Wespen, die auf Schnecken fliegen

Wespen in der Auslage der Bäckerei Schraml in Erbendorf. Zucker zieht die Tiere magisch an. Bild: njn
Lokales
Erbendorf
11.08.2015
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Auch für Wespen ist derzeit der schönste Platz an der Theke - allerdings in der Bäckerei statt in der Kneipe. Die Betriebe und ihre Mitarbeiter in der Region haben Strategien gegen die Plagegeister entwickelt. Wirklich gefährlich sei die Plage in der Regel ohnehin nicht, sagt die Aufsicht.

(wüw) Der Gefahr ins Auge sehen, das müssen Autorennfahrer, Feuerwehrleute - und derzeit auch Bäckereiverkäufer. Bestellt ein Kunde etwas Süßes, greift die Frau hinter der Theke hinein in die Auslage und damit in ein aggressives Gewirre und Gebrumme aus Wespen im Zuckerrausch. "Es stimmt schon, so viele Wespen wie heuer gab es wohl noch nie", bestätigt Ivonne König. Sie stellt sich in der Erbendorfer Bäckerei Schraml am Marktplatz dem täglichen Kampf mit den Biestern.

Bislang habe sie den beinahe immer siegreich bestanden: "Gestochen wurde ich in diesem Jahr bislang nur einmal ins Bein", erklärt König. Sie hatte eine Biene übersehen, die sich auf einem Korb niedergelassen hatte. Als sie den Korb wegtragen wollte, war es schon passiert. Ihre Kollegen seien bislang im Großen und Ganzen verschont worden. In der Backstube gebe es das Problem ohnehin nicht: "Dort habe ich noch nie eine Wespe gesehen." Und im Verkaufsraum helfe ihr und den Kollegen die Klimaanlage. "Wespen mögen die kalte Luft nicht." Deshalb halte sich das Problem im Vergleich zu anderen Bäckereien in Grenzen.

Zuckerwasser als Ablenkung

Keine Klimaanlage: eine Schale mit Zuckerwasser ist das Rezept der Bäckerei Söllner. Die steht vor dem Ebnather Traditionsbetrieb in der Schulstraße und soll die Insekten vom Gebäck fernhalten. Das klappe ganz gut, verrät der Bäckereichef. "Im Vergleich zu anderen Bäckereien hält sich das Problem in Grenzen." Das Personal achte auch darauf, Türen nicht unnötig lange offen zu lassen. "Und wenn es zu schlimm wird, haben wir noch einen Staubsauger." Eher seien die Wespen auf der Terrasse ein Problem, aber auch dort gab es bislang wenig Stiche. "Ein oder zwei Gäste sind schon mal gestochen worden, aber das kann einem ja immer mal passieren."

Allerdings erhöht sich die Gefahr deutlich, wenn man mit den Wespen um ein Stück Zwetschgenkuchen konkurriert. Grundsätzlich zieht die Tiere alles an, was süß ist, aber Zwetschgen scheinen die absolute Leibspeise zu sein, sind sich König und Söllner einig. "Auf Zwetschgen sind sie ganz verrückt", sagt König.

Keine Krankheitsüberträger

So ärgerlich die Wespen-Plage auch ist: Abgesehen von Allergikern muss sich keiner fürchten. Wespen seien keine Krankheitsüberträger, erklärt Claudia Prößl vom Landratsamt in Neustadt/WN. Es gebe deshalb seitens des Gesundheits- und Gewerbeaufsichtsamts auch keine speziellen Vorgaben oder Richtlinien. "Die Betriebe müssen auf hygienischen Umgang mit Lebensmitteln achten, Wespen in der Auslage schaden den Lebensmitteln nicht und sind deshalb auch kein Problem", erklärt die Sprecherin der Behörde. Wirklich abhalten würden sich die Tiere ohnehin nicht lassen.
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