Im Kampf gegen Windmühlen

Ein Fischadler-Horst im Hessenreuther Wald. Um ihn und andere Naturschönheiten wirksamer schützen zu können, möchte sich der Verein "Unser Hessenreuther Wald" auch offiziell als Naturschutzverein anerkennen lassen - zur Not auch per Klage. Archivbild: hfz
Lokales
Erbendorf
26.02.2015
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"Unser Hessenreuther Wald": Der Name ist bekannt, bei Kommunalpolitikern gefürchtet. Für den Naturschutz geht der Erbendorfer Verein keinem Streit aus dem Weg und zieht zur Not mit einer Musterklage vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.

(wüw) Johannes Bradtka ist verärgert: "Die wollen unsere Anerkennung mit allen Mitteln verhindern." "Die", das sind die Beamten beim Landesamt für Umwelt (LfU) in München. "Wir" sind Bradtka und seine Mitstreiter vom Verein "Unser Hessenreuther Wald" (Hintergrund). Als Vorsitzender hat Bradtka bei der Behörde im vergangenen Herbst die Anerkennung als landesweit tätiger Umwelt- und Naturschutzverein beantragt. Die Anerkennung gäbe dem Verein verschiedene Rechtsmittel an die Hand: "Wir müssten dann etwa bei Planfeststellungsverfahren, Umweltverträglichkeitsprüfungen oder bei der Ausweisung von Schutzgebieten beteiligt werden."

"Erbendorfer Hinterwäldler"

Das möchte das Landesamt für Umwelt verhindert, ist Bradtka überzeugt. "Ein erfahrener Anwalt hat uns bestätigt, dass unser Antrag alle Voraussetzungen erfüllt." Trotzdem lag kurz vor Weihnachten die Ablehnung im Briefkasten. "Das LfU hat offensichtlich nach Gründen gesucht, um uns die Anerkennung zu verweigern", meint Bradtka. "Weil es keine stichhaltige gab, mussten fadenscheinige Gründe herhalten." So führe die Behörde an, dass sich die Vereinssatzung zu sehr auf forstwirtschaftliche Interessen und nicht auf den Umwelt- und Naturschutz konzentriere. "Wenn es nicht so ernst wäre, müsste ich lachen."

Das gelte auch für ein anderes Argument: Die Internetseite des Vereins sei zu unübersichtlich. "Was hat das mit unserer Arbeit für den Naturschutz zu tun?" Zu Bradtkas Ärger trägt auch bei, was er zwischen den Zeilen des Ablehnungschreibens herausliest. "Offensichtlich betrachtet man uns Oberpfälzer als Hinterwäldler, die keine bayernweite Naturschutzarbeit leisten können." So moniere das Münchner Amt, dass der Verein nur eine Geschäftsstelle in Erbendorf hat.

Bradtka ist überzeugt, dass der wahre Grund für die Ablehnung ein anderer ist: die Position des Vereins zur Energiewende. Anders als zum Beispiel der Bund Naturschutz oder die Grünen steht der Verein besonders der Windenergie kritisch gegenüber. Die Experten des Vereins sehen bei dieser Form der Energieerzeugung längst wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund. Für Bradtka und seine Mitstreiter dient das Argument Naturschutz nur mehr als Vorwand, um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Tatsächlich rechne sich Windenergie gesamtwirtschaftlich nicht. Weil der Wind nicht dauerhaft weht, könne er Kraftwerke nicht ersetzen. "Deshalb steigt der CO2-Ausstoß, obwohl es immer mehr Windräder gibt." Vor allem kritisieren Bradtka und seine Mitstreiter die Folgen der Windenergie für Tierwelt, Natur und Landschaft. "Mit dieser Sicht machen wir uns bei der derzeitigen Windkraft-Begeisterung keine Freunde."

Das sei auch nicht Ziel des Vereins. Es gehe um Natur- und Landschaftsschutz - nicht mehr nur im Hessenreuther Wald, sondern in ganz Bayern. Im April eröffnet der Verein eine Geschäftsstelle für Südbayern in Dietramszell im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, aus dem Süden kommen inzwischen auch viele Mitglieder, daher auch der Namenszusatz "Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern".

"Wir sind gut aufgestellt und verfügen über ordentliches Expertenwissen", betont Bradtka und verweist auf die naturwissenschaftlich-technischen Fachleute unter den rund 150 Mitgliedern: Biologen, Forstleute, Geografen, Geologen, Physiker, Chemiker, Archäologen und Ingenieure verschiedener Fachrichtungen. "Das stellt sicher, dass wir unsere Naturschutzarbeit sachgerecht erledigen."

Guttenberg hilft

Hinzu kommen eine Reihe prominenter Mitglieder, die dem Verein auch finanziell beistehen. Unter anderem gab Dirigent Enoch zu Guttenberg mit Orchester und Chor 2014 ein Benefizkonzert für den Verein. Ministerpräsident Horst Seehofer informierte sich bei den Experten des Vereins zum Thema Windenergie. "Am Ende hat er uns bestätigt, dass die überstürzte Energiewende nach Fukushima ein Fehler war."

Abgesehen von Seehofer gebe es für Windkraftgegner in München derzeit wenig Unterstützer. Das sieht Bradtka durch die Ablehnung des Antrags bestätigt. Entmutigen lasse er sich nicht. Demnächst wird die Münchener Anwaltskanzlei Labbé & Partner für den Verein eine Gegendarstellung ans Landesamt für Umwelt versenden. Zwei Monate Frist werde das Amt erhalten. "Sollte es kein Umdenken geben, werden wir im Frühjahr vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Klage auf Anerkennung als bayernweite Umwelt- und Naturschutzvereinigung erheben. Dies wäre die erste dieser Art überhaupt in Deutschland. Das Verfahren hätte bundesweit Bedeutung. Mit der Klage verbunden sind bis zur Entscheidung alle Rechte eines anerkannten Naturschutzvereins.
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