Zwischen Sphinx und Rotwild
Den Steinwald kompakt erkunden

Vom "Saubadfelsen" aus erschließen sich dem Wanderer tolle Panoramablicke, die weit über den Steinwald hinausgehen. Bilder: Stiegler (4)
Kultur
Erbendorf
01.07.2016
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Auf diesem Steg geht es hinein ins Moor.
 
Ein besonderer Anziehungspunkt ist das Rotwildgehege in der Nähe der Gaststätte "Waldhaus".

Natur und Geschichte verknüpfen sich im Steinwald zu einer Einheit: Wer dem Waldhistorischen Lehrpfad folgt, dem zeigt sich das Leben, wie es im Steinwald früher war und heute ist. Und so nebenbei erfährt der Wanderer auch noch, dass am "Saubadfelsen" keinesfalls Schweine ins Wasser hüpfen.

Der Steinwald hat, wie der Name schon sagt, reichlich davon: Stein und Wald. Einen kleinen Teil davon kann der Wanderer auf dem etwa fünfeinhalb Kilometer langen Waldhistorischen Lehrpfad erkunden. Los geht es am "Steinwald-Portal" in Pfaben bei Erbendorf (Landkreis Tirschenreuth) - Portal deswegen, weil von dieser Stelle aus mehrere Wanderwege in den Steinwald starten.

Der Waldlehrpfad ist zwar nur mäßig steil, doch er führt zumindest in der ersten Hälfte über "Stock und Stein", so dass festes Schuhwerk dringend empfohlen wird. Schließlich soll ja auch eine Trittsicherheit gewährleistet sein, wenn man den Saubadfelsen erklimmt und von dort aus einen einzigartigen Panoramablick genießen will. Für Kinderwagen und Rollstühle sowie für ganz kleine Kinder, die noch etwas "wackelig" auf den Beinen sind, ist der Weg nicht geeignet. Für den Wanderer ist auf alle Fälle jede Menge geboten auf der Strecke mit anschaulichen Informationstafeln und sagenhaften Natur-Höhepunkten. Besonders die einmalig bizarren Felsformationen, ein Abstecher ins Moor und ein Besuch bei den Rothirschen machen den Besuch zum Vergnügen.

Blaue Hinweisschilder


Der Pfad startet oberhalb des Parkplatzes in Pfaben und führt mit insgesamt elf Stationen über das "Waldhaus" zurück zum Parkplatz. Der Weg ist mit unübersehbaren blauen Hinweisschildern markiert. An den jeweiligen Stationen findet der Wanderer informationsreiche Schautafeln zu unterschiedlichen Themen.

Schon wenige Minuten nach dem Start wird der Zipfeltannenfelsen erreicht - eine beeindruckende Formation mit schroffen Granitverwitterungsformen. Wer davor steht und genau hinschaut, der merkt auch schnell, warum von der "Steinwald-Sphinx" die Rede ist. Die Wegstrecke führt mit Ausnahme einiger weniger Lichtungen durchs Waldgebiet, so dass auch bei höheren Temperaturen der Pfad angenehm im Schatten zurückzulegen ist.

Immer wieder laden die informativen Tafeln an den entsprechenden Orten dazu ein, den Steinwald nicht nur zu sehen, sondern auch Wissenswertes mit nach Hause zu nehmen: So wird erläutert, dass der Steinwald reich an Wasser und Quellen ist. Die zahlreichen Bäche trieben im Mittelalter viele Mühlen, Hammerwerke und Glasschleifen an und waren so ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Dem aufmerksamen Wanderer begegnen immer wieder Spuren der Vergangenheit, die auf das Leben und das Arbeiten der Vorfahren hinweisen: Seien es alte Wegeverbindungen, die sich an den Steinwaldhängen teilweise tief in das Gelände eingegraben haben oder die Spuren der Steinhauer, die Granitblöcke in mühsamer Arbeit spalteten und zerkleinerten.

