Wenn es qualmt, gibt's Alarm

Fachberater Winfried Hanke von der Brandschutztechnik Godeck-Rucker aus Marktredwitz informierte über die Möglichkeiten des Einsatzes von Rauchmeldern. Bild: njn
Lokales
Erbendorf
13.11.2014
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400 Menschen sterben jährlich in Deutschland bei Bränden. Die meisten von ihnen nicht infolge des Feuers, sondern wegen giftigen Qualms. Besonders groß ist die Gefahr nachts, wenn im Schlaf der Geruchssinn "abgestellt" ist. Aber es gibt einen Aufpasser.

Mehr als 95 Prozent der Opfer bei Bränden sterben nicht durch das Feuer, sondern durch den tückischen Rauch. Darauf machte Kommandant Bernhard Schmidt die zahlreichen Interessierten beim Informationsabend zum Thema Rauchmelder aufmerksam. "Rauchmelder retten Leben", erklärte Schmidt.

Im Schulungsraum des Feuerwehrhauses stellte Vorsitzender Albert Vollath mit Kommandant Bernhard Schmidt und Fachberater Winfried Hanke von der Brandschutztechnik Godeck-Rucker aus Marktredwitz die beiden Referenten vor.

Zunächst wartete Schmidt mit einigen interessanten Zahlen auf. So brechen nur ein Drittel aller Brände in der Nacht aus, dafür seien aber zwei Drittel aller Brandtoten in der Nacht zu beklagen. "In der Nacht ist der menschliche Geruchssinn nicht aktiv", stellte der Kommandant fest. Der Brandrauch enthalte todbringende Salzsäure- und Blausäuredämpfe, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid.

Der Kommandant nannte auch die häufigsten Brandursachen im Haushalt, unter anderem elektrische Geräte, offenes Feuer, Heizgeräte und Herdplatten. Wie schnell sich ein Feuer ausbreiten kann, erklärte er anhand eines Großbrandversuches der Bundesanstalt für Materialforschung. "Nach Entzündung einer Schaumstoffmatratze mit einem Teelicht im Kinderzimmer brannte es lichterloh, schon nach vier Minuten ging der Brand in einen Vollbrand über, bei dem die Flammen aus dem Fenster schlugen."

Tod in kurzer Zeit

Fürs Überleben wurde in den 1970er Jahren noch mit 17 Minuten kalkuliert, um den brennenden Raum zu verlassen, merkte Schmidt an. Aufgrund der gestiegenen Anteile von Kunststoffen in den Räumen seien heute nur noch zwei bis vier Minuten zur Flucht realistisch. "Die giftigen und toxischen Dämpfe führen in kurzer Zeit zum Erstickungstod."

"Rauch ist schneller und lautloser als Feuer", stellte der Kommandant fest. "Brandrauch betäubt im Schlaf und manche wachen nicht mehr auf." Abhilfe könne der laute Alarm eines Rauchmelders schaffen, der Schlafende rechtzeitig weckt.

"In vielen Bundesländern sind Rauchwarnmelder in Wohnungen bereits Pflicht", so Schmidt. So in Bayern seit 2013 in allen Neu- und Umbauten. Für Altbauten jedoch gelte eine Übergangsfrist bis 1. Januar 2017. Dann müsse in sämtlichen Wohnungen mindestens jeweils ein Rauchmelder in Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren, die zu den Aufenthaltsräumen führen, eingebaut sein.

Verschiedene Systeme

Die Funktionsweisen und die verschiedenen Rauchmelderarten stellte Winfried Hanke von der Brandschutztechnik Godeck & Rucker vor. So gebe es fotoelektrische Rauchwarnmelder, für Küchen, Bäder, Heizungs- und Waschmaschinenräume Hitze- oder auch Kohlenmonoxidwarnmelder.

"Die im Handel erhältlichen Geräte besitzen aber nicht alle unbedingt die Qualität, auf die sie sich verlassen können", schränkte Hanke ein. Er zeigte auf, worauf der Käufer zu achten habe. So sollte das Gerät nach DIN-Norm EN 14 604 gebaut sein. Ebenso sollte es das Qualitätssiegel "Q" nach den vfdb-Richtlinien, zertifiziert durch den VDS oder TÜV, haben. Wichtig sei auch das CE-Prädikat.

Der Fachmann merkte aber an, dass nach den gesetzlichen Bestimmungen die Rauchmelder nur durch eine ausgewiesene Fachkraft eingebaut werden und jährlich überprüft werden dürfen, um die Funktionsfähigkeit im Ernstfall aufrecht zu erhalten.

"Denn nach einem Brand werden auch die Brandversicherungen die Nachweise einer fachmännischen Montage und der jährlichen Überprüfung fordern."

Im Anschluss an ihre Vorträge beantworteten Hanke und Schmidt noch zahlreiche Fragen rund um die Rauchmelder.
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