Friedens-Nägel

Lokales
Erbendorf
07.11.2015
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Vor 100 Jahren, im Kriegsjahr 1915, stiftete der Christliche Mütterverein ein Kriegswahrzeichen, um Kriegswitwen und Angehörige zu unterstützen. Über Jahrzehnte war dieser gut zwei Meter hohe Leuchter mit eingeschlagenen Nägeln im Kirchturm verschwunden.

Vor ein paar Jahren wurde er dem Heimat- und Bergbaumuseum übergeben, wo er jetzt im Foyer des Museums zu sehen ist. "Für die Angehörigen und Hinterbliebenen im Ersten Weltkrieg begann eine Zeit, nicht nur über den Tod hinweg, sondern auch finanziell über die Runden zu kommen", weiß Museumsleiter Manfred Klöble. Zwar war vor allem für Witwen eine gesetzliche Versorgung gesichert, die aber eher spärlich ausfiel. Die Hinterbliebenen durch Sammlungen zu unterstützen, dafür setzten sich zahlreiche Organisationen ein. Aus Österreich-Ungarn kam der Gedanke, in Stadt und Land Wahrzeichen zu schaffen, in denen gegen eine Spende jeder einen Nagel einschlagen konnte.

"Das bayerische königliche Staatsministerium des Innern griff diese Idee auf und richtete am 1. September 1915 einen Erlass an die Regierungen, die Bezirksämter und Gemeindebehörden und zeigte den Weg auf, wie in den sogenannten Nagelung der Kriegswahrzeichen der Sammel- und Fürsorgezweck mit volkstümlich guter Kunst vereinigt werden konnte", sagte Klöble.

Wie er weiter ausführte, war das Ziel der Entschließung vor allem die Unterstützung von Witwen der im Krieg Gefallenen. "In Erbendorf stieß dieses Ansinnen nicht auf taube Ohren", stellte der Museumsleiter fest. Der Christliche Mütterverein, Vorläufer des noch heute bestehenden Katholischen Frauen- und Müttervereins, stiftete ein Kriegswahrzeichen in Form eines gut zwei Meter hohen Leuchters. "Sein Corpus besteht aus Holz, auf der zentral in einer Messingplatte der Stifter eingraviert ist. Eiserne Beschläge zieren die Krone mit dem Kerzenhalter."

Der Christliche Mütterverein ließ in einem festlichen Akt am 8. Dezember 1915 dieses Kriegswahrzeichen im Herrmann-Saale in der Pfarrgasse benageln. Mit dabei war auch der katholische Stadtpfarrer Franz Xaver Fleischmann, der zugleich auch Präses des Christlichen Müttervereins war. "In einer patriotischen Ansprache", wie der Chronist Joseph Höser schreibt, beleuchtete er den Zweck des Kriegswahrzeichens und forderte Vereinsmitglieder und Gäste zur Benagelung auf.

Stadtpfarrer Fleischmann legte ein Namensverzeichnis aller Nagler an, worin die geopferten Geldbeträge eingeschrieben sind. Im Festsaal folgten Hammerschlag auf Hammerschlag, so dass die 50 versilberten Nägel bald vergriffen waren. Zur Verfügung standen auch eiserne Nägel, die in zwei Sorten zu haben waren. Kinder konnten mit erhabener, Erwachsene jene mit glatter Kappe nageln. Ein versilberter Nagel kostete 50 Pfennig, die eisernen das Stück 30 Pfennig.

Da das Kriegswahrzeichen noch viel Platz für Nägel bot, war der "Kriegsleuchter", wie er auch bezeichnet wurde, bei allen gesellschaftlichen Unternehmungen der katholischen Vereine dabei. "Das benagelte Kriegswahrzeichen wanderte in den Kirchturm und rettete sich so über die letzten 100 Jahre", so Manfred Klöble. Bei der Turmrenovierung vor wenigen Jahren wurde es wiederentdeckt und restauriert. Heute steht es im Eingangsbereich des Heimat- und Bergbaumuseums.

Gelegenheit, das Kriegswahrzeichen aus nächster Nähe zu betrachten, besteht am morgigen Martini-Sonntag, 8. November. Dann ist das gesamte Heimat- und Bergbaumuseum von 14 bis 16 Uhr geöffnet.
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