Kaum noch Busverbindungen
Wolfsbach ziemlich abgehängt

Sie löst die Verwicklungen aus: Die zu schwache Vilsbrücke in Theuern wird in den nächsten eineinhalb Jahren durch einen Neubau 15 Meter weiter ersetzt. In dieser Zeit ist die Straße nach Wolfsbach gesperrt. Bild: Steinbacher
Vermischtes
Ensdorf
01.07.2016
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Heute brechen harte Zeiten an für Leute, die in Wolfsbach wohnen und auf den Bus angewiesen sind: Wegen der Sanierung der Vilsbrücke in Theuern werden sie vom ÖPNV weitgehend abgekoppelt. Doch nicht alle wollen sich das ohne Gegenwehr gefallen lassen.

Wolfsbach. Ingeborg Schmid und Wolfgang Ott schildern der AZ die Probleme ohne ausreichende Busverbindung: In Richtung Amberg kann man nur noch um 5.17 Uhr, um 6.54 Uhr und um 15.44 Uhr fahren. Zusätzlich an Schultagen um 7.20 Uhr. In Richtung Schmidmühlen gibt es am Vormittag keine einzige Verbindung mehr, am Nachmittag noch Fahrten um 13.45 Uhr, 16.30 Uhr und 18.17 Uhr. Das alles gilt aber nur von Montag bis Freitag; am Wochenende ist das rund 550 Einwohner zählende Wolfsbach (und auch Hofstetten mit seinen fünf Häusern) bustechnisch von der Außenwelt abgeschnitten.

Nicht mehr zum Arzt


Laut Ingeborg Schmid sind die meisten Wolfsbacher nach Rieden orientiert, etwa zur dortigen Arztpraxis. "Da geht jetzt am Vormittag gar nichts mehr." Und wer nach Amberg zum Einkaufen wolle, müsse schon um 6.54 Uhr losfahren, stehe dann erst einmal vor verschlossenen Ladentüren. Zurück geht die erste Fahrt um 13.30 Uhr. "Das ist aber ein reiner Schulbus, da kommst du nicht rein, wenn du dich nicht mit Gewalt reinquetschst", sagt Wolfgang Ott. Ansonsten müsse man aber bis zum Abend warten.

Eineinhalb Jahre soll das jetzt so gehen, bis die Brücke in Theuern saniert ist und der Bus wieder direkt nach Wolfsbach weiterfahren kann, nicht mehr den Umweg über die Vilstalstraße machen muss. Dann könnte wohl der alte Plan wieder in Kraft treten, mit dem Wolfsbach nur in eine Richtung allein am Vormittag neun Verbindungen hatte. Bis dahin muss jeder, der außerhalb der genannten Zeiten den Bus nutzen möchte, irgendwie die Strecke bis zur nächsten Haltestelle an der Vilstalstraße zurücklegen. Die ist in Leidersdorf, etwa drei Kilometer weit entfernt. "Zu Fuß ist das nicht zumutbar", findet Wolfgang Ott.

Eine Frage der Länge


Die beiden Wolfsbacher haben beim Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS) und der Regionalbus Ostbayern GmbH (RBO) nachgefragt, warum jetzt nur noch so wenige Busse der Linie 54 Wolfsbach anfahren. Durch ein Schreiben des ZNAS, unterzeichnet von Landrat Richard Reisinger, erfuhren sie:

1. Die Polizei hat den Vorschlag einer Ersatzhaltestelle für Wolfsbach an der Vilstalstraße abgelehnt, "da hier die Querung der Vilstalstraße erforderlich geworden wäre".

2. Wolfsbach kann nur von 12 Meter langen Bussen angefahren werden, da die 15 Meter langen dort nicht vorschriftsgemäß wenden können. Deshalb mussten alle Fahrten der Linie 54 mit den längeren Bussen gestrichen werden.

3. Am Wochenende kann Wolfsbach nicht bedient werden, weil die Busse da meistens einen Radanhänger dabei haben und ebenfalls nicht wenden können.

4. Jeder Abstecher von der Vilstalstraße nach Wolfsbach kostet Zeit. Damit würden alle Busse zwischen Emhof und Kümmersbruck acht Minuten später am ZOB in Amberg eintreffen und so überwiegend "keinen Anschluss mehr an den Citybus oder an die Schiene" haben. ZNAS und RBO hätten deshalb eine Abwägung treffen müssen: entweder allen Fahrgästen zumuten, dass sie keine Anschlüsse mehr haben, oder den Wolfsbachern diesen Notfahrplan (mit "Grundanbindung") zumuten.

Besonders geärgert hat sich Ingeborg Schmid über die abschließende Passage, die sie als Drohung empfindet. Darin heißt es, der 12-Meter-Bus könne in Wolfsbach auf öffentlichem Grund nur auf der Straßenkreuzung vor dem Gasthaus in einem Zug wenden. Allerdings dürften dort dann keine Pkw parken. "Sollte dies auf Dauer nicht funktionieren, steht auch nach wie vor im Raum, für die Dauer der Bauzeit Wolfsbach gar nicht mehr anfahren zu können und die Schülerbeförderung über einen freigestellten Schülerverkehr des Schulaufwandsträgers abzuwickeln." Schließlich seien ÖPNV-Leistungen eine freiwillige Leistung, "die nur im Rahmen des Möglichen zur Verfügung gestellt werden kann".

Schmid und Ott können vieles an den Argumenten nicht nachvollziehen: Spreche man mit den Busfahrern, äußerten die, für sie sei es kein Problem, in Wolfsbach umzukehren. Die errechneten 8 Minuten Zeitverlust seien gewaltig überzogen. Schließlich spare man auch etwas ein, wenn man auf der Vilstalstraße und nicht auf der kurvigen Strecke zwischen Theuern und Wolfsbach unterwegs sei. Zudem habe auch der alte Fahrplan für viele Anschlüsse in Amberg längere Wartezeiten enthalten. Weiter fragen sie: Warum hat man die Bürger nicht früher über diesen Notfahrplan informiert? Warum konnte man mit der Einführung der Radanhänger (sie geschah am 1. Mai) nicht warten, bis die Sperrung in Theuern vorbei ist?

Und die Schulkinder?


Sie wollen weiter dafür kämpfen, dass am Samstagmorgen wenigstens ein Bus in Richtung Amberg geht und mittags wieder zurück. Unter der Woche halten sie eine zusätzliche Verbindung zwischen 9 und 10 Uhr für unverzichtbar. Und sie hoffen, dass "bei dieser Entscheidung nicht nur Schreibtischtäter, sondern auch Menschen mit Berufserfahrung, Herz und Verstand" mitwirken.

Fast am Ende des Gesprächs fällt Schmid und Ott noch ein: Wie kommen eigentlich die Kinder mittags aus der Ensdorfer Schule zurück, wenn der erste Bus aus dieser Richtung um 15.44 Uhr in Wolfsbach eintrifft? ZNAS-Geschäftsführer Hans-Jürgen Haas wüsste es vielleicht. Aber der war gestern für die AZ telefonisch nicht zu erreichen.
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