Wölfe im Steinwald
Nicht unwahrscheinlich

Der erste Wolf seit 130 Jahren im Fichtelgebirge, aufgenommen von der Kamera von Ronald Ledermüller, Geschäftsführer des Naturparks Fichtelgebirge. Nicht weit von dort erschoss ein Wirt aus Kulmain 1882 den letzten Wolf Bayerns, zwei Kilometer vom Waldhaus Mehlmeisel entfernt. Bild: LfU/Naturpark Fichtelgebirge.
Kultur
Erbendorf
11.02.2016
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Wer so eine Luchsspur sieht, sollte sich melden. Bild: Manfred Wölfl

Wolf und Luchs im Steinwald. Unwahrscheinlich ist das nicht. Der Naturpark ist ein Knotenpunkt bei den Wanderungen großer Wildtiere durch Deutschland. Die Spurensuche ist durch den milden Winter jedoch viel schwerer.

Es war ein großer Augenblick für Ronald Ledermüller, Geschäftsführer des Naturparks Fichtelgebirge. Kurz vor dem Jahreswechsel 2011/12 hielt die von ihm installierte selbstauslösende Kamera auf dem Schneeberg einen Wolf fest.

Eine Sensation: Nach rund 130 Jahren streifte ein Wolf durch das Fichtelgebirge. Früher oder später wird der nächste kommen, da ist sich Ledermüller sicher. "Die Region Steinwald und Fichtelgebirge bildet den Knotenpunkt der bewaldeten Mittelgebirge in Deutschland." Ob auf der Ost-West-Achse zwischen Osteuropa und Westlichen Alpen oder auf der Süd-Nord-Achse zwischen Alpen und Harz, die Nordoberpfälzer Region sei ein Durchzugsgebiet für große Wildtiere. "Steinwald und Fichtelgebirge sind der Stachus der Artenvielfalt", erklärt der Diplom-Forstwirt. Auch der Wolf auf dem Schneeberg kam nachweislich aus der Lausitz, in der viele der 38 Wolfsrudel in Deutschland heimisch sind.

"Wölfe legen in einer Nacht bis zu 50 Kilometer zurück." Bis zur Lausitz würde die Wanderung bei einer Luftlinie von 250 Kilometern Entfernung gerade mal eine Woche dauern, schätzt der Experte.

Eine Besiedelung durch den Luchs hält der Naturpark-Geschäftsführer für weniger wahrscheinlich, da er sich eher in der Nachbarschaft ansiedelte und keine langen Wanderdistanzen zurücklegte. Zwar gebe es immer mal wieder Anrufe und vage Hinweise nach dem Motto: "Ich hab ein Tier gesehen, das ausgesehen hat wie ein Luchs." Aber als Nachweis gelten nur Bilder oder genetische Spuren. Potenziell ist der Steinwald nach Einschätzung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) aber ein Lebensraum für beide Arten.

Um Hinweise auf die scheuen Wildtiere zu bekommen, ruft der Arbeitskreis Luchs Nordbayern die Besucher der Naturparks Fichtelgebirge und Steinwald auf, nach Luchs- oder Wolfsspuren Ausschau zu halten. Organisierte Abspüraktionen sollten eigentlich an jedem zweiten Wochenende im Winter stattfinden, doch bislang mangelte es an Neuschnee, auf dem Spuren zuverlässig zu erkennen sind. "Das war ja früher eine ganz andere Geschichte. Da haben wir ein halbes Jahr von Mai bis Oktober gesammelt", klagt Siegfried Hösch vom Arbeitskreis Luchs. Die Jahrestagung zu dem Arbeitskreis tagt am 26. Februar in Friedenfels.

Menschenscheue Raritäten


Ein stabiles Ökosystem mit vielen Wildtieren ist eine wunderbare Vorstellung. Doch können sie auch zur Bedrohung für den Menschen werden? Ledermüller hält das für unwahrscheinlich. Beide Tierarten seien gegenüber Menschen scheu, wenn sie gesund sind. "Luchs und Wolf gehören von Natur aus in unser Ökosystem. Die Frage ist: Dürfen wir es entscheiden, ob sie hier leben können?"

Steinwald und Fichtelgebirge sind der Stachus der Artenvielfalt.Ronald Ledermüller, Geschäftsführer Naturpark Fichtelgebirge


Spuren von Luchs und WolfLuchs- oder wolfverdächtige Spuren sollten fotografiert, die Länge und Breite des Trittsiegels sowie Schrittabstand und das gesamte Spurbild notiert werden. Ansprechpartner sind Siegfried Hösch, Telefon 09283/9444 oder 0170/4835389, Peter Lang, Telefon 09283/1593 oder 0160/5501275, oder Ronald Ledermüller, Telefon 09232/80482 oder 0179/4880457, auch unter naturpark@landkreis-wunsiedel.de. Der Naturpark ist auch für jeden Hinweis in der schneefreien Zeit dankbar.
Der Arbeitskreises Luchs Nordbayern lädt zur Jahrestagung am Freitag, 26. Februar, um 19 Uhr in der Schlossschänke in Friedenfels. Professor Hansjörg Küster von der Universität Hannover stellt die Frage, wie der Wald ohne Mensch aussehen würde. Infos zu Luchs und Wolf geben Manfred Wölfl und Rebecca Oechslein, vom Landesamt für Umwelt.
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