Einst unter Böhmens Krone

Die jahrhundertealten Beziehungen zwischen Erbendorf und Böhmen sind Thema einer Ausstellung im Erbendorfer Rathaus. Bei der Eröffnung wies Bürgermeister Hans Donko (Vierter von rechts) darauf hin, dass die Präsentation auch in der Schulpartnergemeinde Bezdrucice gezeigt wird. Bild: njn
Lokales
Erbendorf
24.09.2014
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Erbendorf und Böhmen haben eine lange gemeinsame Geschichte. Was der Eiserne Vorhang jäh trennte, wächst nun wieder zusammen. Eine Ausstellung im Rathaus erinnert an die historischen Beziehungen.

Unter dem Titel "Heimat Erbendorf - Heimat Böhmen" eröffnete Bürgermeister Hans Donko eine Ausstellung über die geschichtlichen Beziehungen der Stadt Erbendorf mit Böhmen im Sitzungssaal des Rathauses. Das Projekt wurde mit Mitteln des gemeinsamen Dispositionsfonds der Euregio Egrensis und EU-Mitteln mitfinanziert. Interessierte können die Ausstellung bis zum 2. Oktober besuchen.

Musikalisch eröffnete der Zitherclub Erbendorf die Präsentation, zu der Bürgermeister Hans Donko eine Reihe von Gästen begrüßte. So unter anderem Kreisheimatpfleger Robert Schön, Vertreter des Stadtrats, Rektor Peter Preisinger und Konrektor Albert Kraus von der Grund- und Mittelschule sowie Pfarrer Martin Besold.

Bürgermeister Donko hob die jahrhundertelangen gewachsenen Verbindungen von und nach Böhmen hervor, die durch den Eisernen Vorhang von 1945 bis 1989 ein jähes Ende fanden. "Die Regionen finden aber wieder zusammen", stellte er fest. So bestehen Partnerschaften auf Kommunal- und Vereinsebene.

Als Beispiel nannte er den Zweckverband Steinwald-Allianz, dem 16 Mitgliedskommunen angehören, der mit der Mikroregion Konstantinsbad in Tschechien seit Jahren eine Partnerschaft pflege. Die örtliche Grundschule habe Schulpartnerschaften mit Bezdrucice und Marienbad.

Der Bürgermeister sprach Jochen Neumann seinen Dank für die Zusammenstellung der geschichtlichen Fakten dieser Ausstellung aus. "Interessant nicht für die Bürger, sondern vor allem auch für Schüler und Jugendliche." Denn nach seiner Meinung könne man aus der Vergangenheit lernen.

Donko dankte der Euregio Egrensis, über die dieses Projekt aus EU-Mitteln mitfinanziert werde. Er machte deutlich, dass diese Ausstellung letztlich auch grenzübergreifend sei. Denn nach Präsentationsende werde diese beim tschechischen Partner in Bezdrucie ebenfalls gezeigt. Sprachliche Probleme werde es dabei nicht geben, denn die Schautafeln seien in deutscher und tschechischer Sprache verfasst.

Jochen Neumann ging inhaltlich auf die Ausstellung ein. So beschreibe sie unter anderem die jahrhundertelang bestandenen Ratsbeziehungen zwischen Erbendorf und Eger sowie die wirtschaftlichen Kontakte bis 1945. "Aufgrund des blühenden Bergbaus in Erbendorf hatten Könige und Kaiser Interesse an unserer Stadt", stellte er fest. Dies kam soweit, dass unter Kaiser Karl IV. in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts Erbendorf, wie viele andere Städte und Märkte in der Oberpfalz, zur Krone Böhmen kam und sich in "Neuböhmen" wiederfand.

Neumann zeigte auf, warum gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Böhmen nach Bayern auswanderten. So siedelten sich in dieser Zeit gleich drei jüdische Familien in Erbendorf an. "Die Namen Weiß, Hauschild und Köppl sind hier heute noch ein Begriff." Sie bereicherten durch ihre unternehmerischen Tätigkeiten das wirtschaftliche Leben der Stadt, was der Nationalsozialismus abrupt beendete.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Rathauses bis 2. Oktober im Sitzungssaal zu sehen.
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