitteln, sondern sie ebenso in die deutsche Kultur einzuführen und ihnen die Werte einer freiheitlich-demokratischen Lebensweise zu vermitteln. Deshalb war es für die beiden Frauen selbstverständlich, die Vorfälle der Kölner Silvesternacht zu thematisieren und die Meinung der Asylsuchenden dazu zu erfahren.

Achmad, Unternehmer aus Syrien, mit 50 Jahren der Älteste, sieht in diesen schrecklichen Vorfällen das Werk von Kriminellen. "Diese Menschen, die so etwas wie in Köln den Frauen angetan haben, müssen schwer bestraft werden. Denen fehlt es an Respekt für die Frauen. Diese Taten sind nicht nur in Deutschland falsch, sondern auch in Syrien." Auf die Frage, ob er den Eindruck habe, dass sich die Menschen seit den Vorfällen in Köln ihm gegenüber verändert hätten, meint er: "Ich bin höflich und lächle immer und bekomme auch meistens ein Lächeln zurück."

Der 20-jährige Noor, angehender Student und ebenfalls aus Syrien geflüchtet, hat indes andere Erfahrungen. "Es ist definitiv anders als vorher." Vor allem im Bus sehe er die Angst in den Augen der Frauen. "Ich versuche dann immer ganz höflich und zurückhaltend zu sein." Er sieht es auch als Vorverurteilung an, wenn nun allen arabisch aussehenden Männern unterstellt wird, potenzielle Diebe und Gewalttäter zu sein. "Meine Eltern sehen für mich hier in Deutschland eine Zukunft. Ich wäre beschämt, sie zu enttäuschen."

Doch das Misstrauen, das ihm jetzt entgegenschlägt, macht ihm die Integration, die er sich so sehr wünscht, nicht leicht. "Ich habe eine gute Ausbildung", erzählt er in fließendem Englisch, "und ich bin meinen deutschen Freunden sehr dankbar, dass sie mich als willkommenen Gast behandeln und mich in die hiesige Kultur einführen. Ich bin nicht wegen des Geldes hier, sondern weil ich in Deutschland eine Zukunft habe."

Auch Atnafu aus Äthiopien möchte so schnell wie möglich Deutsch lernen, um eine Ausbildung zu beginnen. Er räumt ein, dass ihm vieles in Deutschland noch fremd ist. "Wir sind kulturell anders und wir denken anders, aber hier müssen wir uns an die Kultur anpassen." Das, was in Köln passiert ist, sei einfach nur schrecklich. Er verstehe dieses Verhalten nicht. Er möchte in "guter Gemeinschaft mit den Deutschen leben - in Frieden und Harmonie".

Dem 22-jährigen Achmad aus dem Iran sind diese frauenfeindlichen Übergriffe und Diebstähle sowie insgesamt das Verhalten der mehrheitlich nordafrikanischen Männer mehr als peinlich. Er schäme sich, dass so etwas passiert sei.

Der 31-jährige Syrer Mohammad, von Beruf Ingenieur für Informationstechnik, fasst schließlich zusammen, was alle im Kurs denken und sich von ihren deutschen Mitmenschen wünschen: "Nur ganz wenige Flüchtlinge sind so wie die in Köln. Wir sind Krieg und Terror entkommen und sind froh, in Deutschland in Sicherheit leben zu können. Ich möchte hier etwas Gutes bewirken und wieder arbeiten."
Diese Taten sind nicht nur in Deutschland falsch, sondern auch in Syrien.Achmad aus Syrien
Wir sind kulturell anders und wir denken anders, aber hier müssen wir uns an die Kultur anpassen.Atnafu aus Äthiopien
Nur ganz wenige Flüchtlinge sind so wie die in Köln.Mohammad aus Syrien
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