Schule nur mit Freiwilligen
Han's Klaffls lustige Doppelstunde

Der pensionierte Lehrer Han's Klaffl stand am Freitag zum ersten Mal auf der Bühne der Stadthalle. Aus dem Stück "Another one bites the dust" von Queen komponierte er ein Lied über die Lehrerkonferenz. Bild: wb
Freizeit
Erbendorf
16.10.2016
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Schule kann richtig Spaß machen. Dazu braucht man nur ein Piano, ein Kontrabass und Han's Klaffl. In der Stadthalle holte der pensionierte Gymnasiallehrer in einer Doppelstunde zum großen Rundumschlag aus - gegen Schüler, gegen Eltern und auch gegen seinesgleichen.

Fast 40 Jahre war der Oberbayer im Schuldienst und hat am Gymnasium so einiges erlebt. Seit 2014 ist er in Pension und kann sich nun ganz seiner zweiten großen Leidenschaft widmen, dem Musikkabarett. Seine Schulerlebnisse füllen mittlerweile drei Programme. In Erbendorf gastierte "Studienrat K." vor über 200 Zuschauern mit dem ersten Teil.

Auch zahlreiche aktive und ehemalige Lehrer drängten in den Saal, um sich das Programm "40 Jahre Ferien" anzusehen. Sie amüsierten sich köstlich über Klaffls Ausführungen zum "Lukas-Podolski-Gymnasium". Ebenso schonungslos wie liebevoll charakterisierte der Pauker die verschiedenen Lehrer- und Schülertypen und deren Macken.

Ausufernde Lehrerkonferenzen nahm er genauso aufs Korn wie gestresst wirkende, verpeilte Schüler. Er thematisierte die Überalterung der Lehrkörper, das schlechte Abschneiden bei der Pisa-Studie, das achtstufige Gymnasium und die diversen Handreichungen des Kultusministerium. Für seine Lieder nahm er Anleihen etwa an Monty Python, Queen und Lou Reed.

Schule nur mit Freiwilligen


Oft seien es auch nur Kleinigkeiten, die den Unterricht erschwerten, zum Beispiel die Vielzahl von mehrfach leicht angeschwitzten Sportklamotten in Turnbeuteln, erläuterte Klaffl. Sollbruchstellen bei Schulblockflöten hält er übrigens für sehr nützlich, könnten sie doch helfen, schwere Verletzungen bei musikalischen Dissonanzen zu verhindern. "Unter Putz" (Make-up) verlegte Ohrhörer-Kabel mancher Schülerinnen betrachtet Klaffl hingegen zunehmend mit Sorge.

Das Thema "Elternsprechtag" durfte da natürlich nicht fehlen, zumal hier regelmäßig eine große Diskrepanz zwischen der vom Lehrer gemessenen und der von den Eltern gefühlten Intelligenz und Sozialkompetenz von Schülern zutage trete. Wahrscheinlich liege das einfach daran, dass es in Wirklichkeit von jedem Schüler zwei Exemplare gebe: das nette, freundliche, wissbegierige und an allem interessierte Kind und das Mr.-Hyde-Abbild. "Aber warum schicken die Eltern immer Mr. Hyde zu uns in die Schule?", fragte Klaffl.

Vielleicht sollte man die Bundeswehrreform auch auf die Schulen übertragen, sinnierte der Musikkabarettist. Die Schulpflicht abschaffen und nur noch mit Freiwilligen weitermachen, das wäre einen Versuch wert. Damit hatte er einmal mehr die Lacher auf seiner Seite.
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