Kauziger Oberpfälzer kehrt heim

Ein ausgewachsenes Habichtskauz-Weibchen. Bild: Scherzinger
Lokales
Erbendorf
15.10.2015
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90 Jahre hat sich der Habichtskauz in der nördlichen Oberpfalz rar gemacht. Naturschützer wollen den Vogel nun heimholen - und nehmen dafür eine Menge Geld in die Hand.

(wüw) Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz (VLAB) holt den Habichtskauz zurück in die Oberpfalz. Im 19. Jahrhundert war der Greifvogel häufig in der Region anzutreffen. Der letzte soll dann 1926 bei Susice im Böhmerwald geschossen worden sein. Nur im Bayerischen Wald soll es noch wenige Tiere geben und auch in Nordbayern gab es immer wieder einzelne Tiere.

Start im nächsten Jahr

Der Naturschutzverein mit Sitz in Erbendorf möchte das Tier nun dauerhaft zurückholen. Die Naturschützer um Vorsitzenden Johannes Bradtka wollen dabei keine halben Sachen machen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und auch von verschiedenen Stellen gefördert. Das ist auch nötig, denn die Wiederansiedlung ist nicht billig: "Wir reden hier von rund einer Million Euro verteilt auf einen Projektzeitraum von zehn Jahren", sagt Bradtka. Weil es noch einiges zu klären gibt, möchte sich Bradtka noch nicht auf einen Zeitplan festlegen lassen. Damit die Wiederansiedlung zum Erfolg wird, möchte sie der VLAB mit Grundbesitzern, Jagdverbänden und Naturschutzbehörden abstimmen. Auch das Ausschöpfen aller Fördermöglichkeiten erfordere Geduld. "Wenn alles gut geht, soll es im nächsten Jahr losgehen." Wo genau in der Region, dazu möchte Bradtka noch nicht sagen.

Tiere von Opel

Fest steht bereits, dass zunächst über einen Zeitraum von mindestens drei Jahre 45 bis 60 junge Habichtskäuze ausgewildert werden. Die Tiere sollen unter anderem der Nürnberger Zoo und der Opel-Zoo in Kronberg im Taunus beisteuern. Vor dem Auswildern sollen sich die jungen Käuze für einige Wochen in einer Großvoliere an den neuen Lebensraum, das Klima und die artgemäße Nahrungsaufnahme gewöhnen. Um den Tieren das Überleben in der Wildnis anfangs zu erleichtern, werden spezielle Brutkästen in den Wäldern angebracht.

Bradtka ist überzeugt, dass das Projekt gelingen kann. Mut macht ihn der österreichische Zoologe und Ökologe Dr. Wolfgang Scherzinger: Der sieht im "Mittelgebirgskamm zwischen Sauwald (Donau), Böhmerwald, Oberpfälzerwald, Fichtelgebirge, Erzgebirge etc. bis zum Harz eine herausragende Ausbreitungsachse für eine waldbewohnende Eulenart".
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