Frühere Feinde nun Freunde

Der evangelische Pfarrer Dirk Grafe aus Wirbenz predigte beim ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche in Erbendorf. Im Hintergrund Pfarrer Martin Besold. Bild: njn
Lokales
Erbendorf
22.01.2015
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Ökumene ist Christen wichtig. Doch Einheit im Glauben gab es nicht immer. Deutlich machte dies beim gemeinsamen Gottesdienst Pfarrer Dirk Grafe.

"Wenn man in die Kirchengeschichte der Konfessionen in unserer Heimat blickt, sind aus Feinden Freunde geworden. Der Glaube trennt nicht mehr, sondern macht es uns zur gemeinsamen Aufgabe, das Wasser des Lebens weiterzugeben." Das sagte der evangelische Pfarrer Dirk Grafe beim Ökumenischen Gottesdienst für die Einheit der Christen in der katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

Ehrliche Herzlichkeit

Pfarrer Martin Besold hieß zahlreiche Gläubige aus beiden Konfessionen zum Gottesdienst willkommen. Besonders freute er sich über den Mitzelebranten Pfarrer Dirk Grafe aus Wirbenz, der Vertreter der derzeit vakanten evangelischen Kirchengemeinde ist. Grafe erklärte, die Gebetswoche habe heuer eine ökumenische Arbeitsgruppe in Brasilien vorbereitet. Traditionell charakterisiere eine ehrliche Herzlichkeit die Beziehungen zwischen den Menschen, sozialen Klassen und ethnischen Gruppen. "Gegenwärtig erlebt Brasilien aber eine Zeit wachsender Intoleranz", bedauerte der Pfarrer. Offene Gewalt richte sich besonders gegen Minderheiten und Schwache.

Zunehmend Intoleranz

Aber auch unter christlichen Gruppen und den Kirchen zeige sich zunehmend Intoleranz. "Es gibt eine religiöse Konkurrenz, die sich auf alle christlichen Konfessionen auswirkt." Die Folge sei, dass sich die christlichen Gruppen von einer wesentlichen Aufgabe der christlichen Kirche distanzieren, die sichtbare Einheit zu suchen und zu gestalten.

Grafe stellte in seiner Predigt fest, dass auch in der Geschichte von Katholiken und Evangelischen oft Mauern aufgebaut wurden. So komme es nicht von ungefähr, dass in der nördlichen Oberpfalz ein Ort überwiegend katholisch, der andere mehr evangelisch ist. Im Hinblick auf die Worte Jesu "Ich bin das Wasser des Lebens" stellte der Pfarrer fest, dass beide Konfessionen ihr eigenes Wasser geschöpft hätten. "Doch es ist egal, wer das Wasser schöpft", stellte Grafe fest. "Es ist immer das gleiche Wasser und die gleiche Quelle." Beide Konfessionen und auch die Orthodoxen schöpften aus einer Quelle, nämlich Jesus Christus. "Zwischen unseren Konfessionen ist nicht alles einfach. Aber wir haben die Mauern eingebrochen und wissen, was uns verbindet: Der eine Glaube an den dreieinigen Gott", stellte Grafe fest. "Wir müssen für den Glauben eintreten und Liebe, Barmherzigkeit, Toleranz und Offenheit leben." Passend zum ökumenischen Gottesdienst sprach ein konfessionsverschiedenes Ehepaar das Bekenntnis und die Fürbitten.

Gemeinsam spendeten Pfarrer Besold und Pfarrer Grafe zum Ende der Feier den Segen. Im Anschluss lud Pfarrer Martin Besold zu einem Beisammensein in das Faustinusstüberl ein.
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