Höhen und Tiefen des Lebens

Martin Schraml (rechts) bedankte sich bei Thomas Kern, dass er die Kolpingsfamilie ein Stück auf den Jakobsweg mitnahm. Bild: sas
Lokales
Erbendorf
01.12.2014
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Im Kolpinghaus steht ein junger Mann in Sportkleidung und Wanderstiefeln. Ein Rucksack mit elf Kilogramm Gewicht macht die Runde, eine große weiße Muschel fällt ins Auge. Das alles steht in Zusammenhang mit seiner Fußwallfahrt nach Santiago de Compostela.

Thomas Kern, Student an der Universität in Eichstätt, berichtete vom "Höhepunkt seines Lebens". Als er 2011 seine bisherige berufliche Tätigkeit beendete, wollte er die Auszeit nutzen, um sich einen alten Wunsch zu erfüllen: eine Wallfahrt zum Grab des Apostels Jakobus im Norden Spaniens.

Er wählte die klassische Pilgerroute, die in St.-Jean-Pied-le-Port am Fuße der französischen Pyrenäen beginnt, und nach Roncesvalles in Spanien führt. Immer wieder betonte Kern, wie sehr dieser Weg sein bisheriges Leben mit Höhen und Tiefen widerspiegelte, und ihm half, mit vielen Dingen ins Reine zu kommen. Vor allem genoss er es, besondere Augenblicke und Stimmungen auszukosten, auch wenn das bedeutete, am Ende ein paar Tage später als geplant ans Ziel zu kommen.

Eine der Besonderheiten des Jakobswegs sei die Unterbringung in den traditionellen Pilgerherbergen, von denen es drei Varianten gibt: Neben den staatlichen Herbergen gibt es private sowie Klöster. Letztere böten nicht nur Bett und Nahrung, sondern auch geistliche Betreuung. Und häufig gab es Begegnungen mit Mönchen und Nonnen, die zum Liederabend einluden, oder den Pilgersegen spendeten.

Da es durchaus vorkam, dass man sich über die gesamte Strecke hinweg mehrmals zu Gesicht bekam, bildeten sich sogenannte "Pilgerfamilien". Man kochte gemeinsam und verbrachte den Abend im Gespräch. Und auch wenn es sprachlich manchmal nicht so einfach war - man verständigte sich, betete gemeinsam und verstand sich doch. Teilweise bestehe der Kontakt bis heute. Jeder geht den Weg auf seine Weise, und im eigenen Rhythmus. Und jeder hat seine Erlebnisse. Eine wichtige Station ist das Cruz de Ferro. Unter diesem schlichten Kreuz aus Holz und Eisen legen die Pilger einen kleinen Stein ab, um symbolisch die Last des bisherigen Lebens loszuwerden.

In Santiago traf er den Mitpilger, mit dem er am ersten Tag die Wallfahrt begonnen hatte, und sie zogen gemeinsam zur Kathedrale. Dort fand er auch seine "Pilgerfamilie" wieder. Am nächsten Tag stand der Besuch des Apostelgrabes im Mittelpunkt. Ganz in der Tradition der Jakobspilger stieg auch Thomas Kern die Treppe zum Hochaltar hinauf, wo die Pilger kurz die Statue des Apostels von hinten umarmen.

Martin Schraml bedankte sich im Namen der Kolpingfamilie bei Thomas Kern, dass er die Gäste ein Stück auf seinem Weg mitnahm.
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