"Die Welt im Auge behalten"

Lokales
Erbendorf
24.04.2015
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"Wenn eine Kolpingsfamilie auch noch so klein ist, soll sie Menschen einladen, Bildung machen und die Gesellschaft prägen gegen die Nöte der Zeit und gegen soziale Erosion." Das sagte Diözesanpräses Stefan Wissel in der Erbendorfer Stadthalle. Wortgewaltig zog er das Publikum in den Bann.

Gleich zu Beginns des Vortrags zum 100-jährigen Bestehen sprach der Redner die Pressefreiheit an. "Was heute fehlt sind beißende Worte und Leserbriefe von Christen, die die christlichen Werte in Schutz nehmen." Er rief dazu auf, "in den Wunden der Gesellschaft herumzustochern." Denn seiner Meinung nach ziehe die Presse die Christen ins Lächerliche. "In Kolpingsfamilien sind Menschen, die die christlichen Werte leben, und es ist deshalb wichtig, daran zu erinnern."

"Geld gehörte ursprünglich zum Wohlstand", stellte Wissel fest. "Heute sind die Menschen die Sklaven des Geldes." Dies machte er an der Armutsquote von 18 Prozent alleine in Deutschland fest. Die Kirche betreibe unter anderem Kindergärten und Schulen, damit die Gemeinschaft zusammenhalte. "Denn wo die Kirche tätig ist, liegt die Armutsquote bei 13 Prozent, wo sie nicht dabei ist, fällt sie ins Bodenlose."

Keine Angst vor Chlorhuhn

Es sei eine kaputte Gesellschaft, stellte der Diözesanpräses fest. In Bochum seien noch 23 Prozent Christen. In Berlin sei das Christentum kaum mehr präsent. "Dort sind auch rund 56 Prozent der 14 bis 18-jährigen Hilfeempfänger vom Staat." "Hinsehen, was uns die Presse verkauft - aber genau hinsehen." Mit diesen Worten führte Wissel das Thema Chlorhühner als Beispiel an, das in Deutschland Angst mache. Wie er weiter ausführte, werde bei uns Gemüse mit Chlorwasser gewaschen. "Die Amerikaner haben nur Chlorhühner, weil sie keine Antibiotika einsetzen dürfen."

"Seid gut informiert, sagt Kolping, den die Nöte der Zeit werden euch lehren, was zu tun ist", rief der Diözesanpräses in den Saal. "Politisch können wir etwas bewegen." Denn ein guter Christ sei auch immer ein guter Staatsbürger. Zum Thema Freiheit zitierte Diözesanpräses Wissel Paulus. "Nach ihm ist Freiheit einfach nach den Geboten zu leben." Er prangerte an, dass die Menschen, anstatt sie am Leben zu erhalten, ausgesaugt würden. Schuld daran sei das maximale Gewinnstreben, wie es heute in Bankensektor zu erleben ist. "Friedrich Raiffeisen würde sich im Grabe umdrehen, wenn er das wüsste, denn das Geld ist für den Wohlstand aller Menschen da."

Frage der Gerechtigkeit

Den Zuhörern stellte der Wissel die Frage der Gerechtigkeit. "Was ist gerecht: Wenn ein Schwarzafrikaner für einen Stundenlohn von 40 Cent arbeitet oder einer bei uns mit dem Mindestlohn?" In einer globalen Wirtschaft müsse versucht werden, die Eine Welt zu teilen. "Heute sind rund 800 Millionen Menschen vom Hunger bedroht, und weitere 1,3 Milliarden fallen unter den Begriff 'stiller Hunger. " Selbst Papst Franziskus sage, diese Wirtschaft bringe die Menschen um.

""Wenn der Hunger einmal Beine bekommt, könnt ihr die Mauer nicht hoch genug bauen." Mit diesem Zitat ging Diözesanpräses Wissel auf die Flüchtlingsproblematik auf dem Balkan und im Mittelmeerraum ein. "Wir müssen die Welt im Auge behalten und deshalb sind politische Bildungsveranstaltungen außerordentlich wichtig, damit wir die Realität erkennen."
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