Im Wald wächst die Harmonie

Ein Höhepunkt für Wanderer wie Mountainbiker in der Region: Obwohl die Burgruine Weißenstein an schönen Tagen immer gut besucht ist, gibt es auch hier kaum Konflikte. Bild: hfz
Lokales
Erbendorf
03.09.2015
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Kein Ärger, kein Streit: Im Großen und Ganzen kommen Oberpfälzer Waldbesitzer und Mountainbiker bestens miteinander aus. Deshalb würden die Wälder der Region wohl auch noch mehr Radler vertragen - zum Wohle der Menschen.

(wüw) Waldbesitzer und Mountainbiker: Anderswo verbindet beide nur die gegenseitige Abneigung, in der Oberpfalz dagegen die Harmonie. Bei einem Streit ums Biken in Ottobeuren musste das Verwaltungsgericht eingreifen, der Bayerische Waldbesitzerverband rät seinen Mitgliedern, Mountainbikestrecken möglichst zu zerstören, und so oft es geht Fahrverbote zu erlassen.

Die Bayerischen Staatsforsten in der Oberpfalz sehen dazu keine Veranlassung. "Grundsätzlich sehen wir Radfahrer in unseren Wäldern gerne. Das Rad ist ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel", sagt Daniel Zippert. Der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Waldsassen ist auch für den Staatswald am Steinwald-Kamm zuständig. Förster Hans Frisch sieht das für seinen Hessenreuther Wald genauso. "Wir hatten nie Probleme mit Mountainbikern."

Probleme an der Kösseine

Ganz so unkompliziert ist es für Zippert nicht. In seinem Gebiet gab es Probleme, weniger im Steinwald, zuletzt im Waldnaabtal. "Auf dem gesperrten Uferpfad waren Mountainbiker unterwegs." Besonderes Kopfzerbrechen hätten die dem Forstbetrieb aber nicht gemacht: "Mit denen konnte man gut reden." Nachdem die Mitarbeiter des Forstbetriebs sie aufs Verbot hingewiesen hatten, habe es keine Probleme mehr gegeben.

Derzeit beschäftigt sich Zippert mit einigen Strecken an der Kösseine. Dort haben Mountainbiker Schanzen und Steilkurven im Gelände angelegt. Wenn im Wald solche Bauwerke entstehen, mögen das Forstmänner gar nicht. Aber an grundsätzliche Verbote denkt Zippert nicht. Auch von Problemen auf Wanderwegen habe er wenig gehört. Die Situation sei unproblematisch, ein paar schwarze Schafe gebe es überall.

Zu denen zählt Matthias Lenk sicher nicht. "Ich fahre viel zu gerne Mountainbike, als dass ich mir den Spaß durch Streit mit anderen nehmen lassen möchte", sagt der Windischeschenbacher. Er betreibt die Seite mtb-oferpfalz.de, bietet regelmäßig geführte Touren an und ist in seiner Freizeit so oft es geht zwischen Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald unterwegs. Obwohl die Biker mehr werden, gebe es weniger Ärger. "Wenn, dann sind das Einzelfälle."

Einfache Regeln

Für das gute Verhältnis reiche es, sich an einfache Regeln der Rücksicht zu halten. "Ich suche Kontakt zu den Wanderern, grüße und rase nicht einfach vorbei." Selbstverständlich hätten Wanderer an Engstellen Vorrang, ebenso selbstverständlich sei, dass man im Wald keine unnötigen Schäden hinterlässt. "Wenn ich Touren führe, spreche ich die Leute darauf an, wenn sie durch sinnlose Vollbremsungen Spuren ziehen." Wildwechsel und -wege seien für Mountainbiker natürlich tabu.

Diese Wege der Wildtiere brauchen Mountainbiker in der Region zum Spaßhaben auch nicht. Lenk erlebt regelmäßig, wie begeistert Gäste von den legalen Möglichkeiten sind, die die Region Mountainbikern bietet. Im vergangenen Jahr führte er ein Redaktionsteam der Zeitschrift "Bike" unter anderem über den Goldsteig durch den Steinwald. Die Zeitung widmete der Oberpfalz eine Titelgeschichte. Seither treffe er ständig auf Mountainbiker aus ganz Deutschland auf den Wegen und Pfaden der Region. "Ihre Reaktionen sind beinahe immer positiv." Die Region schöpfe ihr Potenzial hier lange nicht aus, sagt Lenk. Er ist sicher, dass das Mountainbiken Touristen und damit Geld in die Region bringen könnte. Dafür müssten die Kommunen aber zusammenarbeiten, sich gemeinsam vermarkten. Dafür fehlt scheinbar noch die Harmonie, die in der Oberpfalz die Waldbesitzer und Mountainbiker auszeichnet.
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