Wer ein Auge dafür hat, dem entgehen auch nicht die kreisrunden, ebenen Flächen von etwa 10 Metern Durchmesser, die immer wieder im Gelände anzutreffen sind: An diesen Stellen wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Köhlerei ausgeübt, das uralte Handwerk, bei dem Holz zu Holzkohle verarbeitet wurde. Informationen gibt es auch zu den Themen der Forstgesetzgebung, der Arbeit im Wald im Wandel der Zeit oder den unterschiedlichen Arten der Waldbewirtschaftung.

Ein Höhepunkt des Rundweges ist der "Saubadfelsen", der über eine Metallleiter nicht nur erklommen werden kann, sondern unbedingt muss! Alleine dafür lohnt sich bereits die Wanderung. Tief hineinblicken lässt sich in die umgebende Region, bei klarer Sicht zig Kilometer weit. Und auch der ungeheure Stein- und Waldreichtum wird erneut vor Augen geführt. Wenig später erreicht der Wanderer über einen Steg auch schon das sogenannte "Palmloh-Moor" - einen außergewöhnlichen und seltenen Lebensraum. Besonders in den niederschlagsreichen Hochlagen des Steinwaldes schaffte die Verwitterung von Granit zu Kaolin und Ton die grundlegende Voraussetzung für die Entstehung der "Lohen", wie man die Moore hier früher nannte.

Reicher Tierbestand


Direkt daneben befindet sich die Wandergaststätte "Waldhaus", die von Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen zur Rast einlädt. Von dort aus wird schließlich auch der Rückweg eingeläutet, der an einem Rotwildgehege mit reichem Tierbestand vorbeiführt und schließlich in einem Forstweg mündet, der den Wanderer bequem wieder zum Ausgangspunkt zurückführt. Insgesamt ist die Strecke ohne Rast - je nach Gehgeschwindigkeit - in gut zwei Stunden zu schaffen. Die ausgiebige Rast am Waldhaus, ein Spielplatzbesuch oder eine Erweiterung der Wanderung in Richtung Oberpfalzturm und Burgruine Weißenstein kann aus dem Kurztrip aber auch einen ganzen Tag im Steinwald machen - der sich auf alle Fälle lohnt.



Tipps zur RouteAnfahrt

Es empfiehlt sich eine Anfahrt mit dem Auto. Wer aus Richtung Süden/Osten kommt, verlässt die Autobahn A 93 bei der Abfahrt Falkenberg/Erbendorf und folgt der Bundesstraße B 299 Richtung Erbendorf. Die Kommune dann durchfahren und etwa einen Kilometer nach Ortsende rechts abbiegen in Richtung Pfaben. Dort bis zum Wanderparkplatz durchfahren. Aus Richtung Amberg die B 299 nicht verlassen und durch den Hessenreuther Wald nach Erbendorf fahren. In der Ortsmitte den Stadtberg nach links hinunterfahren, anschließend weiter wie oben.

Hintergrund

Der Lehrpfad wurde gestaltet und umgesetzt durch den Forstbetrieb Waldsassen (Bayerische Staatsforsten). Das Rotwildgehege wird betreut durch den Naturpark Steinwald e.V.

Gastronomie

Die Wandergaststätte "Waldhaus" (geöffnet im Sommer Freitag von 13 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag von 10 bis 18 Uhr) wurde 2014 saniert von der Stadt Erbendorf - in Kooperation mit der Steinwald-Allianz. Im Waldhaus werden auch Ausstellungen gezeigt von den Bayerischen Staatsforsten, dem Naturpark Steinwald sowie dem Geopark Bayern Böhmen. Weitere Einkehrmöglichkeiten bieten sich unterhalb des Wanderparkplatzes im "Steinwaldhaus" (geöffnet täglich 7 Uhr bis 22.30 Uhr) beziehungsweise einige Meter weiter westlich im "Zoigl am Räuberfelsen" (geöffnet jeweils am 1. Wochenende im Monat von Freitag bis Montag).
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