Hoffnungsträger mit miesem Ruf

Ein optischer Gewinn sind die Mohnpflanzen für den Steinwald ganz sicher. Landwirt Josef Schmidt (Fünfter von rechts) erklärte den Vertretern der Steinwaldallianz, wieso die Pflanze auch wirtschaftlich eine Rolle spielen könnte. Bild: njn
Lokales
Erbendorf
10.07.2015
1
0

Was verbindet den Steinwald mit Afghanistan? Mohn. Öko-Landwirt Josef Schmidt baut die Pflanze mit dem schlechten Ruf an. Ernten möchte er sie aber aus anderen Gründen als seine afghanischen Kollegen.

In der Öko-Modellregion Steinwald gibt es zur Zeit zwei Bio-Mohn-Versuchsflächen. Eine davon gehört dem Öko-Landwirt Josef Schmidt. Auf der Bärnhöhe erklärte er einer Abordnung der Steinwald-Allianz, was er sich davon verspricht. "Schlafmohnanbau ist in Deutschland verboten. Ich habe aber eine Genehmigung der Bundesopium-Stelle", erklärte Schmidt. Verarbeitet wird Mohn in Deutschland sehr wohl: auf Semmeln, für Kuchen oder als Mohnöl. Die Rohstoffe kommen vor allem aus der Türkei oder Israel.

Seit gut zwei Jahren arbeitet der Öko-Landwirt mit der Pflanze, die es als Winter- und Sommerfrucht gibt. Er habe festgestellt, dass der Tiefwurzler trockenresistent ist, aber keine Staunässe vertrage. "Auf unserer Anbaufläche liegt unter der Humusschicht direkt Granit, geradezu ideal für die Pflanze." Dass der Mohn auf schlechten Böden wächst, sei eine Chance für den Steinwald. "Wir könnten eine Pionierleistung vollbringen", so Schmidt. Auch in der Fruchtfolge eines Bio-Betriebs sei Mohn sinnvoll, da er mit keiner der herkömmlichen Ackerfrüchte verwandt ist und kaum Krankheiten oder Schädlinge aufweist.

Pro Hektar Anbaufläche ernte er etwa eine Tonne. "Bei vier Euro pro Kilogramm Ertrag im Vergleich zu Bio-Getreide ein lukratives Geschäft." Auch Abnehmer lassen sich finden. Schmidt liefert den Mohn in eine Mühle, die das Naturprodukt zu Öl verarbeitet. Schmidts Gäste durften sich bei einer Kostprobe von dessen einzigartigem Geschmack überzeugen. Schmidt hat bereits Ideen, wie er den Abfall des Öl-Pressens verwenden kann. "Das Eiweiß lässt sich zu Tierfutter oder als Mohnpresskuchen weiterverarbeiten."

Steinwald-Allianz-Vorsitzender Hans Donko gefiel, was er zu sehen bekam: "Josef Schmidt hat damit ein Zeichen gesetzt." Donko hofft auf "eine Initialzündung für viele Bereiche". Das Projekt sei nachhaltig und habe Zukunft. "Den schlechten Ruf hat die Pflanze seinem Milchsaft zu verdanken", merkte Schmidt noch an. Der Samen enthalten dagegen gar keine Opiate.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.