Ehrfurcht vor alten Bäumen

Alte Bäume, die nicht gefällt werden dürfen und bis an ihr natürliches Lebensende Tieren und Pflanzen als Quartier dienen sollen, werden mit einer "grünen Welle" gekennzeichnet. Bild: hfz
Lokales
Erbendorf
01.06.2015
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Der schönen Natur auf der Spur waren 40 ökologisch interessierte Wanderer im Hessenreuther Wald. Auch die Sonne ließ sich blicken.

Die Naturfreunde wurden begleitet vom Chef des Forstbetriebs Schnaittenbach, Reinhard Lenz, Revierförster Hans Frisch und Forstanwärterin Franziska Schmid. Es gab zum Thema "Waldnaturschutz" facettenreiche Informationen. Zu der Veranstaltung eingeladen hatten der "Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern - Unser Hessenreuther Wald" und der Forstbetrieb Schnaittenbach.

Gleich zu Beginn erklärte Reinhard Lenz, dass bei den Bayerischen Staatsforsten eine verantwortliche Waldwirtschaft viel mehr als nur die Nutzung von Holz beinhaltet. Auch der Schutz und die Förderung von Tieren, Pflanzen und deren Lebensräume habe eine große Bedeutung bei der täglichen Waldbewirtschaftung. Der Forstbetrieb Schnaittenbach gebe hierfür pro Jahr rund 120 000 Euro aus.

Am Beispiel einer 150-jährigen, knorrigen Eiche verdeutlichte Revierförster Hans Frisch den unschätzbaren Wert eines alten Baumes: Zirka 400 oftmals sehr seltene Käfer-und Insektenarten würden von der Eiche profitieren und in ihrer Krone, auf den morschen Ästen und in der anbrüchiger Rinde geeignete Lebens- und Bruträume finden.

Viele Vogel- und Fledermausarten haben ihr Quartier in den kleineren und größeren Höhlen eines alten Baumes. Diese Biotop-Bäume sind mit einer grünen Welle gekennzeichnet und dürfen nicht gefällt werden. "Ich empfinde Ehrfurcht vor alten Bäumen", so der Förster.

Forstanwärterin Franziska Schmid informierte die Wanderer an einem künstlich angelegten Feuchtbiotop über die große Bedeutung stehender und fließender Kleinstgewässer für den Waldnaturschutz im Hessenreuther Wald: Neben Berg-, Kamm- und Teichmolch würden der Feuersalamander und eine Reihe anderer Amphibien davon profitieren. Auch Schwarzstorch und Fischadler finden dank der konsequenten Anlage kleinerer Gewässer seit vielen Jahren optimale Nahrungsräume in dem großen Waldgebiet. An einer kleinen Sandgrube, die im Laufe der Jahre von Pflanzen und Tieren wiederbesiedelt wird, verdeutlichte der Forstbetriebsleiter die ungeheuer große Dynamik im Wald: "Die Natur kennt keinen Stillstand" so Reinhard Lenz.

Sie verändert und entwickelt sich ständig weiter. Man könne daher nicht gegen die die Natur sondern nur mit ihr arbeiten. Dies würde sich auch in dem Naturschutzkonzept des Forstbetriebes ausdrücken: Es werde ein "gelebter Naturschutz" praktiziert, an dem jeder Beschäftigte verantwortlich mitarbeiten und ständig geschult werden würde.

Zur Köhlerhütte

Auf der weiteren Wanderung erfuhren die Teilnehmer noch viel Wissenswertes. Ihren Abschluss fand die Tour an der idyllisch gelegenen Köhlerhütte bei Kaffee und Kuchen, zu dem der Forstbetrieb Schnaittenbach eingeladen hatte.
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