Agrarforum mit Irene Faulhaber: Liquidität laufend prüfen
Nicht blind investieren

Die Vorstände Joachim Geyer (rechts) sowie Robert Haubner und Landwirtschaftsbetreuer Christoph Heinl dankten Irene Faulhaber (von links) mit einem Präsent für den Vortrag. Bild: mez
Lokales
Erbendorf
04.03.2015
26
0
Nicht kleckern, sondern klotzen: Irene Faulhaber hält das für den falschen Weg. Beim vierten Agrarforum der Raiffeisenbank Kemnather Land - Steinwald eG (wir berichteten) riet die Referentin von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bei Freising den Zuhörern, vorausschauend und nicht zu großzügig in einen landwirtschaftlichen Betrieb zu investieren.

Nach der Begrüßung durch den Landwirtschaftsbetreuer des Genossenschaft, Christoph Heinl, im voll besetzten großen Saal der Raiffeisenbank erinnerte Faulhaber an Schlagzeilen in landwirtschaftlichen Fachblättern. Darin werde vor einem um sechs bis zehn Cent geringeren Milchpreis in diesem Jahr sowie vor rückläufigen Erzeugerpreisen im Handel mit Schlachtrindern und Schweinen gewarnt. Die Stimmung bei den Landwirten habe sich laut einer Umfrage in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt.

Schwankende Preise

Solche Entwicklungen trafen laut der Rednerin nach erfreulichen einkommensstarken Jahren in der Vergangenheit vor allem Betriebe, die zu großzügig investiert hätten und nun mit Eigenkapitalverlusten und Liquiditätsproblemen zu rechnen haben. Mit mehreren Schaubildern unterstrich sie dabei ihre Aussagen. Die zunehmend schwankenden Preise stellten eine besondere Herausforderung an die Finanz- und Liquiditätsplanung der Betriebe dar.

Faulhaber erinnerte an die globale Angebots- und Nachfrageentwicklung sowie steigende Exportquoten und die damit verbundenen Einflüsse der Handelspolitik. Aber auch ein immer strengeres Seuchen-Hygienerecht sowie die Wechselkursentwicklungen der einzelnen Währungen wirkten sich zunehmend auf die Erzeugerpreise aus.

Die EU-Agrarpolitik ziehe sich aus preisstabilisierenden Maßnahmen zurück. Betriebe reagierten darauf mit Spezialisierung und Größenwachstum im landwirtschaftlichen, aber auch gewerblichen Bereich, beispielsweise bei Biogas. Damit gehe eine zunehmend steigende Kapitalintensität einher. In den vergangenen 20 Jahren habe sich der Kapitaleinsatz je Erwerbstätigen im land- und forstwirtschaftlichen Bereich mehr als verdoppelt, zeigte Faulhaber auf. Ein höherer Anteil an Fremdkapital, Pachtflächen und Lohnarbeitskräften in den Betrieben sei die Folge gewesen. Eine vorausschauende Liquiditätsplanung sei deswegen immer wichtiger geworden.

Aufgaben der Liquiditätssteuerung, die vor allem auch die Genossenschaftsbanken verstärkt anbieten, seien die Ermittlung und Gegenüberstellung der Ein- und Auszahlungsströme, deren sinnvolle Koordinierung, Feststellung von etwaigen Finanzierungslücken oder Überschüssen sowie deren sinnvolle Verwendung. Die Rednerin warnte daher davor, Gelder für Investitionen, Abfindungen oder die eigene Altersvorsorge in spekulative Anlagen zu stecken.

Reserven bilden

Mittels mehrerer Beispielrechnungen wurde deutlich, dass größere Betriebe oftmals über eine höhere kurzfristige Kapitaldienstreserve verfügen. Dennoch riet die Rednerin auch ihnen zu einer laufenden Analyse und Kontrolle der Liquiditätsplanung sowie zur Bildung von Reserven für unerwartete Ereignisse. "Suchen Sie rechtzeitig das Gespräch zu ihrer Bank,und zwar nicht erst, wenn es zu Liquiditätsengpässen kommt." In der Diskussion wollte der Leiter des Tirschenreuther Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Wolfgang Wenisch, wissen, ob die Referentin ein betriebliches Wachstum eher über die Fläche oder über die Tierhaltung empfiehlt.

Sie riet zu einem ausgewogenen Mix, wobei für bauliche Betriebserweiterungen auch landwirtschaftliche Flächen einmal verkauft werden sollten, um ein geeignetes Maß an Eigenkapital stellen zu können. Faulhaber warnte davor, landwirtschaftliche Flächen blind zu kaufen und die geplante Ausrichtung und Finanzierung des Gesamtbetriebes dabei aus dem Auge zu verlieren.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.