Wos Guads aus Andorf
"Erbendorfer Mundartlexikon" beliebt bis in die USA

Spruch Nummer 54 aus dem Erbendorfer Mundartlexikon. In einem Video auf seiner Webseite zitiert Stefan Eber eine Weisheit zum "schnellen Beenden einer festgefahrenen Debatte". Screenshots: www.mundart-lexikon.de
Kultur
Erbendorf
02.02.2016
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Das Titelbild des Erbendorfer Mundartlexikons, eine Webseite für alle, die Erbendorf in der Fremde vermissen und sich für Dialekte interessieren.

Erbendorf ist berühmt, zumindest im Internet. Bis aus den USA besuchen Gebürtige und Auswärtige das Erbendorfer Mundart-Lexikon von Stefan Eber. Dort sammelt er Wörter, Sprüche und vergessene Perlen in Mundart. Und die Seite wächst ständig weiter.

Sein Vater Rudolf Eber hatte bereits alte, vergessene Wörter gesammelt wie "Wonghülserl" für Hagebutte oder "nissern" für nörgeln. Vor dreißig Jahren zeigte der Erbendorfer dem Sohn zum ersten Mal seine Sammlung. "Da dacht ich: Da muss man mehr draus machen."

2002 hatte er mit dem Internet das geeignete Werkzeug. Da begann der nun 52-jährige Informatiker eine Webseite zu bauen, das Erbendorfer Mundartlexikon. Aktuell hat er 2177 Wörter gesammelt, die er alle vertont hat, darin bekannte Ausdrücke wie "ëizamal" für neulich oder "oaschlings" für rückwärts. Auch 174 Mundart-Sprüche beinhaltet die Seite sowie Gedichte und Rezepte. Manche Sprüche gibt es sogar auf Video. Das ist besonders amüsant, wenn Stefan Eber mit ernster Miene im wunderbarsten Dialekt in die Kamera spricht: "Wenn d'Wuaschd sua dick wëi's Broud is, dann is wuaschd wëi dick as Broud is." Letztes Jahr hat er auch noch alle Wörter mit Lautschrift versehen, die er auf den Nordoberpfälzer Dialekt abgestimmt hat.

Doch beendet ist das Projekt bei weitem nicht. "Das Lexikon ist immer noch am Wachsen." Das Wörterbuch ist nicht die einzige Hobby-Internetseite des Informatikers. "Doch es ist die erfolgreichste überhaupt." Durchschnittlich hat er 50 bis 100 Klicks am Tag. Allein im Januar waren es knapp 1500 Treffer. Viele Stunden hat er investiert in seiner Freizeit, oder wie es in einem seiner gesammelten Sprüche heißt: "Sölwa gmachd in schdaader Nachd, blous da liebe Godd houd gwachd."

Wenn d'Wuaschd sua dick wëi's Broud is, dann is wuaschd wëi dick as Broud is.Weiser Wortwitz aus dem Erbendorfer Mundartlexikon

Das Erbendorfer Mundartlexikon lebt durch die Beiträge vieler. Seit Jahren bekommt Eber beständig Wörter zugesandt von etwa fünfzig Mitstreitern. Sogar aus Texas wurden schon Beiträge geschickt. Ruth Kloss, die mittlerweile in Wernberg wohnt, hat am meisten beigesteuert. "Sie hat mir ganz viele Mundart-Sprüche und Wörter geschickt." Die Seite wächst und gedeiht. Der Vater, der ihm die Inspiration zu dem Projekt gab, starb 2004. "Das Internetprojekt ist als Denkmal für seine Arbeit gedacht."

Die 74-jährige Mutter Christel Eber ist seine wichtigste Referenz. Wenn er wissen will, wie ein Ausdruck im Erbendorfer Dialekt ausgesprochen wird, fragt er sie, die immer in der Steinwaldstadt gelebt hat.

Karibik und Karlsruhe


Dort ist die Seite bestens bekannt, "Ich kenne ganz viele, die da reinschauen." Wenn Eber, der seit 1994 in Regensburg wohnt, an den Feiertagen auf Heimatbesuch ist, sprechen ihn viele darauf an. Auch das Gästebuch auf der Lexikonseite ist voll von Lob, von "Exilanten" aus München bis hin zu Erbendorf-Liebhabern aus den USA und der Karibik. Wilelm Burger aus Maryland/USA schreibt in gebrochenem Deutsch: "Obwohl ich seit 1961 von der Heimatstadt Erbendorf weg bin und auch mein deutsch immer schlimmer wird, freut es mich den Erbendorfer Mundart Lexicon zu lesen. Es bringt immer so schone Erinnerungen." Heinz Schreiber aus Karlsruhe bringt es auf den Punkt: "Is des schëi, wemma unsare Mundart in der Fremdn lesn kann."

Sprache verändert sich automatisch. Und wenn sie sich verändert, hat das einen Grund.Stefan Eber, Schöpfer des Mundart-Lexikons

Sprache verändert sich


Doch obwohl Eber die alten Wörter sammelt, ist er weit entfernt von jeglicher Heimattümelei. "Die jungen Leit wollen des nimmer sprechen." Und das müsse man auch nicht erzwingen. Er geht eher wissenschaftlich vor, er dokumentiert, will aber nichts bewahren. "Sprache verändert sich automatisch. Und wenn sie sich verändert, hat das einen Grund."

Und schon ein neues Projekt schwebt dem Informatiker vor. Er will sich in Erbendorf mit Leuten treffen und weitere Sprüche auf Video aufzuzeichnen. "Ich sehe das als echte Bereicherung, wenn die Sprüche von verschiedenen Erbendorfer 'Native Speakern' gesprochen würden und nicht nur von mir selbst." Das hätte auf jeden Fall Unterhaltungswert, wenn auch Frauen und Kinder im besten Erbendorfer Dialekt Sätze preis geben wie: "Aas is und goar is und schood is, dass woar is."
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