Jubiläum zur rechten Zeit

Lokales
Erbendorf
09.07.2015
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Vor 50 Jahren ging das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende. Diplomtheologin Beate Eichinger stellte nun in ihrem Vortrag Hintergründe, Ereignisse und Nachwirkungen dieses historischen Ereignisses in der Mariä-Himmelfahrtskirche vor.

"In den zurückliegenden Jahren war in der Kirche aufgrund von Vorfällen eine spürbare Resignation und ein Niedergang der Stimmung festzustellen. Das Jubiläum ist jetzt zum rechten Zeitpunkt gekommen", führte Beate Eichinger aus.

Pfarrer Martin Besold begrüßte die Besucher an dem heißen Sommerabend. Zu dem Vortrag, der an die Ausstellung "50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil" angelehnt war, freute sich Besold besonders, die Referentin des Abends, Diplomtheologin Beate Eichinger begrüßen zu können. Hauptamtlich ist Eichinger als Bildungsreferentin bei der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) in Regensburg tätig. Zudem hat sie als Autorin bei der Zusammenstellung der Wanderausstellung mitgewirkt.

"Die vier Mitautoren und ich waren bei der Erstellung der Ausstellung fasziniert vom Geist des Konzils. Es war für mich Ermutigung und Bestätigung zugleich." Welche Stimmung damals herrschte, veranschaulichte die Referentin durch Filmausschnitte. Zentrale Fragen des durch Papst Johannes XXIII. einberufenen Konzils seien der Auftrag und die Aufgaben der Kirche sowie die Fragen der damaligen Zeit gewesen. "Die Begeisterung für das Konzil war groß, auch wenn kleine Kreise vor allem aus der Kurie Widerstand leisteten."

Anschaulich ließ Eichinger den Ablauf des Konzils Revue passieren. Insgesamt 2500 Bischöfe aller Ortskirchen der Welt trafen sich nach gut dreieinhalbjähriger Vorbereitung im Oktober 1962 in Rom. Insgesamt vier Mal - von September bis Dezember eines jeden Jahres - trafen sie sich zur Versammlung, bis das Konzil im Jahr 1965 schließlich zu Ende ging.

Selbst nach dem Tod von Papst Johannes XXIII. im Jahr 1962 sei sein Geist weiter im Konzil spürbar gewesen. Sein Nachfolger, Paul XI., führte die Arbeit weiter. "Dabei hat sich eine Dynamik entwickelt", betonte Eichinger. Denn es sei nicht nur die hohe Theologie diskutiert worden. "Das Konzil wird deshalb auch als eine innere Reinigung der Kirche bezeichnet." Insgesamt seien 16 Beschlüsse gefasst worden. "Beispielsweise wurden als Randthema die technischen Entwicklungen aufgegriffen und die Medien als Verkündigungswerkzeug zugelassen." Wie die Diplomtheologin weiter ausführte, wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Kirche die Bedeutung der Laien angesprochen. Ein Beispiel hierfür war die Bildungsreferentin selbst. Denn dieser und andere Berufe, wie Pastoralassistent gehen auf den Beschluss des Konzils zurück. Entscheidend sei, dass auf den Menschen selbst und seine Lebensbereiche eingegangen wurde. "Ein Quantensprung war vor allem die Religionsfreiheit."

"Die stärksten Veränderungen aber waren die in der Liturgie." Junge Mädchen als Ministrantinnen, Laien als Lektoren oder die Tatsache, dass der Pfarrer die Eucharistie mit Blick zum Volk feiert, all das sei heute selbstverständlich. Damit habe sich die Kirche auf ihre eigenen Wurzeln besonnen. "Zum Thema Frauen in der Kirche war ein zaghafter Ansatz im Konzil feststellbar." Neben den 300 Beratern und 67 Vertretern anderer Kirchen waren in den Konzilsversammlungen 1964 und 1965 nur 23 Frauen auf der Zuschauertribüne.

Als kleines Dankeschön für den aufschlussreichen Vortrag überreichte Pfarrer Besold mit KEB-Geschäftsführer Stelzl eine Flasche Erbendorfer Orgelwein an die Referentin. Musikalisch wurde der Vortrag von Organist Holger Popp umrahmt.
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