Für ein Testament nie zu jung

Lokales
Erbendorf
20.01.2015
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Das Thema geht jeden an, aber viele verdrängen es. Doch "Vererben" kann schneller aktuell werden als einem lieb ist. Wer sich aber doch zu einem Testament entschließt, muss vor allem die Form wahren.

"Du sollst auf alle Fälle ein Testament machen, ist das erste und wichtigste Gebot beim Vererben." Das betonte Arthur Schriml, der Sozialreferent des BLLV. Heike Merther und Willibald Trißl, die beiden Vorsitzenden der BLLV-Kreisverbände Kemnath und Tirschenreuth, hatten ihn zu einem Vortrag mit dem Thema "Vererben - aber richtig" in die Mittelschule Erbendorf eingeladen.

Der Referent ging zunächst auf die Vorsorgevollmacht ein. "Diese sollte beim Landratsamt offiziell beglaubigt werden", riet er. "Was ist der Unterschied zwischen einem Vermächtnis und einem Testament?" und "Wer sollte unbedingt ein Testament machen?", fragte er. Seiner Meinung nach sollte jeder, der Vermögen hat oder Immobilien besitzt, ein Testament verfassen. Personen, die keine weiteren Angehörigen haben, oder in Lebensgemeinschaften leben, sollen auf alle Fälle einen letzten Willen verfassen, wenn sie nicht wollen, dass der Staat alles erbt.

Vier Rangordnungen

Anhand eines Stammbaums erklärte Schriml alle Möglichkeiten des Erbens bei der gesetzlichen Erbfolge. Dabei unterschied er zwischen Erben der ersten, zweiten, dritten und vierten Rangordnung. Sein wichtigster Hinweis war: "Verfassen Sie unbedingt ein Testament! Sie sind nie zu jung dafür."

Der letzte Wille sollte auf keinen Fall aufgeschoben werden. Ein Testament muss von vorne bis hinten handschriftlich verfasst sein, wenn man es nicht bei einem Notar oder einem Rechtsanwalt beurkunden lässt. Unter das Schriftstück kommt neben das Datum die Unterschrift von Hand, am besten mit Vor- und Zuname, um Verwechslungen zu vermeiden.

Beim Anfertigen eines Testaments sollte man sich Rat von Fachleuten einholen, beispielsweise von einem Rechtsanwalt oder Steuerberater, der über die Möglichkeiten der Einsparung von Erbschaftssteuer und über Freibeträge Auskunft geben kann. "Ein Testament sollte eindeutig und so klar wie möglich formuliert sein", sagte Schriml, "jedem Begünstigten sollten ganz konkret bestimmte Gegenstände zugewiesen werden."

Um Manipulationen vorzubeugen, sollte bei jedem Testament der letzte Satz folgendermaßen lauten: "Dieses von mir/uns geschriebene Testament enthält keine Streichungen und Änderungen." Formulierungen im letzten Willen sollen eindeutig sein, damit Irritationen und Streitereien vermieden werden.

In einem weiteren Punkt klärte der Sozialreferent des BLLV-Bezirks Oberpfalz den Begriff des Pflichtteils. "Ehepartnern und Kindern steht auf jeden Fall ein Pflichtteil zu, der aber nach drei Jahren verjährt ist", sagte er. Dabei handelt es sich um die Hälfte des Erbanspruchs. "Das ist aber nur ein Geldanspruch", betonte Schriml.

Vor dem Tod kein Anspruch

Auch mit dem Problem "Was wird automatisch vererbt?" befasste sich der Referent. Der Erbe tritt automatisch in laufende Verträge ein. Handyvertrag oder eine Jagd werden vererbt, ebenso Schulden und Verbindlichkeiten. Mitgliedschaften in Vereinen erlöschen automatisch mit dem Tod. Schriml ging auch darauf ein, dass es vor dem Tod keinen Anspruch auf ein Erbe gibt.

Meist erfährt ein Erbe erst mit der Eröffnung des Testaments, dass er erbt und was er erbt. Eine Erbschaft kann innerhalb von sechs Wochen ausgeschlagen werden. Damit ein gültiges Testament nicht spurlos verschwindet, sollte es nicht in einer Schublade aufbewahrt, sondern beim Amtsgericht gegen eine Gebühr von 75 Euro hinterlegt oder beim Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer in Berlin amtlich verwahrt werden.

"Überprüfen Sie etwa alle fünf Jahre die Vorsorgevollmacht, die Patientenverfügung, aber auch das Testament", riet der Referent.

Willi Trisl, der Vorsitzende des Kreisverbandes Tirschenreuth, bedankte sich bei Arthur Schriml für seine ausführlichen Informationen mit einem Präsent.
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