Kunstschätze "erfahren"

Das Schleifentreffen im Lorettoheim mit den Vertretern der beteiligen Pfarreien. Mit auf dem Bild: die Initiatoren Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler (Zweiter von links) und Projektleiter Peter Kratzer (Sechster von rechts) sowie Schleifen-Koordinator Pfarrer Martin Besold (Siebter von rechts) und sein evangelischer Amtsbruder Manuel Sauer (Fünfter von rechts). Bild: njn
Lokales
Erbendorf
20.03.2015
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Ein großes Projekt geht in die entscheidende Phase: Der Simultankirchen-Radweg in der nördlichen Oberpfalz, genauer im ehemaligen Herzogtum Sulzbach, nimmt Gestalt an.

Die Initiatoren, Pfarrer Hans Peter Pauckstadt-Künkler und Projektmanager Peter Kratzer, stellten bei einem Treffen die nördlichste Schleife am südlichen Steinwald vor. Die offizielle Eröffnung wird voraussichtlich am 9. Mai in Wildenreuth stattfinden. Im Faustinusstüberl des Lorettoheims trafen sich die Vertreter der am Radweg beteiligten Pfarreien und Kirchengemeinden, um sich über die Fortschritte des Arbeitsteams sowie Ausgestaltung der Schleifen, insbesondere der Schleife Nummer 10 am südlichen Steinwald, zu informieren.

Lebendige Wahrzeichen

"Die 49 ehemaligen und noch bestehenden Simultankirchen sind Kulturschätze in der Oberpfalz und lebendige Wahrzeichen von regionaler und überregionaler Bedeutung", stellte Projektleiter Kratzer fest. Das Projekt Simultankirchen-Radweg beinhaltet zehn als Schleifen bezeichnete Radrundwege, die die Kirchen verbinden. Wie Kratzer ausführte, befinden sich diese in den Landkreisen Amberg-Sulzbach, Neustadt/Waldnaab und Tirschenreuth sowie in der Stadt Weiden.

"Die Liebe Gottes gilt allen." Mit diesem Zitat des Herzogs Christian August von Pfalz-Sulzbach (1622-1708) ging der Projektleiter auf die Entstehung des Simultaneums ein. "Nach dem Schrecken des Dreißigjährigen Krieges setzte der Herzog 1652 mit der Einführung des Simultaneums ein Zeichen der Toleranz in einer Zeit der konfessionellen Feindschaft." Ziel war ein gleichberechtigtes nebeneinander der evangelischen und katholischen Konfession mit gemeinsamer Benutzung der Kirchen, Pfarrhäuser und Friedhöfe.

Wie Kratzer weiter ausführte, seien die meisten Simultaneen zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgelöst worden. "Meist zog die größere Konfession aus und baute ein eigenes Gotteshaus, erhielt dafür aber eine Ablösesumme oder nahm entsprechend Einrichtungsgegenstände aus der gemeinsamen Kirche mit." Die Schleife 10 habe mit der St. Jakobskirche in Wildenreuth eine der wenigen noch heute simultanen Pfarrkirchen, die gemeinsam von beiden Konfessionen genutzt werde.

Start auf Parkplatz

Bei der Routenführung wurde darauf geachtet, dass der Startpunkt nach Möglichkeit an einem Bahnanschluss beziehungsweise geeignetem Parkplatz beginne. Wie Pfarrer Pauckstadt-Künkler erklärte, verlaufe der Weg der Schleife 10 von Windischeschenbach auf bestehenden und ausgewiesenen Radwegen nach Kirchendemenreuth, Wildenreuth und Erbendorf weiter nach Thumsenreuth und von dort über Krummennaab zurück zum Ausgangspunkt.

Neben der noch heute simultanen Kirche in Wildenreuth können die Gäste die ehemaligen Simultankirchen Hl. Johannes der Täufer in Kirchendemenreuth, die katholische Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt in Erbendorf, die evangelische Ägidienkirche in Thumsenreuth und die evangelische Leonardikirche in Krummennaab kennenlernen. "Sogenannte Roadbooks mit genauer Routenführung und Höhenprofilen werden ab Mai unter www.simultankirchenradweg.de zur Verfügung gestellt." Peter Kratzer führte weiter aus, dass mit dem Simultankirchen-Radweg die Natur, Kultur und Spiritualität "erfahrbar" gemacht werden solle. "Sakrale Kunstschätze können neu entdeckt und wertgeschätzt werden und die Radler können Geschichte und Geschichten aus der Oberpfalz erleben." Nicht zuletzt kann so die Oberpfalz umweltfreundlich mit dem Rad erkundet und die Oberfpälzer Gastfreundschaft genossen werden.

Ansprechpartner Besold

Beim Schleifentreffen diskutierten die Vertreter der einzelnen Pfarreien, unter anderem der katholische Pfarrer Martin Besold und Wildenreuths evangelischer Pfarrer Manuel Sauer, wie der Simultankirchen-Radweg vor Ort mit Leben erfüllt werden kann. "Denkbar sind Kirchenführungen, Gottesdienste, Andachten oder andere spirituelle Formen in den Kirchen", so Pfarrer Besold. Bis zur offiziellen Eröffnung des Simultankirchen-Radweges am 8. Mai in Sulzbach-Rosenberg sollen auch Veranstaltungen vor Ort feststehen. Ansprechpartner der Schleife 10 wird übrigens Pfarrer Besold sein.
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